Blick vom Rathausturm auf den Altmarkt mit der Frauenkirche.
Dresden, Leipzig und Halle sind statistisch gesehen die gefährlichsten Städte Mitteldeutschlands. Bildrechte: imago/imagebroker

Kriminalitätsstatistik 2017 Mitteldeutsche Städte bei Kriminalität und Verbrechen weit vorn

Von den 39 deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern liegen nur sechs in Mitteldeutschland. Was Kriminalität und Verbrechen angeht, spielen diese laut aktueller Statistik allerdings ganz oben mit. Ungewöhnlich auch der Anstieg in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Doch gibt es dort einen Sondereffekt.

Blick vom Rathausturm auf den Altmarkt mit der Frauenkirche.
Dresden, Leipzig und Halle sind statistisch gesehen die gefährlichsten Städte Mitteldeutschlands. Bildrechte: imago/imagebroker

Sechs Städte in Mitteldeutschland gehören zu den "Top 20" der gefährlichsten Städte Deutschlands. Das geht aus Zahlen der bundesweiten Bundeskriminalstatistik des Bundesinnenministeriums von 2017 hervor, die die "Welt am Sonntag" zitiert. Für die Statistik wurden die 39 deutschen Großstädte mit mehr als 200.000 Einwohnern verglichen. Aufgelistet werden in der Statistik u.a. Mord, Vergewaltigung, Raubdelikte, Wohnungseinbrüche sowie Taschendiebstahl.

Dresden, Leipzig und Halle auf den Plätzen vier bis sechs

Dresden rückte in der bundesweiten Statistik demnach auf Platz vier. 14.330 Straftaten pro 100.000 Einwohner gab es laut Statistik im vergangenen Jahr. Leipzig liegt mit 13.900 Straftaten bundesweit auf dem fünften Platz, Halle mit rund 12.770 Straftaten auf dem sechsten Platz. Magdeburg liegt mit rund 11.400 Verbrechen pro 100.000 Einwohner auf Platz 14 der Tabelle, Erfurt und Chemnitz mit rund 10.730 beziehungsweise 10.330 Verbrechen auf den Plätzen 17 und 18.

Betrachtet man nur die Flächenstaaten, liegen Sachsen und Sachsen-Anhalt sogar ganz vorn, noch vor dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Sonderfall Infinus in Dresden

Der neue mitteldeutsche Negativ-Spitzenreiter Dresden hat offenbar einen ungewöhnlichen Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen: Im Vergleich zu 2016 wurde rund ein Drittel (konkret 33,7 Prozent) mehr Straftaten registiert, während alle anderen Großstädte einen Rückgang verzeichneten. Allerdings ist dafür offenbar ein Sondereffekt verantwortlich: Die Insolvenz des Finanzunternehmens Infinus. Dabei sollen mehr als 40.000 Anleger durch gewerbsmäßigen Bandenbetrug um über eine Milliarde Euro geprellt worden sein.

Polizeipräsident hatte Zahl nicht mit aufgeführt

Der Dresdner Polizeipräsident Horst Kretzschmar hatte Ende März bei der Präsentation der Kriminalstatistik für Dresden erklärt, da Infinius seinen Firmensitzes in der sächsischen Landeshauptstadt habe, würden mehr als 23.600 Fälle statistisch der Polizeidirektion Dresden zugerechnet. Dieses Verfahren bringe die Dresdner Polizei gehörig in die Schieflage. Kretzschmar hatte das Wirtschaftsverfahren in der im März vorgestellten Dresdner Kriminalstatistik nicht mit einberechnet. Er begründete damals, er wolle einer "verzerrten Darstellung entgehen".

Ohne den Infinius-Fall kamen in Dresden auf 100.000 Einwohner insgesamt 10.012 Straftaten. Ein Rückgang um fast sechs Prozent. Nach dieser Rechnung wäre Leipzig die Großstadt mit den meisten Verbrechen in Ostdeutschland.

Frankfurt am Main führt die Statistik an

Frankfurt am Main liegt laut Zeitungsbericht hingegen auf Platz eins der bundesweiten Bundeskriminalstatistik und Berlin an dieser Stelle abgelöst. In der hessischen Metropole wurden 2017 mehr als 14.900 Verbrechen pro 100.000 Einwohner gezählt. Platz zwei nimmt Hannover ein, Platz drei Berlin mit rund 14.560 Verbrechen pro 100.000 Einwohner.

