Kraftwerk Jänschwalde
Um den Stilllegung der Kohlekraftwerke wird erbittert gestritten. Bildrechte: imago/Dirk Sattler

ARD-Deutschlandtrend Mehrheit der Deutschen für schnellen Kohleausstieg

Am Freitag könnte die Kohlekommission ihre Ergebnisse zum geplanten Kohleausstieg präsentieren. Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich unterdessen für einen schnellen Abschied von der Kohle aus. Anders sieht es in den betroffenen Bundesländern aus.

Kraftwerk Jänschwalde
Um den Stilllegung der Kohlekraftwerke wird erbittert gestritten. Bildrechte: imago/Dirk Sattler

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet einen schnellen Kohleausstieg. Laut dem aktuellen "ARD-Deutschlandtrend" sprechen sich 59 Prozent der Befragten aus Klima- und Naturschutzgründen für einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle aus. 36 Prozent würden wegen möglicher Versorgungsengpässe und des Wegfalls von Arbeitsplätzen dagegen länger an der Braunkohle festhalten.

Anders ist die Meinung bei den Befragten in den ostdeutschen Kohleländern Sachsen, Sachsen- Anhalt und Brandenburg. Dort sind nur 34 Prozent für einen zügigen Ausstieg, 61 Prozent plädieren hingegen für einen längeren Abbau.

Möglicherweise entscheidende Runde der Kohlekommission

Am Freitag kommt die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission zu ihrer möglicherweise entscheidenden Sitzung zusammen. Das 28-köpfige Gremium soll einen Kompromiss erarbeiten, der sowohl Klimaschutzaspekte berücksichtig, als auch Hilfen für die Kohleregionen erarbeiten soll.

In einem Entwurf für den Abschlussbericht waren Hilfen für die Beschäftigten der Kohlebranche, Investitionen in die Kohleregionen, Entlastungen beim Strompreis und Entschädigungen für die Kraftwerksbetreiber enthalten. Ein konkreter Ausstiegstermin aus der Kohle fehlte allerdings noch. Deutschland steht unter Druck, seine Klimaziele zu erreichen.

Die Kohlekommission In der 28-köpfigen Kohlekommission sitzen Vertreter der Wirtschaft, Arbeitnehmer, Klimaschützer und Wissenschaftler an einem Tisch. Sie sind von der Bundesregierung beauftragt, ein Konzept für den Kohleausstieg vorzulegen. Es soll sicherstellen, dass Deutschland sein Klimaziel 2020 mit möglichst wenig Verspätung erreicht und die Energiewirtschaft ihr Klimaziel für 2030 sicher schafft. Auch ein Enddatum für den Ausstieg aus der Kohle ist Teil der Aufgabe. Vor allem in der Lausitz sowie im Rheinischen und im Mitteldeutschen Revier hängen noch Zehntausende Jobs direkt oder indirekt an der Kohle.

Grüne fordern Bekenntnis zum Klimaschutz

Falls die Kommission sich am Freitag noch nicht auf ein Ergebnis einigen kann, könnte die Entscheidung auf kommende Woche vertagt werden. Dann könnte es zu einem Spitzentreffen im Kanzleramt kommen. Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock warnte am Freitag in der "Rheinischen Post" vor Blankoschecks für Konzerne und forderte ein Bekenntnis zum Klimaschutz. "Jetzt entscheidet sich, ob Deutschland willens ist, Klimaschutz zu machen", sagte sie. Das Klimaziel 2030 müsse stehen. "Sonst werden wir es nicht schaffen, die Klimakrise einzudämmen", sagte Baerbock weiter.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke beklagte im "ARD-Morgenmagazin", dass nicht deutlich genug gesagt werde, dass wegen des Kohleausstiegs die Strompreise steigen würden. "Wir müssen dann schon die Ehrlichkeit haben, zu sagen, er wird auf 35, 40 oder vielleicht sogar 50 Cent steigen. Das hängt wieder von der Geschwindigkeit ab", sagte der SPD-Politiker.

Sachen-Anhalts grüne Umweltministerin Claudia Dalbert wies dagegen darauf hin, dass Deutschland CO2-Zertfikate in Milliardenhöhe kaufen müsse, wenn die Klimaziele 2030 nicht erreicht würden. "Und da sage ich Ihnen ganz klar, das Geld möchte ich lieber in den Strukturwandel, in die Kohleregionen investieren, als dafür zusätzliche Zertifikate zu kaufen", sagte sie ebenfalls im "ARD-Morgenmagazin".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Januar 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 07:36 Uhr

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93 Kommentare

27.01.2019 08:57 Ekkehard Kohfeld 93

Afterburner 87 Es wird sich zeigen ob es eine kluge Entscheidung war,das Deutschland als rohstoffarmes Land auf einen vorhandenen Energieträger verzichtet.##

Richtig und seine Industrie immer weiter runter fährt,womit will man dann noch diese Energie bezahlen wenn man nichts mehr zu Handeln hat?Schildbürger läßt grüßen.Und klar ist deutsche Energie teuer wenn Konzerne damit milliarden Gewinne machen nur mit einem AKW am Tag 1 Million.Glauben sie die Menschen in Asien oder Afrika können sich solch teuren Strom leisten,die haben aber Strom.

sueddeutsche.de
Alte Atomkraftwerke - Die Gelddruckmaschinen - Wirtschaft ...
Eine Million Euro Gewinn pro Tag - Millionen von Menschen gefährdet.

