Nach Nawalny-Vergiftung Kretschmer wirft Maas Eskalation in Russland-Politik vor

Die Vergiftung Nawalnys belastet das deutsch-russische Verhältnis schwer. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hat nun die Russland-Politik der Bundesregierung attackiert. Der Kreml-Kritiker Nawalny macht unterdessen weitere Fortschritte bei der Genesung.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, sitzt während der Sitzung des Sächsischen Landtages im Plenarsaal auf seinem Platz auf der Regierungsbank.
Bereits am Freitag hatten sich die ostdeutschen Ministerpräsidenten geschlossen für eine Fertigstellung der umstrittenen Nord Stream 2 Pipeline ausgesprochen. Bildrechte: dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat der Bundesregierung in der Russland-Politik einen Eskalationskurs vorgeworfen. Der CDU-Politiker sagte zum Agieren von Bundesaußenminister Heiko Maas, dass dieser "so durchdreht, ist kein gutes Zeichen für dieses Land". Maas hatte von Indizien gesprochen, dass der Kreml hinter dem Giftanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny stehen könnte.

Kretschmer sprach sich dafür aus, die Umstände für die Vergiftung Nawalnys aufzuklären. Die Ostseepipeline Nord Stream 2 sei aber etwas anderes und müsse fertig gebaut werden.

Bereits am Freitag hatten sich die ostdeutschen Ministerpräsidenten einstimmig dafür ausgesprochen, die Pipeline fertigzustellen. Das Projekt sei wichtig für die Energieversorgung der Zukunft in Deutschland und Europa, hieß es in einem gemeinsamen Papier. Einen formalen Beschluss fassten sie jedoch nicht. Nach der schweren Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny waren wieder Forderungen nach einem Abbruch der geplanten Gaspipeline lauter geworden.

Nawalny wieder auf den Beinen

Alexej Nawalny geht  in in der Berliner Universitätsklinik Charité eine Treppe hinunter
Alexej Nawalny geht in in der Berliner Universitätsklinik Charité eine Treppe hinunter Bildrechte: dpa

Der prominente Kreml-Kritiker macht unterdessen auf dem Weg der Genesung weitere Fortschritte. Am Samstag veröffentlichte Nawalny auf Instagram ein neues Bild von sich aus der Berliner Universitätsklinik Charité, wo er behandelt wird. Auf dem Foto steht er auf einer Treppe in der Klinik. In einem Text dazu dankte er den "brillanten Ärzten". Sie hätten ihn von einem "technisch lebendigen Menschen" zu jemandem gemacht, der "alle Chancen hat, wieder eine Hohe Lebensform der Modernen Gesellschaft zu werden". Er sei nun ein Kerl, bei dem die Beine zitterten, wenn er die Treppen laufe, schrieb der 44-Jährige weiter. Noch vor Kurzem aber habe er nicht einmal Menschen erkannt und nicht reden können. Bis zu seiner Genesung sei es aber noch ein langer Weg.

Nawalny wird seit dem 22. August in der Charité behandelt. Wochenlang lag er in einem künstlichen Koma. Nach Angaben von Speziallaboren wurde er mit einem international verbotenen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Russland bestreitet die Vorwürfe, etwas mit dem Fall zu tun zu haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. September 2020 | 14:30 Uhr