Studie zur Kinderbetreuung Kita-Gruppen sind oft zu groß

Mehr als jede zweite Kita-Gruppe in Deutschland ist noch immer zu groß. Auch kommen nach wie vor zu viele Kinder auf eine Betreuerin. Das geht aus dem jährlichen Ländervergleich der Bertelsmann-Stiftung hervor. Sachsen Kultusminister Piwarz kritisierte, das Ländermonitoring messe ostdeutsche Verhältnisse mit westdeutschen Maßstäben.

Die Kinder einer Kindergrippe sitzen im Rahmen der Notbetreuung während des Mittagessens an einem Tisch.
Kinder in einer Kindergrippe: Noch immer sind die meisten Gruppen zu groß. Bildrechte: dpa

Trotz des bundesweiten Ausbaus der Kinderbetreuung sind die Gruppen in vielen Kindergärten und Kinderkrippen nach wie vor zu groß. Wie aus dem jährlichen "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelmann-Stiftung hervorgeht, hat mehr als jede zweite Kitagruppe (54 Prozent) zu viele Kinder. Zudem stand zum Stichtag im März 2019 für rund 1,7 Millionen zu betreuende Kinder nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung.

Zu viele Kinder pro Fachkraft

Im bundesweiten Durchschnitt kam der Studie zufolge im Jahr 2019 rein rechnerisch in Krippengruppen eine Fachkraft auf 4,2 Kinder. In Kindergartengruppen waren es 8,8 Kinder. Laut wissenschaftlichen Empfehlungen sollte eine Erzieherin aber für höchstens drei Kleinkinder oder 7,5 Kinder über drei Jahren zuständig sein. Krippengruppen sollten nicht mehr als zwölf und Kindergartengruppen nicht mehr als 18 Kinder umfassen.

Personalsituation seit 2013 verbessert

Insgesamt hat sich der Studie zufolge die Personalsituation bei der Kinderbetreuung aber verbessert: So hatte 2013 der Personalschlüssel in Krippengruppen noch bei eins zu 4,6 Kindern und in Kindergartengruppen bei eins zu 9,6 Kindern gelegen. Dennoch war für 74 Prozent der Kitakinder der Personalschlüssel auch 2019 weiterhin nicht kindgerecht.

Weiterhin Ost-West-Unterschiede

Auch der Ost-West-Vergleich offenbart noch große Unterschiede: So wurden 93 Prozent der Kinder in Ostdeutschland von zu wenigen Erziehern betreut, in Westdeutschland waren es nur 69 Prozent. 2019 kamen im Osten auf eine Krippenfachkraft durchschnittlich 5,7 Kinder, im Westen 3,6. In Kindergärten betreute in den ostdeutschen Ländern eine Erzieherin oder ein Erzieher 11,3 Kinder, in Westdeutschland 8,2 Kinder.

Kritik aus Sachsen

Christian Piwarz
Piwarz: "Vergleich von Äpfeln und Birnen." Bildrechte: dpa

Kritik an der Studie kommt aus Sachsen. Kultusminister Christian Piwarz sagte, das Ländermonitoring messe ostdeutsche Verhältnisse mit westdeutschen Maßstäben. "Das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen und wird der besonderen Situation in Ostdeutschland in keiner Weise gerecht." Es sei falsch, nur den Personalschlüssel in den Blick zu nehmen und die deutlich höheren Betreuungsquoten außer Acht zu lassen, betonte der CDU-Politiker. Piwarz verwies darauf, dass im Osten deutlich mehr Kinder unter drei Jahren betreut werden. So liegt die Quote in Krippen bundesweit bei 33,6 Prozent beträgt, in Sachsen bei knapp 51 Prozent.

Qualifikation im Osten höher

Auch die Qualifikation des Kitapersonals ist der Sudie zufolge bundesweit sehr unterschiedlich, wobei das Niveau im Osten erheblich höher liegt. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil des als Erzieherinnen und Erzieher ausgebildeten Personals mit 82 Prozent um 16 Prozentpunkte höher als in den westdeutschen Bundesländern. Im Westen arbeiten hingegen deutlich mehr Kinderpfleger oder Sozialassistenten.

Grundlage des jährlich aktualisierten Ländermonitors sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Stichtag ist jeweils der 1. März.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. August 2020 | 05:00 Uhr

9 Kommentare

Kritische vor 20 Wochen

Ich war Krippen- und auch Kindergartenkind in der DDR. Nein, damals war nicht alles besser. Auch ich habe geweint, dort von 8 bis 18 Uhr abgegeben worden zu sein, zur Strafe wegen nicht erfolgtem Mittagsschlaf "nachschlafen" zu müssen, aufessen zu müssen und dergleichen. Da nützt mir auch ein niedriger Betreuungsschlüssel nichts. Und meine Mutter musste mich sogar zeitweise (Anfang der 70er) in einer Wochenkrippe abgeben, das war fast wie Kinderheim. Ich habe dadurch ein dauerhaft gestörtes Bindungsverhältnis zu meiner Mutter. Sie hatte keine Wahl, musste voll arbeiten und hatte keinen Krippenplatz. Ausreichend davon gab es nämlich erst Ende der 70er. Trotzdem lehne ich die Beurteilung ab, Kitas heute wären nur nötig, weil die bösen Mütter (bei Vätern wird das ja nie in Frage gestellt) arbeiten gehen. Heute ist die Pädagogik doch weiter, mehr am Kind dran, individueller und man hat mehr Gespür für Kinderrechte. Und ja, man hat mehr Wahlmöglichkeiten als Familie, aus zeitlich.

Kristian vor 20 Wochen

"Äpfel und Birnen"? So ganz unrecht hat der Herr Piwarz ja leider nicht. Mit den hohen Betreuungsquoten im Osten sind die besseren Betreuungsschlüssel des Westens nicht zu leicht machen. Allerdings vermengt er in seiner Argumentation etwas miteinander - leider ungesagt -, das noch verschiedener ist, als die beiden Baumfrüchte, bzw. Betreuungsschlüssel und Betreuungsquote - nämlich Qualität frühkindlicher Bildung mit den finanziell sicherlich größeren Problemen, die Ost-Bundesländer mit dem Thema haben. Sofern der Minister die Kitas überhaupt als Bildungsort ansieht, sollte er über die Sache mit den Äpfeln und den Birnen aber vlt. nochmal nachdenken...

Kiel_oben vor 20 Wochen

Die Akzeptanz externer Kinderbetreuung war in der DDR sehr hoch, denn die soziale Norm der Vollzeiterwerbstätigkeit galt auch für Mütter, sodass die meisten nach Ablauf des Babyjahres wieder arbeiten gingen. Nur so war die hohe Erwerbsbeteiligung von 91 Prozent 1989 erreichbar – die höchste Quote weltweit. Im selben Jahr wurden 80 Prozent der Kinder unter drei Jahren in einer öffentlichen Einrichtung betreut, bei über dreijährigen war der Anteil noch höher. Eine Kostenbarriere gab es nicht, da nur ein sehr geringer Verpflegungsbeitrag zu zahlen war. Das Babyjahr gab es zuerst nur für Alleinerziehende, später auch für Verheiratete beim zweiten Kind, ab 1986 für alle Mütter – bei vollem Lohnausgleich. War das Kind krank, konnten Mütter viele Tage zusätzliche bezahlte Freistellung im Jahr erhalten. Mit einer Kündigung wegen Schwangerschaft, Babyjahr oder kranken Kindern musste in der DDR keine Frau rechnen. Seit 1976 hatten Mütter ab dem zweiten Kind eine reduzierte Wochenarbeitszeit.