Neue Fleischsteuer 40 Cent fürs Tierwohl?

Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, ein Beratergremium der Bundesregierung, diskutiert derzeit Vorschläge für eine zusätzliche Fleischsteuer. Mit einem Preisaufschlag von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch sollen Landwirte beim Umsetzen einer artgerechteren Haltung unterstützt werden.

Auf einem Stück Fleisch steht ein Stempel mit der Aufschrift Fleischsteuer
40 Cent pro Kilogramm Bildrechte: imago images / Steinach

Ein Beratergremium der Bundesregierung diskutiert derzeit die Frage, ob Verbraucher mehr für Fleisch bezahlen sollten, um bessere Lebensbedingungen für Nutztiere zu finanzieren. Am heutigen Freitag treffe sich das beim Landwirtschaftsministerium angesiedelte Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung zu weiteren Beratungen, teilte die Nachrichtenagentur AFP mit. Zunächst berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" darüber. Demnach stehe ein Preisaufschlag für Fleischprodukte von 40 Cent pro Kilogramm zur Debatte. Auch tierische Produkte wie Milch, Eier und Käse könnten besteuert werden.

Kritik an langer Umstellungszeit

Mit den zusätzlichen Steuereinnahmen könnten Viehbauern bei Maßnahmen für eine artgerechtere Haltung unterstützt werden, heißt es in dem Bericht, auf den sich die Zeitung beruft. Ziel sei es, dass im Jahr 2040 alle Nutztiere in Ställen lebten, die deutlich mehr Platz böten und möglichst Kontakt nach außen hätten.

Das sei jedoch viel zu spät, kritisierte die frühere Grünen-Landwirtschaftsministerin Renate Künast. Eine finanzielle Unterstützung sei nur gerechtfertigt, wenn eine bessere Tierhaltung zeitnah umgesetzt werde "und bei jeder Wurst und jedem Stück Fleisch volle Transparenz für die Kunden entsteht".

Uneinigkeit über Preisaufschlag

Über den Preisaufschlag aufs Kilogramm Fleisch, der letztlich Kundinnen und Kunden treffen würde, herrscht Uneinigkeit: Die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kirsten Tackmann, lehnte einen Aufschlag ab. Die Verantwortung würde damit lediglich auf Verbraucherinnen und Verbraucher abgeschoben, "statt sich mit den marktmächtigen Konzernen anzulegen und kostendeckende Erzeugerpreise zu sichern".

Auch der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, hält eine Sondersteuer für den falschen Weg, wenngleich sich die Verbraucher mehrheitlich andere Haltungsbedingungen für Nutztiere wünschten. Bestehende Subventionen sollten zunächst umgeschichtet werden, auch ein Tierwohllabel halte er für sinnvoll.

Der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter hingegen hält "eine zweckgebundene Tierwohlabgabe von 40 bis 50 Cent je Kilogramm Fleisch" für sinnvoll, um "Missstände" in der Fleischproduktion zu beenden.

Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung war im April 2019 als beratendes Gremium für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingerichtet worden. Es soll bei der Umsetzung der Nutztierstrategie helfen.

Illustration: Tiermodelle und Staatliches Tiewohllabel 1 min
Bildrechte: imago images / Steinach

Bundesrat stimmt über Schweinehaltung ab

Am kommenden Freitag stimmt der Bundesrat über einen Verordnungsentwurf der Bundesregierung ab. Der Entwurf soll die Schweinehaltung neu regeln und für mehr Platz in den sogenannten Kastenständen sorgen. Der Entwurf sieht vor, dass Schweine mehr Platz und Bewegungsfreiheit erhalten sollen. Außerdem soll die Zeit in den abgesonderten und noch engeren Bereichen zur Besamung und der Geburt verkürzt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 07. Februar 2020 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2020, 14:09 Uhr

24 Kommentare

Unstrutschiffer vor 1 Wochen

Wie naiv muss man denn eigentlich noch sein um zu glauben, dass es mit höheren Preisen den Tieren besser geht und man damit "gutes Fleisch" erwirbt?

Wir leben in einem Wirtschaftssystem, wo sich über den Preis der Wettbewerb und damit das ganze wirtschaftliche System regelt.

Unglaublich ihre Argumente, fast Kindergartenniveau.

Eulenspiegel vor 1 Wochen

Also ich denke bei uns ist das Fleisch viel zu billig. Das kann doch für niemanden gut und gesund sein. Für den Verbraucher nicht und für die Tiere nicht. Und da erzähle mir keiner dann können sich die armen Leute doch kein Fleisch mehr leisten. Das sind doch diejenigen die am meisten Fleisch essen. Natürlich das billigste vom billigen. Es ist doch so das die ganzen Krankheiten die in früheren Zeiten die Reichen hatten, wie zum Beispiel Gicht heute die typischen Alzheimerkrankheiten sind. Genau diese Krankheiten hängen aber mit einem übermäßigen Fleischverzehr zusammen. Wer bessergestellt ist und sich jede Menge gutes Fleisch leisten könnte lebt und ernährt sich meist auch bewusster. Und das heißt deutlich weniger Fleisch.

konstanze vor 2 Wochen

Wir bezahlen bereits zu viel Steuern. Gehen Sie gefälligst sparsam damit um, verplempern Sie nicht so viel davon, dann haben Sie auch genug für das Tierwohl.
Das ist der Job der Politiker. Der übrigens sehr gut bezahlt wird.