Medizinstudenten sitzen 1993 in einem Hösaal und untersuchen mit Mikroskopen Gewebeproben.
Medizinstudenten untersuchen in einem Hörsaal Gewebeproben. Bildrechte: dpa

Vor der Kultusministerkonferenz Debatte über Zulassung zu Medizinstudium

Wer eignet sich für den Arztberuf? Das mag eine gute Frage sein. Sie spielt bei der Vergabe der Medizin-Studienplätze bislang aber keine Rolle. Da geht es primär nach der Abitur-Note. Das aber müsse sich ändern, so hat es das Bundesverfassungsgericht entschieden: Das Verfahren sei intransparent, die Eignung müsse eine größere Rolle spielen. Bei ihrem Treffen nehmen sich deshalb die Kultusminister der Länder dieses Thema vor.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL

Medizinstudenten sitzen 1993 in einem Hösaal und untersuchen mit Mikroskopen Gewebeproben.
Medizinstudenten untersuchen in einem Hörsaal Gewebeproben. Bildrechte: dpa

Die Kultusminister sind sich einig: Die Abiturnoten sollen weiter den Ausschlag geben. Wer Mediziner werden will, brauche vernünftige Zensuren. Das denkt auch die Präsidentin der Landesärzteärztekammer Sachsen-Anhalt, Simone Heinemann-Meerz. Sie ist aber für eine Gewichtung: "Dass man Noten, die dem Medizinstudium nützen, zum Beispiel in Biologie, Chemie, oder Physik. Das sind alles Noten, die hilfreich sind. Wenn man da gut ist, dass man die mit einem bestimmten Zähler berücksichtigt."  

Berufserfahrung und soziale Durchlässigkeit

Immer wieder im Spiel ist die Berufserfahrung. Wer als Sanitäter oder Krankenschwester arbeitet, weiß, worauf er sich einlässt, sammelt wichtige Erfahrung und Vorwissen. Stimmt, sagt Heinemann-Meerz, aber je länger das Abi her sei, desto schwieriger werde es im Hörsaal. Für den Sprecher der Studierenden an der Uni Halle, Lukas Wanke, hat die Berufserfahrung dennoch einen wichtigen Vorteil, nämlich soziale Durchlässigkeit.

"Weil das im Zweifelsfall die Leute sind, die keine Chance hatten, sich mit viel Geld einzuklagen. Oder die das Einsnuller-Abi schon in der Tasche hatten aufgrund von viel Nachhilfe und was auch immer. Sondern eben Leute, die aus der Praxis kommen und sagen: Gut, ich möchte noch was draufstellen und gern noch Arzt werden."

Studienplätze nach Herkunft vergeben?

Wirtschaftsminister Armin Willingmann
Armin Willingmann (SPD) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Berufserfahrung hält auch Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann für wichtig. Der SPD-Politiker wird in Berlin mit seinen Kollegen diskutieren. Den Vorschlag seines Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, Landeskinder bei der Studienplatzvergabe zu bevorzugen, hält er für schwierig, vor allem rechtlich. Willingmann könnte sich aber etwas anderes vorstellen: Soziales Engagement. "Das hielte ich schon für ein Kriterium. Also, zu schauen, dass man nicht nur denjenigen nimmt, der die ganze Zeit gebüffelt hat und wundervolles Lehrbuchwissen hat, sondern auch denjenigen und diejenige, die sich sozial engagiert hat - in karitativen Projekten, die zu Kliniken oder Pflegeeinrichtungen gehören."

Hochschulen wollen Wörtchen mitreden

Bei der Diskussion gelte aber: Nicht ohne die Hochschulen. Das dürfte der Präsident der Rektorenkonferenz gern hören. Jens Strackeljan ist Rektor der Uni in Magdeburg und sitzt seinen Kollegen im Land vor. Um die Eignung eines Bewerbers festzustellen, skizziert er Folgendes: "Es wird einen einheitlichen Test geben, aus dem man möglichst viel zusammenträgt. Es ist uns fürs gesamte Land wichtig, dass wir die Möglichkeit haben, eigene Kriterien der Universitäten Magdeburg und Halle aufzunehmen. Das ist zulässig, und ich halte das auch für wichtig. Denn die Länder haben unterschiedliche Problemlagen in der Versorgung, bei den Landärzten. Da brauchen sie auch eine Möglichkeit, ein Profil zu entwickeln."

