Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Der Klimawandel zwingt die Politik zum Umdenken. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Klimaschutz Klimakabinett diskutiert CCS-Technologie

Die Bundesregierung diskutiert heute im sogenannten Klimakabinett übers Klimaschutzgesetz. Aber auch eine andere Debatte soll dort geführt werden, eine mit noch langfristigeren Folgen: Es geht um CCS, also das Speichern von CO2 in der Erde. Umweltministerin Schulze und Kanzlerin Merkel haben sich bereits für die Technologie ausgesprochen. Was ist CCS und was kann es für den Klimaschutz bringen?

von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Der Klimawandel zwingt die Politik zum Umdenken. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Wenn CO2 in die Atmosphäre kommt, trägt es zum Klimawandel bei. Warum also nicht gleich vom Kraftwerk, wo es frei wird, unter die Erde leiten – und es dort luftdicht verpacken – am besten für viele tausend Jahre? Das ist die Idee von Carbon Capture and Storage, kurz CCS.

Kritik an der Idee

Wirtschaftsverbände und Wissenschaft haben sich schon vor Jahren dafür stark gemacht. Doch die Debatte über die Technologie kam schnell zum Erliegen. Denn CCS hat in Deutschland einen schlechten Ruf, das weiß auch die Kanzlerin.

Die CO2-Speicherung ist in Deutschland sehr umkämpft. Und viele Menschen haben Sorgen.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Karsten Smid
Karsten Smid ist Experte für internationale Energie- und Klimapolitik. Bildrechte: dpa

Karsten Smid vom Umweltverband Greenpeace sieht CCS als Ablenkungsmanöver von anderen Klimaschutzmaßnahmen und als Risikotechnologie: "Wenn Millionen Tonnen CO2 im Untergrund verpresst werden, dann entsteht da enormer Druck", sagt er. "Ob die geologischen Formationen das dauerhaft aushalten, ist nicht klar. Es kommt dort zu Mikrobrüchen. Und es kann dann an anderen Stellen austreten." Und wenn das passiert, dann kann der Boden oder das Grundwasser Schaden nehmen. So sieht es auch das Umweltbundesamt.

Geo-Forscher: CCS-Technologie ist sicher

Dass es so nicht kommen muss, zeigt ein Pilotprojekt des Deutschen Geoforschungszentrums. In Ketzin in Brandenburg haben die Forscher immerhin 10 Jahre lang CO2 in der Erde eingelagert, in gut 600 Metern Tiefe. Der Chef des Geoforschungszentrums Reinhard Hüttl sagt, die Forschung zeige, dass die CCS-Technologie sicher sein könne.

Sie können natürlich jede Technologie so einsetzen, dass sie nicht funktioniert. Sie können auch eine Brücke bauen, die nicht hält. Oder eine Bremse, die nicht bremst. Die Frage ist: Macht man es richtig? Da würden wir sagen: Das geht. Ganz sicher. Unter den jeweils relevanten Rahmenbedingungen.

Reinhard Hüttl Chef des Deutschen Geoforschungszentrums

Gestein zum Speichern gebe es zum Beispiel unter der Nordsee.

Vorteile von CCS

Klimaforscher gehen sogar noch einen Schritt weiter. Ohne CCS seien die weltweiten Klimaziele gar nicht einzuhalten, sagt etwa Jan Minx vom Mercator Institut für globale Gemeingüter und Klimawandel, der am Klimareport der Vereinten Nationen mitgearbeitet hat. Wenn Minx an CCS denkt, hat er nicht so sehr das CO2 aus Kohlekraftwerken im Blick, denn dafür gibt es ja eh einen Ausstiegsplan.

Minx denkt eher an die Industrie. Beim Produzieren von Zement zum Beispiel entsteht viel CO2. Und der Klimaforscher denkt ans Verfeuern von Pflanzen. Denn so könnte man die CO2-Bilanz der Welt sogar verbessern. "Also der Atmosphäre wird durch das Wachstum der Pflanzen CO2 entzogen. Jetzt verfeuern wir das zur Stromproduktion in Kraftwerken. Und fangen dann aber das CO2 ab und lagern es ein. Und dann ist es ja kein Nullsummenspiel. Sondern wir entnehmen der Atmosphäre CO2."

Die Zeit drängt

CO2 aus der Luft holen – das ginge auch, indem man mehr Wälder anlegt. Aber das sei nicht sonderlich effizient und der Platz dafür sei begrenzt, sagt Klimaforscher Minx. Deshalb fordert er: CCS muss schnell marktreif werden. Bei der Solarzelle, sagt Minx, habe es damals 60 Jahre gedauert, bis sie preisgünstig zu haben war. In der Klimafrage aber dränge jetzt die Zeit.

