Krankenversicherung Höhere Zusatzbeiträge: Krankenkassen halten sich bedeckt

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag für gesetzlich Versicherte könnte 2020 laut Bundesgesundheitsministerium auf 1,1 Prozent steigen. Jede Krankenkasse legt ihren Beitrag jedoch selbst fest – in Mitteldeutschland haben das die meisten Kassen noch nicht getan. Nur die AOK Sachsen-Anhalt kündigt an, den Zusatzbeitrag nicht zu ändern.

von Niklas Ottersbach, MDR Aktuell

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen liegen auf einem Tisch.
Die meisten Krankenkassen in Mitteldeutschland haben noch nicht entschieden, ob sie 2020 ihren Zusatzbeitrag erhöhen. Bildrechte: dpa

Noch wird gerechnet bei den Kassen. Auf Nachfrage von MDR Aktuell heißt es von der Barmer und der Techniker-Krankenkasse: Erst im Dezember, wenn der Verwaltungsrat zusammenkommt, werde über die Höhe der Zusatzbeiträge für 2020 entschieden.

Die AOK Sachsen-Anhalt verspricht schon jetzt: Bis 2021 soll der Zusatzbeitrag für die Versicherten nicht steigen und stabil bei 0,3 Prozent bleiben. Das sei das Ergebnis guter finanzieller Rücklagen, sagt Sprecherin Anna Mahler. Dafür hätten vor allem ausgehandelte Rabattverträge und eine ausgezeichnete Versicherten-Entwicklung gesorgt.

Stabile Beiträge voraussichtlich auch bei AOK Plus Ergänzend zu diesem Autorenbeitrag teilte die AOK Plus mit, dass sie ihre Beiträge im kommenden Jahr voraussichtlich stabil halten wird. Auch hier muss der Verwaltungsrat dies in seiner Dezembersitzung aber noch endgültig beschließen. Der Zusatzbeitrag der AOK Plus, die in Sachsen und Thüringen rund 3,3 Millionen Versicherte hat, liegt derzeit bei 0,6 Prozent.

Regionale Krankenkassen günstiger als Barmer

Auffällig ist, dass die regional organisierten Krankenkassen, zu denen auch die AOK zählt, im Schnitt niedrigere Zusatzbeiträge anbieten können als bundesweite Krankenkassen – wie zum Beispiel die Barmer. Dahinter steckt ein Verteilungskonflikt um mehr als 250 Milliarden Euro jährlich. Das ist das Geld der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das an die Krankenkassen verteilt wird. Zu Gunsten der AOK, sagen Kritiker. Bessere Verträge auf lokaler Ebene, deshalb mehr finanzielle Rücklagen, sagt die AOK.

Höhere Ausgaben für Krankenkassen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will den Verteilungsmechanismus im nächsten Jahr neu regeln. Das reiht sich ein in mehrere Gesetzesvorhaben, die Geld kosten – wie zum Beispiel mehr Personal für die Pflege und eine bessere Arztterminversorgung für Patienten. Allein das würde fünf Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr kosten, sagt Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen. Er glaubt, dass die Ausgaben der Krankenkassen kommendes Jahr schneller steigen als die Einnahmen – und somit die finanziellen Reserven der Kassen belasten.

Noch wollen sich viele Krankenkassen nicht in die Karten schauen lassen, was das Thema höhere Zusatzbeiträge betrifft. Es sei denn, sie können ihn dank guter Rücklagen die nächsten Jahre stabil halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2019, 05:00 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo vor 12 Wochen

Kommt sicher ganz zufällig jetzt nach den Wahlen. Und dass obwohl permanent von super laufender Konjunktur und ganz toll entwickelnden Beitragseinnahmen berichtet wird. Wo kommen so plötzlich diese Kosten her, wenn die nicht mal bei Rekordeinnahmen gedeckt sind? Gleichzeitig sind Milliarden Rücklagen gebunkert. Oft ein Vielfaches der gesetzlich vorgeschriebenen Reserve. Und diese Milliarden kosten Millionen an Strafzinsen, da es dafür ja nicht nur keine Zinsen gibt, sondern die inzwischen -0,5% werden 1:1 weitergereicht. Macht bei den über 20 Mrd. € Rücklagen schonmal 100 Millionen Euro Strafzinsen, die allein die Versichertengemeinschaft der GKV mal eben für die Finanzierung der Staatsschulden anderer Länder abdrücken darf. Bei den Rücklagen der GRV sieht es nicht besser aus, außer dass diese Rücklage noch höher ist und entsprechend noch mehr Millionen anfallen.

kennemich vor 13 Wochen

Im letzten Jahr große Töne spucken, das wir weniger zahlen und nun kommt der Bummerrang zurück mit der Erhöhung.

Es soll um ca. 0,2% steigen nur kann jede Kasse selbst über ihre Erhöhung entscheiden!

Da hätte man dies nicht machen sollen, da wäre jetzt Geld für diese Sachen in der Kasse.

Arbeitende Rentnerin vor 13 Wochen

Warum wird das nur so sein? Wenn immer mehr Leute kommen, die nichts einzahlen aber alles in Anspruch nehmen, auf die Rentner wird oft geschimpft, im Alter kann es vorkommen, dass man nicht mehr so gesund ist, dafür hat man aber sein Leben lang für andere eingezahlt und tut es bis zum Tod weiter, bekommt aber vieles eigentlich notwendige nicht bezahlt, wer einen Schwerkranken in der Familie hat, weiß, wovon ich schreibe.