Zusätzliche Ausgaben Krankenkassen warnen vor Beitragserhöhungen

Jahrelang haben die Krankenkassen Milliardengewinne verbucht. Auch 2019 wurden Rekordeinnahmen vermeldet. Allerdings sind auch die Ausgaben gestiegen, sodass erstmals ein Minus zu Buche stand.

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen liegen auf einem Tisch.
Im vergangenen Jahr hatten die Kassen wieder Verlust gemacht - erstmals seit 2015. Bildrechte: dpa

Die gesetzlichen Krankenkassen warnen vor steigenden Beiträgen in den kommenden Jahren. Der stellvertretende Vorstandschef des GKV-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer, sagte der "Welt am Sonntag", allein in diesem Jahr sei mit Mehrausgaben von fünf Milliarden Euro zu rechnen. Das Geld fließe beispielsweise in tausende neue Stellen für Altenpfleger.

Neue Gesetze - zusätzliche Ausgaben

Kiefer räumte ein, zum Anfang des Jahres habe es kaum Beitragsanstiege gegeben. Im kommenden Jahr werde es allerdings schwieriger aussehen, denn viele neue Gesetze führten zu dauerhaft höheren Ausgaben. Wenn die Rücklagen aufgebracht seien, führe kein Weg an höheren Beiträgen vorbei. Hintergrund sind das Gesetz für mehr Pflegepersonal und das Termin-Service-Gesetz.

Die Kassen hatten im vergangenen Jahr erstmals seit 2015 wieder Verlust gemacht. Nach Angaben des Spitzenverbandes von Ende Dezember beträgt das Minus mehr als eine Milliarden Euro. Auch Rekordeinnahmen hätten den Verlust wegen der Zusatzaufgaben nicht verhindern können. Im Jahr 2018 hatten die gesetzlichen Krankenkassen noch einen Überschuss von zwei Milliarden Euro erzielt.

Spahn verweist auf Milliarden-Reserven

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte wiederholt auf die Reserven der Krankenkassen von insgesamt mehr als 20 Milliarden Euro verwiesen. Er fordert, dass die Kassen die Rücklagen abbauen.

Deshalb warnt das Institut für Wirtschaft in Köln vor Panikmache. Der Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes erwartet kurzfristig keine extremen Ausschläge. Es sei zwar unbestritten, dass die Ausgaben langfristig überdurchschnittlich steigen würden. Das liege aber nicht in erster Linie an neuen Gesetzen.

Gründe seien der medizinisch-technische Fortschritt sowie eine ineffiziente Steuerung des Gesundheitssystems. Hinzu komme der demografische Wandel: Immer weniger Arbeitnehmer müssten immer höhere Ausgaben finanzieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2020, 12:49 Uhr