Sicherste Stadt erneut München

Als sicherste Stadt Deutschlands gilt weiterhin München. Hier wurden 2017 6.627 Verbrechen pro 100.000 Einwohner gezählt, also nicht einmal halb so viele wie zum Beispiel in Leipzig. Zudem ist hier die Zahl der Straftaten in der bayerischen Landeshauptstadt um 15,4 Prozent gesunken.

Deutschlandweiter Rückgang bei Verbrechenszahlen

Deutschlandweit wurden den Angaben zufolge fast zehn Prozent weniger Verbrechen registriert als noch 2016. Der "Welt am Sonntag" zufolge ist das der stärkste Rückgang seit 1993 und insgesamt der tiefste Stand seit der Wiedervereinigung. Demnach gab es im vergangenen Jahr rund 5,76 Millionen Straftaten - mehr als 610.000 weniger als 2016.

Begründet wird dies mit besserer Verbrechensbekämpfung durch die Polizei, aber auch mit der geringeren Zuwanderung. So wurden 2017 weit weniger Vergehen wie illegale Einreise und unerlaubter Aufenthalt in Deutschland registriert - das macht laut "WamS" fast die Häfte des Rückgangs bei den Gesamtzahlen aus.

Starker Rückgang bei Wohnungseinbrüchen

Der Statistik zufolge waren 2017 rund ein Drittel der Verbrechen Diebstahlsdelikte. Hier war der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr besonders hoch: 11,8 Prozent, bei Wohnungseinbrüchen sogar 23 Prozent. Bei der Gewaltkriminalität gab es nur einen leichten Rückgang (2,4 Prozent), die Zahl der Morde stieg sogar um 3,2 Prozent auf 785 Fälle. Einen starken Anstieg gab es auch bei den Drogendelikten (9,2 Prozent).

Die Aufklärungsquote stieg bundesweit leicht auf 57,1 Prozent.

Eine offizielle Bestätigung der Zahlen der "Welt am Sonntag" gibt es noch nicht. Innenminister Horst Seehofer (CSU) will Anfang Mai eine Übersicht vorstellen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 22. April 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2018, 12:41 Uhr

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77 Kommentare

24.04.2018 20:38 Mediator an der Uwe(75) 77

Lieber Uwe,

in meinen Gesprächen vom Polizeipräsidenten bis hinunter zum einfachen Polizisten wurde sehr offen über bestehende Probleme gesprochen. Ich habe immer sehr positiv wahrgenommen, dass diese Polizeibeamten, ganz im Gegensatz zu vielen Besorgten, sehr ausgeglichen und sachorientiert diskutiert haben. Denk- und Redeverbote habe ich da nicht wahrgenommen.

Selbstverständlich werden vor Stichtagen Zahlen soweit es geht aufgehübscht. Das ist aber nichts dramatisches und schon gar nicht mit der Realitätsverweigerung von DDR Statistiken zu vergleichen. Also machen sie mal nicht aus jeder üblichen Praxis einen Skandal.

Welche offiziellen Verlautbarungen kriegen sie denn mit ihrer Umgebung nicht in Übereinstimmung? Lassen sie doch mal hören. Ziehen sie aber nicht zu sehr vom Leder, denn in ihrer Umgebung werden schon nicht alle Menschen Billiglöhner oder Arbeitslose sein, die zudem ständig Opfer von Verbrechen werden.

24.04.2018 19:30 Mediator an der Uwe(74) 76

Lieber Uwe,

sie sind ja wirklich naiv wenn glauben, dass der wesentliche Unterschied zwischen DDR und BRD die wirtschaftliche Potenz gewesen ist.
Auch eine witschaftlich potente DDR wäre eine Einparteindiktatur gewesen, die abweichende Meinungen nicht gedultet und verfolgt hätte. So was treibt Menschen nun einmal aus dem Land.

Weiterhin ist es müssig im nachhinein 'was wäre gewesen, wenn' zu spielen, denn jede signifikante Veränderung würde andere nach sich ziehen.

