Ein Kohlekraftwerk und Windräder produzieren Strom.
Durch das Klimapaket könnten für den ein oder anderen Bürger zusätzliche Kosten zukommen. Bildrechte: dpa

Bundeskabinett Klimapaket: Diese Kosten kommen auf die Bürger zu

Wer sich besonders klimafreundlich verhält, wird finanziell belohnt. Wer nicht, zahlt mehr. Das ist, verknappt gesagt, das Ziel des Klimapakets der Bundesregierung, das am Mittwoch – mit einer Woche Verspätung – durchs Kabinett soll. Das Klimapaket hat Gewinner und Verlierer. Doch wer genau profitiert und wer nicht?

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Ein Kohlekraftwerk und Windräder produzieren Strom.
Durch das Klimapaket könnten für den ein oder anderen Bürger zusätzliche Kosten zukommen. Bildrechte: dpa

Das Klimapaket der Bundesregierung wird Verbraucher unterschiedlich stark belasten. Wer damit tiefer in die Tasche greifen muss und wer spart, hängt jedoch von zig Faktoren ab. Wo wohnt man, wie wird man mit Wärme und Strom versorgt, nutzt man Bus und Bahn oder fährt man mit dem alten Kleinwagen zur Arbeit und welchen Weg legt man dabei zurück? Kein Wunder also, dass sich das Energiewirtschaftliche Institut Köln – kurz EWI – bei Berechnungen dazu auf drei typische Fallbeispiele beschränkte.

Single-Haushalt oder Familienhaus

Los geht es mit einem Single-Haushalt in der Stadt. EWI-Manager Johannes Wagner: "Hier haben wir angenommen, dass das Haus über eine moderne Gasheizung verfügt mit Brennwert-Technologie und dass in dem Haushalt kein Auto gefahren wird, also die Strecken mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt werden."

Es folgen: Ein Zwei-Personen-Haushalt in der Vorstadt, eine alleinerziehende Mutter etwa, deren Wohnung noch nicht saniert wurde und die mit dem Kleinwagen 15 Kilometer täglich zur Arbeit pendelt. Beim dritten Beispiel geht es dann aufs Land: Vater, Mutter und zwei Kinder, im Eigenheim, die Erwachsenen pendeln 30 bis 40 Kilometer zur Vollzeitstelle.

Single-Haushalt im Vorteil

Das Ergebnis: Für den Singlehaushalt ändere sich praktisch nichts, so Wagner: Die sinkenden Strompreise glichen steigende Heizkosten aus: "In unserem Beispielfall hat der Single eine schon gut gedämmte Wohnung und eine effiziente Heiztechnologie eingebaut. Das heißt, dass sich die Heizkosten da nicht besonders stark erhöhen und die Entlastung durch die EEG-Umlage reicht in dem Fall aus, um in der Summe auf etwa Null zu kommen." Ganz anders das Ergebnis für die alleinerziehende Mutter:

Sie muss den Berechnungen des Instituts zufolge im Jahr 2025 damit rechnen, 150 Euro mehr pro Jahr auszugeben, sofern sie nichts an ihrem ökologischen Verhalten ändern will oder kann. Um den Kleinwagen durch ein E-Auto zu ersetzen, fehlt ihr aber das Geld, selbst mit staatlichen Zuschüssen. Dazu kommt, dass mit dieser Strecke von 15 Kilometern die Entlastung über die Pendlerpauschale in diesem Beispiel noch nicht greife, erklärt Wagner.

Autofahren und Heizen wird teurer

Wohl aber beim angenommenen Vier-Personen-Haushalt auf dem Land. Die Strecke aber sei lang, sodass es zu einer Mehrbelastung komme, "die absolut circa 270 Euro in 2025 beträgt - und relativ ausgedrückt ist das ein Zuwachs von etwa vier Prozent gegenüber heute." Zwar könne die Beispielfamilie eine alte Gas-Brennwert-Heizung durch eine neue ersetzen, die Wände dämmen oder sich klimafreundlichere Autos anschaffen, so Wagner weiter, aber:

"Wenn man sich das Pendeln anschaut, ist das natürlich auch ganz stark abhängig von den Alternativen, die einem zur Verfügung stehen - also hat man eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr oder etwa nicht. Wenn das nicht existiert, bleibt einem ja im Endeffekt nichts anderes übrig, als weiter das Auto zu nutzen."

Fazit: Autofahren, Fliegen und Heizen mit Öl wird für die Verbraucher teurer. Bahnfahren wird billiger, der Strompreis dürfte leicht sinken, auch die Belastungen für die Pendler werden zunächst abgemildert. Wie stark Menschen belohnt werden, die sich klimafreundlich verhalten, hängt jedoch noch von vielen anderen, individuellen Faktoren ab, die man manchmal auch kaum beeinflussen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 05:00 Uhr

21 Kommentare

Armin C. vor 1 Wochen

Sie meinen vielleicht, dass 40% weniger Zigaretten mit Beteiligung des Staates verkauft werden? Und dieser dann mit der Erfolgsmeldung aufwartet, wie gut seine Gesundheitskampagnen angeschlagen haben...?
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(Nebenbei: Das Verbot, in Gaststätten zu rauchen bzw. nur noch in gesonderten Bereichen, begrüße ich ausdrücklich!)

Aber es geht um etwas Anderes, was gerade jetzt wieder sehr deutlich zu Tage tritt:
Wir (der Staat) brauchen immer wieder Geld von Euch, und wir holen es uns, und ihr könnt nichts dagegen machen!!
Ihr könnt Euch höchstens (scheinbar) das eine oder andere Mal noch raussuchen, wo es Euch lieber ist, abkassiert zu werden??

Und Methode hat es auch, diese Belastungen mit einem "guten Zweck" zu versehen, siehe eben Klimapaket (Was ist jetzt mit den großartigen Zielen??), oder eben Tabaksteuer zur Stabil. des Rentenbeitrages...???)
-Der jetzt halt mit 100 Milliarden € anderer Steuern jährl. gehalten werden muss?
Die lügen, ohne je Konsequenzen befürchten zu müssen...

Armin C. vor 1 Wochen

Und bestimmt verzichten Sie auch gerne auf die Kugel Eis, die "uns" die EEG-Umlage seit dem Jahr 2000 monatlich mehr kostet... :-) :-) :-)
(lt. dem damaligen Umweltminister Jürgen Trittin, Bündnis 90/ Grüne).
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Was ich mich bei ihren Kommentaren immer frage:
Geht es Ihnen so gut, dass Sie quasi "über den Dingen stehen", so wie Sie sich und anderen alles schönreden wollen? Dann wäre die nächste Frage, wie Sie zu diesem "Wohlstand" gekommen sind? Durch eigene Leistung oder vielleicht "ererbt?"
Oder gehören Sie lediglich zu den "nützlichen Helfer*innen", die den Profiteuren dieser ganzen Forderungen/Entwicklungen/Beschlüssen, wissentlich oder unwissentlich Beihilfe leisten?

Peter vor 1 Wochen

Werter H.E., nun sollten Sie aber auch konsequent sein und die Senkung der EEG-Umlage beim Strom, die Erhöhung der Pendlerpauschale und niedrigere Bahnpreise ablehnen.