Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe mit dem Tagebau Nochten
Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe mit dem Tagebau Nochten bei Spremberg. Bildrechte: dpa

Kohleausstieg Bürgermeister aus Kohleregionen treffen sich in Weißwasser

Der Kohleausstieg ist nicht nur großes Thema in Mitteldeutschland. Am Donnerstag treffen sich in Weißwasser Bürgermeister aus mehreren Ländern, vor allem Osteuropas, um sich über Probleme auszutauschen. Gemeinsam mit Gewerkschaftsvertretern wollen sie über ein Ende der Kohlverstromung und die Konsequenzen sprechen - und zwar bei einem "Forum of Mayors".

von André Seifert, MDR AKTUELL

Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe mit dem Tagebau Nochten
Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe mit dem Tagebau Nochten bei Spremberg. Bildrechte: dpa

Wenn sich Christine Herntier aufs Fahrrad schwingt, muss sie nicht lange radeln. Nur 20 Minuten sind es bis zum Kraftwerk Schwarze Pumpe und etwa 30 bis zum Tagebau Welzow Süd. Die Bürgermeisterin von Spremberg im Süden Brandenburgs hat den Strukturwandel direkt vor der Nase.

Herntier sagt: "Das sind die Säulen der Stadt sozusagen. Und wenn diese Säulen und damit auch viel Steuereinnahmen und die Beschäftigung für die Bürger wegfallen, dann haben wir hier ein großes Problem in Spremberg."
 
Die Sorge hat auch Kamila Blahova. Sie ist Bürgermeisterin von Litvinov im tschechischen Erzgebirge, eine Stadt fast genauso groß wie Spremberg. Auch Tschechien plant den Kohleausstieg, von dem 5.000 Beschäftigte in den drei Tagebauen der Region betroffen wären.

Litvinov will von der Lausitz lernen

Kamila Blahova weiß, dass sich ihre Stadt neu erfinden muss, nur wie und wann? Voraussichtlich etwas später als Deutschland. In Tschechien habe eine Kohlekommission vor wenigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen, die mit der in Deutschland vergleichbar sei.

Logo der Hörfunkwelle MDR AKTUELL 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weißwasser richtet "Forum of Mayors" aus

MDR AKTUELL Do 12.09.2019 11:52Uhr 02:59 min

https://www.mdr.de/nachrichten/audio/audio-1163954.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Blahova erklärt: "In Tschechien hat eine Kohlekommission vor wenigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen, die mit der in Deutschland vergleichbar ist. Und diese Kommission soll bis zum nächsten Jahr einen Vorschlag vorlegen, wie der Kohleausstieg erfolgen soll. Das Problem ist, und deshalb sind wir so aktiv, dass wir noch kein endgültiges Ausstiegsdatum wissen und nicht wissen, wie wir uns vorbereiten können."
 
Kamila Blahova hofft, von der Lausitz lernen zu können oder von anderen Regionen, die aus der Kohle aussteigen. Auf Einladung der Umweltschutzorganisation WWF treffen sich deshalb am Dienstag in Weißwasser rund 20 Bürgermeister aus Montenegro, Polen, Bulgarien, Rumänien und Griechenland mit Lausitzer Amtskollegen, aber auch mit Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Am Freitag Besuch im Umweltministerium

Am Freitag setzen sie das "Forum of Mayors" mit einer Reise nach Berlin ins Umweltministerium fort. Gastgeber ist Torsten Pötzsch, der Bürgermeister von Weißwasser. Sein Ziel ist es, von den Erfahrungen der anderen zu lernen. Pötzsch sagt: "Es geht dort um Austausch, um gute Ideen, die in den verschiedenen Braunkohleregionen sich entwickeln durch den Ausstieg, um Beispiele, die man vielleicht übernehmen kann, um Gedankenansätze, wie man mit den Veränderungen in der einzelnen Region umgeht."
 

Ziel: Im Kampf um Fördermittel vernetzen

Schon im vergangenen Jahr hatten sich die Bürgermeister getroffen. Und zwar in Nord-Griechenland. Bei ihrem Treffen in Weißwasser wollen sie nicht nur miteinander reden und Vorträge anhören, auch ein Tagebaubesuch steht auf dem Programm. Besonders wichtig ist ihnen dabei aber, sich im Ringen um EU-Fördermittel zu vernetzen, so Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier.


Sie sagt: "Wir haben es ja hier nicht nur mit einer nationalen Entscheidung zum Kohleausstieg zu tun, sondern das ist eine europäische Entscheidung". Für alle Kohlereviere in allen Kohlelägern hänge ganz viel daran, was denn die EU überhaupt zulasse, um in allen Ländern Fördermittel fließen zu lassen.
 
Die Frage ist dann vor allem, wohin sollen die Fördermittel fließen, mit welchen Projekten kann der Strukturwandel geschafft werden? Auch da wollen die Teilnehmer voneinander lernen. Bürgermeisterin Herntier zum Beispiel erhofft sich neben neuen Jobs bessere Bahnanbindungen an die Metropolen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. September 2019 | 09:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 12:12 Uhr