Kommentar Augen zu und durch

Sarah Frühauf
Bildrechte: MDR/Lars Jeschke

Im Kampf gegen das Coronavirus gelten ab kommender Woche bundesweit wieder harte Beschränkungen. Unter anderem Gastronomiebetriebe, Museen und Fitnessstudios müssen schließen. Touristische Reisen innerhalb Deutschlands sind tabu. Die Kanzlerin und Länderchefs haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Zu Recht, denn sie sind auch nur schwer zu ertragen.

Frau hält Augen geschlossen und trägt Mund-Nasen-Schutz
Die neuen Einschränkungen werden ein "nationaler Kraftakt", sagte die Bundeskanzlerin. Bildrechte: imago images / Westend61

Einmal tief Luft holen – meine Reaktion am Mittwochmorgen, als in den Radionachrichten berichtet wurde, mit welchen Vorschlägen die Kanzlerin in die Konferenz mit den Länderchefs geht. Der Ausflug mit Freunden nächstes Wochenende: gestrichen. Die bereits gekauften Museumstickets werden wohl verfallen. Ja, ich weiß, mit Blick auf die Pandemie alles Luxusprobleme. Ärgern darf ich mich trotzdem, so wie sicherlich viele andere in Deutschland.

Gute Vorschläge der Opposition

Denn ich frage mich: Hatte die Bundesregierung, hatten die Länderchefs denn nicht über den Sommer genug Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie man der zweiten Welle begegnen kann? Denn dass sie kommen würde, war absehbar. Die Vorschläge der Opposition hören sich, wie ich finde, doch ganz gut an: Mehr Luftfilter in Räumen, mehr Busse und Bahnen und mehr Schnelltests in Pflegeheimen.

Frage nach der Sinnhaftigkeit

Und da steht ja auch noch die Frage im Raum: Ist das Ganze überhaupt sinnvoll, also vor allem Restaurants und Kneipen zu schließen und damit erneut zahlreiche Gastwirte an den Rand ihrer Existenz zu bringen? Wo doch, so sagt es zumindest das Robert Koch-Institut, zahlreiche Infektionen im Privaten stattfinden. Die Bundesregierung will die betroffenen Betriebe entschädigen, also noch mehr Schulden machen. Wie sollen die mal getilgt werden? Noch so etwas, worauf es keine klare Antwort gibt.

Nichts ist klar

Genau da liegt das Problem. Nichts ist klar. Politiker, Wirtschaftswissenschaftler, ja sogar Virologen können in der Pandemie oftmals nur mutmaßen. Welche Maßnahmen sind tatsächlich die richtigen? Wie geht es im Lockdown mit der Wirtschaft weiter? Und wird ein Impfstoff tatsächlich im nächsten Jahr die Pandemie beenden? Was dagegen fest steht: Die Infektionszahlen steigen und mit ihnen die Zahl der Patienten, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Da gibt es nichts zu vermuten. Wenn es so weiter geht, ist das Gesundheitssystem demnächst überlastet.

Akzeptanz der Maßnahmen

Ich weiß nicht, welcher Weg durch die Pandemie der richtige ist. Und ich bin froh, dass ich es nicht wissen muss, dass andere die Verantwortungen übernehmen. Denn die wiegt schwer. Wenn 16 Länderchefs, mit der Kanzlerin, alles gewählte Volksvertreter, sich auf die Maßnahmen geeinigt haben, bleibt mir nichts anderes, als ihnen zu vertrauen. Denn ich weiß es nicht besser. Die Zahlen der nächsten Wochen werden zeigen, ob es gute Entscheidungen waren oder nicht. Es ist jetzt so wie es ist: Also Augen zu und durch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Oktober 2020 | 06:00 Uhr