Die Technik, die schon für tot erklärt wurde, könnte also wieder kommen. Auch Kanzlerin Merkel macht sich für sie stark. Denn sie will sich der Initiative des französischen Präsidenten Macron anschließen. 2050 soll Europa klimaneutral werden, also unterm Strich kein CO2 mehr ausstoßen. Merkel lässt durchblicken: Aus ihrer Sicht geht das nur, indem man CO2 im Boden speichert. Im Klimakabinett soll sich nun entscheiden, wie die Regierung zu CCS steht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 29. Mai 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 07:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

30.05.2019 10:46 Mane 10

Danke Dieter für Deine Unterstützung. Jetzt geht schon der Streit in der Union los ,wegen Ausstieg der Kohle 2038 und die Finanzierung.

30.05.2019 10:13 Fragender Rentner 9

Könnte bei diese so hoch gelobten Technologie auch das geschehen wie es beim Fracking geschied?

Oder wie es in so manchen Städten im Südwesten mit der dann in Bewegung geratener Erde geschah, wo dann die Häuser große Risse bekamen?

30.05.2019 10:07 JÖRG 8

Was wir heute beschließen auch wenn's wirklich nicht gut ist für die Erde was interessiert uns Politiker das Hauptsache es passiert nichts in den nächsten 30 Jahren den dann gibt's uns ja nicht mehr auf Erden

29.05.2019 22:37 Werner 7

Und wo wollen wir unseren Atommüll lagern? Auch dieses Problem steht noch in den nächsten Jahrzehnten an. Und wehe so ein CCS-Lager wird undicht. Dann wir jede Menge CO² schlagartig frei. Klimabilanz ist dann dahin.

29.05.2019 21:08 Dieter 6

E. Philips:
Natürlich hat Mane Recht, denn selbst wenn Deutschland völlig verschwinden würde, würde das nichts am zukünftigen Klima ändern. ebenso für Europa. Auch das Argument mit der Vorbildwirkung zieht nicht, denn andere Länder werden sich nicht an Deutschland orientieren (wie beim Atomausstieg).
Die Formulierung "klimaneutral" ist wissenschaftlicher Unsinn, weil viele Faktoren in die Klimaentwicklung reinspielen- ein Land wird nie klimaneutral sein.
Selbst wenn man nur den CO2 Ausstoß damit meint (was sachlich etwas völlig anderes ist), ist das aufgrund der internationalen Wirtschaftsverflechtung kaum zu erreichen. "Klimaneutral" ist ein Propagandabegriff.
Bitte immer zuerst in den Spiegel schauen, bevor man antwortet.

29.05.2019 18:44 MartinStLouis 5

Gasfelder enthalten oder enthielten Methan (ist ca. 25 mal schädlicher als CO2 ist) ebenfalls unter "enormen Druck". Diese Felder sind seit Millionen dicht (sonst würden wir nicht mehr existieren). Was spricht also dagegen, CO2 wieder in diese Felder zu verpressen. Diese können nicht weniger dicht sein also vorher. Für mich ist CCS sicher, zumindestens sicherer als 4 Grad Erderwärmung.

29.05.2019 14:54 E. Philipps 4

@Mane: "...Wir kleines Europa retten immer die Welt.Und Deutschland noch viel mehr...." Europa rettet immer die Welt? So wie damal im Kolonialismus? Bei der Versklavung ganzer afrikanischer Volksstämme, dem Abschlachten der Hereros, oder nur danach durch das Instabiliesieren und Ausplündern afrikanischer Länder? Vor so einer Äusserung aber von 'Dummen Menschen' reden und dabei offenlegen das man den Begriff Klimaneutral nicht verstanden hat...was treibt Sie eigentlich sich so öffentlich lächerlich zu machen???

29.05.2019 13:20 Wahl-Ossi 3

Wie wäre es denn mit Bäume pflanzen und die Regenwälder wirklich schützen und wieder aufbauen (und nicht nur Geld zum Schutz hin schicken) ?? Da kann man sehr ökologisch CO2 einlagern..

29.05.2019 10:52 Fragender Rentner 2

Die Politiker nicht nur hier sondern auf der ganzen Welt diskutieren nur und was ist bis jetzt konkretes für die Welt geschehen?

Ach ja, die Profite sind gestiegen !!! :-(((

29.05.2019 08:08 Mane 1

2050 neutral. Nur Dumme Menschen können sowas sagen. CO2 wird immer wo entstehen.Wir kleines Europa retten immer die Welt.Und Deutschland noch viel mehr.