27.01.2019 07:43 Fakt 92

>>Ekkehard Kohfeld, #85:
"@Eulenspiegel 83
[..]
..es gibt in Deutschland keine Mehrheit mit ihrer Einstellung."<<

Natürlich gibt es die. Sie wollen es nur nicht wahrhaben.

26.01.2019 23:06 Micha 91

Der Herr Kohfeld wird nie begreifen, dass Wetter nicht Klima ist. Da ist wirklich Hopfen und Malz verloren! Nur weil wir hier lokal zufällig mal wieder ein paar Schneeflöckchen und ein paar harmlose Minusgrade haben (nach zehn milden Wintern in Folge), heißt das noch lange nicht, dass das die weltweite Erwärmung nicht weiter voran schreitet. Er rafft es einfach nicht!

26.01.2019 20:53 Eulenspiegel 90

Hallo Ekkehard Kohfeld 85
Also hier noch ein mal für die besonders Intelligenten.
Also Meinungsumfragen das ist ein Gebiet der Empirischen Sozialforschung. Dort wurde ein sogenannter Mikrozensus entwickelt. Dieser Mikrozensus wird z.B. auch bei Wahlen eingesetzt. Wir haben bei Wahlen in unserem Land bereits kurz nach Schließung der Wahllokale die erste Hochrechnung. Obwohl erst ein ganz minimaler Anteil der Stimmen ausgezählt sind. Und diese erste Hochrechnung unterscheidet sich in der Regel nur um ganz wenige, wenn auch manchmal entscheidende, Prozente von dem Endergebnis. Sie sehen in der konkreten Praxis hat sich diese Mikrozensus bewährt. Und das können sie bei jeder Wahl überprüfen ganz einfach in dem sie am Ende die erst Hochrechnung mit dem Endergebnis vergleichen.
Sie sehen letztlich spielt es keine Rolle wer befragt wird der Mikrozensus gleicht alles aus.

26.01.2019 20:47 goffman 89

@ Steinbock 88: Sie denken zu schwarz weiß. Man kann auch alle Ihre Fragen mit Nein beantworten und trotzdem für den Kohleausstieg sein. Das nennt sich Prioritäten setzen. Jeder weiß, das es anstrengend und kostenaufwändig ist, die Energieversorgung eines ganzen Landes (und der Welt) umzustellen - trotzdem ist es notwendig. Früher oder später ist es eh aus mit den fossilen Energieträgern. Nicht weil Sie uns aus gehen - sondern weil Sie sehr viel eher unbezahlbar werden. Ohne Subventionen und unter Berücksichtigung der Folgekosten sind sie jetzt schon unbezahlbar. Je eher wir den Wandel einleiten desto besser. Und für viele Ihrer angesprochenen Probleme gibt es ja jetzt schon eine Lösung.

26.01.2019 17:36 Steinbock 88

Tja so ist das mit den Umfragen, verkuerzend und vereinfachend...
Wollen Sie hoehere Strompreise? Sind Sie fuer Leitungsausbau auch vor Ihrer Haustuer? Wollen Sie mehr Energieabhaenigkeit von Russland? Wollen Sie staerkere Netzschwankungen? Wollen Sie Stromimporte aus dem Ausland? Wollen Sie den Abbau energieintensiver Industrieen in Deutschland? Wenn diese Fragen alle mit JA beantgwortet werden, dann sind sie fuer den Kohleausstieg....

26.01.2019 16:44 Afterburner 87

Wenn der eigene Arbeitsplatz oder das überleben einer ganzen Region davon abhängt,sieht man den Sachverhalt bestimmt anders als jemand den das nicht tangiert.
Man fragt sich manchmal blos warum immer von Europa gesprochen wird,aber man bei der Energiepolitik jeder sein eigenes Süppchen kocht.
Die einen bauen Atomkraftwerke,die in der Technologie führenden schließen dieselben.
Es wird sich zeigen ob es eine kluge Entscheidung war,das Deutschland als rohstoffarmes Land auf einen vorhandenen Energieträger verzichtet.

26.01.2019 16:33 Ekkehard Kohfeld 86

Eure Klimaerwärmung breitet sich gerade immer weiter aus.

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/zwickau/stau-autobahn-zwickau-100.html
"Stau: A72 zwischen Zwickau und Hartenstein voll gesperrt"

"Unfälle durch Schneeglätte Dritter schwerer Glätteunfall auf den Autobahnen."

https://www.mdr.de/thueringen/schnee-unfaelle-autobahn-samstag-100.html

Kann man wirklich so blind sein und die Wahrheit nicht sehen?

26.01.2019 16:24 Ekkehard Kohfeld 85

@ Eulenspiegel 83
Also dieses Ergebnis ist nicht merkwürdig sondern repräsentativ.##
Nein wenn sie schon 2 mal gefragt wurden und Andere gar nicht stimmt etwas mit den Umfragen nicht dann sind die Ergebnisse verdreht,es gibt in Deutschland keine Mehrheit mit ihrer Einstellung.

26.01.2019 14:51 Harzfreund 84

Dieses Bild gleich unter der Überschrift soll dem geneigten Leser wohl suggerieren, was da für Dreck in die Gegend gepustet wird. Lieber MDR und alle anderen Leser. Das sind Kühltürme, und das scheinbar Schlimme, was oben herauskommt ist reiner Wasserdampf, chemisch H2O, also furchtbar "giftig".