Gesundheitsämter Corona in Kitas und Schulen - auf oder zu?

Es kommt vor, dass die Gesundheitsämter bei ähnlich gelagerten Corona-Fällen in Kitas und Grundschulen von Ort zu Ort unterschiedlich reagieren. Wie ist das möglich? Zwei Beispiele aus Leipzig und Halle.

Frau und Kind auf Gehweg von hinten
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Sarah Kottnik lebt mit ihrer Familie in Leipzig und hat aktuell ein Problem: Ihre beiden Kinder sind in Quarantäne. In der Kita gab es mehrere positive Corona-Fälle. Sie und ihr Mann arbeiten im Homeoffice, können die Betreuung also organisieren. Doch für die Kinder wird die Situation zunehmend schwierig. "Bei der Kleinen merkt man es ganz arg, dass die wirklich raus möchte", erzählt die Mutter. "Sie weint immer mehr in den letzten Tagen. Sie ist auch unausgelastet und hat so viel Energie und so viel Power, dass sie frühestens um halb zehn Uhr abends einschläft."

Keine klaren Ansagen

Anfang November bekam Sarah Kottnik eine E-Mail von der Kita-Leitung. Eine Erzieherin sei positiv auf Corona getestet worden, das Gesundheitsamt sei informiert.  

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Sarah Kottnik fühlt sich verunsichert, weil es keine klare Ansage vom Gesundheitsamt nach einem Corona-Fall in der Kita gab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Insgesamt vier Mitarbeiterinnen der Kita müssen in Folge in Quarantäne. Die Kita selbst bleibt geöffnet. Sarah Kottnik wundert sich, dass vom Gesundheitsamt keine Anweisung zur Schließung kommt. Vorsorglich lässt sie ihre beiden Kinder zu Hause. "Wenn ich meine Kinder zu Hause habe und nicht flexibel arbeiten kann, muss ich mir frei nehmen", erläutert Sarah Kottnik ihr Dilemma. "Wenn aber keine Quarantäne-Anordnung vom Gesundheitsamt vorliegt, dann kann ich nicht auf die bezahlte Freistellung zurückgreifen, sondern muss nach anderen Möglichkeiten gucken. Lasse ich mich krankschreiben, wenn ich nicht krank bin? Schwierig! Lasse ich mein Kind krankschreiben, das aber keine Symptome hat? Auch schwierig. Nehme ich Urlaub, wenn ich noch welchen habe oder unbezahlten Urlaub? Das, finde ich, ist eine Situation, die nicht fair ist."

Einheitliches Vorgehen gewünscht

Auch als sieben Tage später zwei Kinder positiv getestet werden, schließt das Gesundheitsamt die Kita nicht. Das macht letztlich der Träger, die Diakonie Leipzig. Den Fachbereich Evangelische Kindertagesstätten leitet Christiane Michalski. Vom Gesundheitsamt fühlt sie sich nur unzureichend unterstützt: "Weil für uns einfach die Zeitspannen zu lang waren. Und die Nachvollziehbarkeit, warum das Gesundheitsamt so agiert, war für uns nicht transparent. Gerade weil wir natürlich Kontakt zu anderen Trägern und von ähnlich gelagerten Fällen gehört haben, bei denen eine Gruppenschließung eben durchgesetzt wurde."

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Christiane Michalski ist Fachbereichsleiterin der Evangelischen Kindertagesstätten der Diakonie Leipzig. Sie wünscht sich ein einheitliches Vorgehen der Gesundheitsämter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona sei jetzt ein viel größeres Problem als noch im Frühjahr, sagt Christiane Michalski. Gerade deshalb hätte sie erwartet, dass es klarere Ansagen vom Gesundheitsamt gibt. Aus Perspektive der Träger wünsche sie sich, dass das Gesundheitsamt einheitlich vorgehen würde. Das könnte man auch den Eltern transparent vermitteln. "Aber es ist sehr schwierig, wenn in einer Kita die Gruppe geschlossen wird und in einem ähnlich gelagerten Fall, die Kinder aus der Gruppe eben nicht als Kontaktpersonen in Frage kommen. Denn man muss ja auch wissen, dass man damit Unsicherheiten bei den Eltern weckt und letztlich mit der Gesundheit spielt", so Michalski weiter.

Infektionsschutzgesetz als Entscheidungsgrundlage

Aus dem Leipziger Rathaus heißt es zu diesem Fall: "Im Allgemeinen kann das Gesundheitsamt Einrichtungen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes vorübergehend schließen, wenn es als notwendig und verhältnismäßig eingeschätzt wird. In diesem Fall erwies es sich nicht als notwendig."

Dass es auch anders geht, zeigt ein Fall in Halle. Hier erkrankten in einer Grundschule zwei Kinder an Corona. Eins in der zweiten und eins in der vierten Klasse.

Saubere Kommunikation, nachvollziehbare Argumente

Anna Kostov ist Elternsprecherin einer vierten Klasse in der betroffenen Schule. Sie schildert die Reaktion auf den Fall so: "Es wurde noch am selben Tag von der Schulleitung mündlich gesagt, dass wir in Quarantäne kommen, und zwar Klassenstufenweise, mit dem Vermerk, das Gesundheitsamt meldet sich schriftlich. Zwei Tage später kam dann die Info vom Gesundheitsamt. In einer Mail stand drin, das Kind ist in Quarantäne, der Abstrich kommt in den nächsten zwei Tagen. Da waren Termine gesetzt, auch wie man sich zu verhalten habe. Das war alles in der Mail. Und damit war alles klar."

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Anna Kostov ist Elternsprecherin einer vierten Klasse in Halle und ist zufrieden mit der Reaktion ihrer Schule und des Gesundheitsamtes auf Corona-Infektionen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Großen und Ganzen sei sie zufrieden, wie mit den Coronafällen an der Schule umgegangen worden sei. "Ich fand es insofern alles sauber, weil immer alles erklärt wurde und habe dann auch nachvollziehen können, dass es Verzögerungen gibt und so weiter. Aber in der Sache war das von vorne bis hinten logisch und dann auch konsequent", sagt Anna Kostov.

Freie Interpretation von RKI-Vorgaben

Einigermaßen zufriedene Eltern in Halle. In der Kita in Leipzig sind die Eltern dagegen verunsichert. Trotzdem: Beide Städte haben sich an die Vorgaben des Robert Koch-Instituts gehalten. Nur kann diese Vorgaben jedes Gesundheitsamt nach eigenen Vorstellungen auslegen.

Manche Eltern haben aber auch eine ganz andere Perspektive. Wie ein Vater, der mit seinen beiden Töchtern auf dem Weg zur Kita ist: "Ich komme aus Amerika und da läuft alles anders. Da wird nicht informiert, alle machen was sie wollen und hier ist es gut."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 25. November 2020 | 20:15 Uhr