Es gibt also viele Vorschläge, allein aus Sachsen-Anhalt. Schon zum Ende des Jahres wollen die Minister sich auf zwei weitere Kriterien geeinigt haben. Das überarbeitete Zulassungsverfahren soll dann im Sommer 2020 reibungslos laufen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Oktober 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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16 Kommentare

12.10.2018 08:30 Aureos 16

Das Verfahren ist bereits jetzt wahnsinnig kompliziert. Für den Großteil der Studienplätze reicht ein gutes (1,4-2,0) Abitur nicht aus. TMS, HamNat, Berufserfahrung, Vorstellungsgespräche, Wartezeit, Praktika, FSJ & Bufdi, jugend forscht und auch die genannten Noten in Naturwissenschaftem spielen eine Rolle.

Von all diesem halte ich die Abiturnote grundsätzlich für das sinnvollste Kriterium. Probelmatisch ist das zurzeit nur weil es eine so große diskrepanz zwischen Bewerben und Studienplätzen gibt das dies zu ejnem NC von 0,9 führt. Und das bei Ärtzemangel. Alle oben genannten und disskutierten Verfahren sind nichts weiter als eine Mangelverwaltung.

Ich schätze das auf die ca. 10.000 Studienbeginner in Deutschland noch einmal 1000-2000 Deutsche kommen, die Ihr Medizinstudium auf eigene kosten im Ausland beginnen.

12.10.2018 02:09 Fred 15

Aus dem Artikel geht leider nicht hervor, warum ausgerechnet das Bundesverfassngsgericht diese Frage aufwirft.
Da die bahnbrechenden Erkenntnisse des wohl geniale Dr. Ryke Geerd Hamer (Die 5 Biol.Naturgesetze), bis heute keinen Eingang in die Schul-und Fachbücher für Biologie gefunden haben, sehe ich das Auswahlverfahren in diesen Beruf als zweitrangig. Was sollen wir mit Medizinern, die unter anderem gelehrt bekommen, dass die Biologische Welt als eine Kampfarena (z.Bsp. im menschlichen Körper, Tumore als "Monstergebilde") zu verstehen ist. Wiki zu Dr.Hamer - nun ja... . Die Texte von Björn Eybl sind hilfreicher.
Die Biologie ist nun als System erklärbar, auch die "Krankheiten"! Es gibt noch viel durch die Unis und Hochschulen zu forschen.
Mediziner, die ihren Beruf aus Berufung leben sind in der Regel naturverbunden, einfühlsam und wissbegierig. Sie sollten in einen Beamtenstatus erhoben werden, damit die Gesundheit als Geschäftsmodell beendet werden kann.

11.10.2018 22:43 Sarah 14

Man könnte es lösen: Einfach, schnell und kostengünstig, sowie effektiv. Theoriestunden des ersten und zweiten Semesters online abhalten (als eine Art Vorjahr zum eigentlichen Studium). Klausuren im Präsensverfahren zur Lernzielkontrolle (kann ähnlich ablaufen wie die Theorieprüfung beim FS). Ob ich im Hörsaal sitze und lerne oder Zuhause ist schnuppe. Viele Studierende werfen in der Theorie das Handtuch. Die, die das Vorjahr gut oder sehr gut bestehen, studieren lassen. Denn mal im Ernst: Abinoten sagen NICHTS über die Qualifikation aus. Man hat auch nicht zwangsläufig alle MINT-Fächer im Abitur und dann hat man schon die A....karte.

11.10.2018 19:27 Jakob 13

Dass die Eignung bei der Medizin-Studienplatzvergabe "keine Rolle" spiele, das kann man so wirklich nicht formulieren, liebe MDR-Journalisten. Denn eine sehr gute Abiturnote ist ein starker Indikator für die Eignung. Das BVerfG fordert vielmehr noch andere Wege für Bewerber, die eigene Eignung nachzuweisen. Es kann ja mal jemand die Schulkarriere aus irgendwelchen Gründen verbockt haben und trotzdem das Zeug zu einem guten Arzt haben.

11.10.2018 18:25 Klarheit 12

11:29 Wo ist das Lobbyregister?,

Ich muss Sie enttäuschen, ich wohne in Sachsen , anscheinend sind sie allerdings aus den etwas bildungsfernen Hochburgen Berlin / Bremen , andernfalls würden sie Bildungsstudien kennen und ersehen das Sachsen/A auch da gut abschneidet .......

