Klimaziele Umweltbundesamt-Studie fordert höhere Spritpreise und Tempolimit

Um die Klimaziele zu erreichen, fordert eine interne Umweltbundesamt-Studie drastische Veränderungen im Verkehr: Diesel müsse deutlich teurer werden, zudem brauche es ein Tempolimit auf Autobahnen. Der Bundesregierung lag die Studie offenbar schon seit Sommer vor – vor Verabschiedung des Klimapakets.

Autos in stockendem Verkehr
Seit 1990 hat die Zahl der Autos immer weiter zugenommen - die Emissionen stagnieren anstatt zu sinken. Bildrechte: imago images / Gottfried Czepluch

Das Umweltbundesamt hält drastische Veränderungen für nötig, um die deutschen Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Das geht aus einer Studie der Behörde hervor.

Drastische Maßnahmen für den Klimaschutz

Demnach plädiert das Umweltbundesamt dafür, die derzeit vergünstigte Steuer auf Diesel bis 2030 um gut 70 Cent pro Liter zu erhöhen. Benzin müsste um 47 Cent pro Liter teurer werden.

Außerdem müsse die Lkw-Maut auf Autobahnen steigen und ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde eingeführt werden. Auch die Pendlerpauschale müsse man abschaffen.

Die Studie nennt die Klimaziele im Verkehr "ambitioniert aber machbar". Die Bundesregierung will die Emissionen im Verkehrssektor bis 2030 auf 98 Millionen Tonnen CO2 senken. Zuletzt waren es noch deutlich über 160 Millionen Tonnen. Seit 1990 stagniert der Wert der Emissionen im Verkehrssektor. Die Zahl der Autos hat zugenommen, ebenso der Güterverkehr auf der Straße und die Zahl der Flüge.

Bis zu 200 Euro Steuer je Tonne CO2

Das UBA riet zudem, den Kohlendioxidausstoß zu besteuern. Diese Energiesteuer könne auf bis zu 205 Euro pro Tonne steigen. Wichtig sei dabei, soziale Härten auszugleichen und die Energiesteuereinnahmen auch an die Bürger auszuschütten.

Doch die Koalition wählte ein anderes Modell. Sie setzt auf einen Handel mit Verschmutzungszertifikaten, der CO2-Einstiegspreis soll 2021 bei 10 Euro liegen, was Benzin um etwa um 3 Cent verteuern dürfte. Klimaschützer und auch Skeptiker in den eigenen Reihen halten das für viel zu wenig.

Studie liegt offenbar seit Juni vor

Die Studie des Umweltbundesamtes lag laut Bericht der "Süddeutschen" offenbar bereits im Juni vor, als die Bundesregierung das Klimapaket vorbereitete. Öffentlich wurde sie aber nicht. Ob ein Gutachten des Umweltbundesamts publik wird, ist die Entscheidung des Bundesumweltministeriums.

Ein Ministeriumsprecher sagte der Zeitung, man habe die Erarbeitung konkreter Vorschläge dem Verkehrsministerium überlassen wollen. Grundsätzlich seien die Maßnahmen aus der Studie "geeignet, um die Klimaziele im Verkehrsbereich zu erreichen". Deutschland will seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent reduzieren im Vergleich zu 1990.

Kritik vom BUND und ADAC

Umweltorganisationen sehen sich mit dem Bericht des UBA in ihrer Kritik am Klimapaket der Bundesregierung bestätigt. Greenpeace berkräftige die Forderungen nach grundlegenden Nachbesserungen.

Dagegen kritisierte der Automobilclub ADAC die UBA-Vorschläge als lebensfremd. Der Pkw sei in vielen Regionen alternativlos. Man könne dessen Nutzung nicht maßlos verteuern. Klimaschutz dürfe nicht für einen "ideologisch geprägten Kampf" gegen das Auto missbraucht werden. Der Autoclub lobte das Klimapaket der Bundesregierung. Es biete Anreize für emissionsarme Antriebe und einen besseren öffentlichen Verkehr.

Wir sind gerade mitten in der konkreten Umsetzung des ausgewogenen Klimapakets. Das ist gemeinsam so beschlossen – und nichts anderes. Die Bürger erneut mit Verzicht, Verbot und Verteuerung à la Bundesumweltamt in Panik zu versetzen, ist der falsche Ansatz.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Dezember 2019 | 01:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 21:21 Uhr

273 Kommentare

Joerg vor 11 Wochen

Genau nimm zum Beispiel BMW in Leipzig warum kann man da seine Mitarbeiter mit eigenen Schicht Bussen zur Arbeit fahren viel klimafreundlicher und schafft noch Arbeitsplätze der busfahrer. Nein so kommt jeder mit dem Auto was für eine Verschwendung.

Joerg vor 11 Wochen

Arbeit am Wohnort gibt es nicht für alle da waren wir in der DDR ja weiter da wurde dafür gesorgt dort in der Nähe des Wohnortes zu arbeiten und tausende wurden mit Bus und Bahn zur Arbeit geschafft heute fährt fast jeder mit dem Auto in die Fabrik oder Büro.

frank d vor 11 Wochen

wir könnten doch auch mal andere Gruppen herausgreifen und deren CO² Ausstoß unter die Lupe nehmen.
Zeitungen zum Beispiel sind Einwegprodukte die aus Wäldern unter Umweltqualen und dem Einsatz von soviel Wasser gewonnen werden das Rindfleisch dagegen wie Tofu aussieht.
Wie Wäre es die 7% Mwst "Subvention" sofort zu streichen.
die geplanten 40 Millionen Zuschuss damit die Verbalmoralapostel auch den Mindestlohn der Zeitungsausträger zahlen können, muss natürlich zurückgezogen werden.
Ebenso sollte auf Mode und Kosmetik eine Zusatzklimaabgabe oder Bepreisung von 50% pro stück anfallen um dieser unsäglichen Umweltverschmutzung Einhalt zu gebieten.
Auf Events und Parties der wir sind mehr gratis Kultur sollten die Kosten umgelegt werden. denn wir wissen ja, die Verursacher :-) sollen die Kosten Tragen
Opern Theater welche nicht in der Lage sind ihren Kunden die Kompletten Kosten in Rechnung zu stellen um wenigstens den Mindestlohn zu zahlen sollten das Licht ausmachen. Sapere Aude