Studie der Bertelsmann Stiftung Private Krankenversicherung belastet gesetzliche

Bisher gibt es in Deutschland die Aufteilung in gesetzliche und private Krankenversicherungen. In einer Studie heißt es nun: Wären alle Bürger gesetzlich versichert, würden auch die Beiträge deutlich sinken.

Gesundheitskarte mit Geldscheinen
Mit einer einheitlichen Krankenversicherung würden auch die Beiträge für gesetzlich Versicherte sinken, hat eine Studie ergeben. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Würden alle Menschen aus den privaten Krankenversicherungen (PKV) in die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) wechseln, würden dort die Beiträge stark sinken. Das ist das Ergebnis einer Studie des Berliner Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Jedes Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung würde demnach im Schnitt 145 Euro pro Jahr sparen.

Der Betrag ergibt sich aus den Einkommensunterschieden: Denn laut der Studie verdienen Privatversicherte – vor allem Gutverdiener, Beamte und einkommensstarke Selbstständige – durchschnittlich mindestens 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte. Zudem seien sie tendenziell gesünder.

Die Verfasser der Studie errechneten, dass die GKV jährlich mit einem Finanzüberschuss von 8,7 bis 10,6 Milliarden Euro rechnen könne, würden auch die Mitglieder der PKV dorthin wechseln. Dadurch wiederum könne der Beitragssatz um 0,6 bis 0,7 Prozent sinken.

Stiftung: Aufspaltung schwächt sozialen Zusammenhalt

Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung sagte angesichts der Untersuchung: "Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen." Die Aufspaltung schwäche den sozialen Zusammenhalt. Zudem leiste sich in Europa nur Deutschland ein duales System.

Und Stiftungs-Gesundheitsexperte Stefan Etgeton sagte: "Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können."

Kritik vom Beamtenbund

Kritik kam hingegen vom Beamtenbund dbb: Die Forderung nach einer Abschaffung des dualen Systems sei "Quatsch", sagte dbb-Chef Ulrich Silberbach. "Unsere Gesundheitsversorgung ist eine der besten der Welt." Das duale Gesundheitssystem sei "gelebte Solidarität", alle profitierten von den Umsätzen der PKV-Versicherten.

Die GKV hatte im vergangenen Jahr erstmals seit 2015 mit einem Verlust von rund einer Milliarde Euro abgeschlossen. Die Beiträge teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Die nun vorgelegte Untersuchung geht aus einer jährlich durchgeführten Wiederholungsbefragung von rund 12.000 Haushalten hervor. Laut Stiftungs-Gesundheitsexperte Stefan Etgeton sind aktuell gut 73,2 Millionen Menschen in der GKV versichert, rund 8,8 Millionen in der PKV.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Februar 2020 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2020, 17:01 Uhr