Ich lasse mich jedenfalls wesentlich lieber von einen Arzt behandeln der Abi /Studium mit sehr guten Noten abgeschlossen hat und zwischenmenschlich ein "Arsch" ist ( eini sehr guter den ich kenne ist so ) als von einen sozial "kompetenten" der nur weil er mal in der Flüchtlingshilfe war zum Studium zugelassen wurde.....und das Schien,- nicht vom Jochbein unterscheiden kann .....

11.10.2018 16:21 horst 11

Ich bin immer wieder begeistert, wie schnell die Verschwörungstheoretiker aus ihren Löchern kommen. Warum soll der NC für Medizin aufgeweicht werden?
A: weil die da oben uns für dumm verkaufen wollen und noch mehr Flüchtlinge Ärzte werden sollen
B: Weil es einfach unsinnig ist, dass ein Arbiturient in Sport, Musik und Religion eine 1 haben muss.
C: Weil soziale Kompetenzen, Praxiserfahrung und handwerkliche Fähigkeiten für Ärzte auch eine wichtige Rolle spielen.

P.S. Sie dürfen zweimal raten. Eingeladen sind ausdrücklich auch alle mit einer abiturnote von 2,7 ohne Wartesemester.

11.10.2018 16:04 Werner 10

@14:13 Viva Saxonia 9: Zu DDR-Zeiten war das Studium weitestgehend kostenlos. Mit Kindergarten und Wochenkrippe in der Uni drin. Laut Internetseiten für Medizin-Studienbewerber muss man mit ca. 200.000 EUR rechnen. Logisch, dass die Ärzte dahin gehen, wo sie erstmal am schnellsten ihre Schulden wieder los werden können - der Schlaf ist dann viel Entspannter... Nur wenn der Staat diese Kosten übernimmt, kann er auch bestimmen, wo er den Arzt am Besten einsetzt. Das könnte der Staat in einem Vertrag den interessierten Studenten anbieten, und für paar Jahre begrenzt an bestimmte Orte binden - ähnlich Beamte. Bei vorzeitigem Aussteigen aus dem Vertrag, könnten die Kosten zurückgefordert werden. Sowas könnte man wiederum als Zwang ansehen. Das "Freikaufen" von DDR-Dissidenten durch die Bundesrepublik, hatte meiner Ansicht nach keinen politischen Zweck der DDR. Die wollten nur ihr investiertes Geld erstattet haben - zurecht - das war ein wirtschaftlicher Zweck - wie heute und überall.

11.10.2018 14:13 Viva Saxonia 9

Jeder der leistungsmäßig in der Lage dazu ist, ABER auch begriffen hat, dass Arzt kein Beruf sondern Berufung ist. Der sich in den Dienst der Menschheit stellt um zu heilen, nicht um Geld zu verdienen. Der nach Beendigung des weitgehend kostenlosen Studiums dort eingesetzt werden möchte, wo er gebraucht wird und damit ist natürlich nicht England oder Skandinavien gemeint!Gibt es solche Bewerber überhaupt noch??

11.10.2018 12:42 Unbekannt 8

Die, die das Zeug zum Arzt haben.

11.10.2018 11:29 Wo ist das Lobbyregister? 7

@11.10.2018 09:23 Klarheit

(Fazit : mann möchte gern die Zugangsbedingungen aufweichen , weil auch manch ungeeigneter gern sich Arzt nennen möchte , eine Tendenz in diesen Land ist deutlich erkennbar .... möglichst wenig anstrengen , ja keine hohen Leistungsanforderungen - das Bildungsniveau ist im ständigen Sinkflug (vornehmlich in den alten BL) ... warum wohl ???)

Sie habe offensichtlich nichts von dem verstanden, was im obigen Bericht steht. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie dorther stammen, wo das "Bildungsniveau" garnicht mehr sinken kann, weil es auf dem Boden bereits angekommen ist - und das ist nachweislich Sachsen-Anhalt.

Es gibt zu recht den bösen Begrif des "Einser-Juristen" - wenden sie das sinngemäß auf diesen systemaffinen Lobbymist an, der hier von den üblichen Verdächtigen in Ministerien und Kammern verzapft wird. Wenn sie dazu in der Lage sind. Wenn nicht: Auf zur Bewerbung für den Zugangstest.