Selbst wenn man einzelne Variablen austauscht bleibt das Endergebnis aber meist gleich weil hunderte andere Variablen sich nicht ändern.

Eine demokratische DDR ohne SED und ohne die Russen im Nacken war halt einfach keine Option wenn man sich die Rahmenbedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg anschaut.

24.04.2018 19:23 der Uwe 75

Zitat/Frage73:....aber auf welcher Datenbasis beruhen denn ihre Beurteilungen, wenn sie nicht einfach nur ein Bauchgefühl äußern-Zitatende - von Leuten , die in "entsprechender Stelle " arbeiten , sofern sie darüber sprechen dürfen - wenn zum Beispiel kurz vor den Wahlen die Vergabe von Arbeitsmaßnahmen und Weiterbildungen überdurchschnittlich steigt, um Leute aus den Arbeitslosenstatistiken rauszubekommen, oder einfach mal privat einen Polizisten.....die dürfen doch alles sagen ( großes) ODER ? Drittes Beispiel: Ich sehe mich in meinem Umfeld um und vergleiche mit "offiziellen " Verlautbarungen .

24.04.2018 18:48 der Uwe 74

...um zu meinem letzten Satz keine Missverständnisse aufkommen zu lassen (Zeichen waren voll): Ich meinte der SCHLÜSSELGRUND/Unterschied waren die wirtschaftlichen Verhältnisse ( diese wiederum durch schlechte Politik verursacht) ' gäbe es diese damals nicht, so hätte der Staat es auch nicht nötig gehabt, seine Leute mit völkerrechtswidrigen Methoden einzusperren oder zu maßregeln.In der CSSR hatte man dieses 1968 auch erkannt, die SU war dagegen, den Rest kennen wir.

24.04.2018 18:32 Mediator an der Uwe(72) 73

Lieber Uwe,
ich habe verstanden, dass sie staatlichen Verlautbarungen nicht trauen, aber auf welcher Datenbasis beruhen denn ihre Beurteilungen, wenn sie nicht einfach nur ein Bauchgefühl äußern?
Selbst wenn sie sich auf irgendwelche rechtspopulistischen Publikationen beziehen so müssen die ihre Daten ja irgendwoher haben. Oder zählen sie und das Compact Magazin selbst Straftaten oder Flüchtlinge?
Ein Gefühl oder eine Meinung ersetzt aber keine Zahlen und Fakten.
Zur DDR: Sozialismus wäre toll wenn er funktionieren würde - tut er aber nicht. Was glauben sie wie produktiv Deutschland wäre, wenn ähnlich zur DDR 95% der Angstelltenim Beamtenverhältnis arbeiten würden? Wenn sie keine Verbesserungen zu 89 sehen, dann tun sie mir übrigens leid, weil sie sich selbst belügen. Mir reicht da einmal tief einzuatmen wenn ich in Meiningen bin - kein Braunkohlemief mehr.
PS: Über Manipulationen bei der Abgasreinigung wurde z.B. 2003 bei Greenpeace berichtet und das UBA hat dies bestätigt.

24.04.2018 17:46 der Uwe 72

Zitat#69-Wer nicht einmal in der Lage ist den Unterschied zwischen dem Wesen DDR und der BRD zu erfassen, bei dem ist es wohl mit der Kritik nicht weit her.Zitatende - richtig! - aber dieser Satz trifft leider auf Sie selbst zu...vor drei Jahren hätten Sie auch dem Forum bestimmt noch "anhand der Abgasstatistik des TÜV's " erklärt, wie die Abgasfreundlichkeit der Dieselautos sich seit 2000 "verbessert " hat. - Von den " offiziellen " Zahlen der BAMF- Behörde (Bremen), will ich gar nicht sprechen, denen Sie in Ihrer Naivität alles immer für "bare Münze" abkaufen würden . Aber trösten Sie sich, so naiv , dass in der jetzigen Gesellschaft "alles besser " ist, waren viele Ossis 1990 auch erstmal (auch ich) .Wir haben aber nun beide Systeme erlebt, und wir können vergleichen , was Sie von sich nicht behaupten können.Nochmal: Der einzige Unterschied ist die Produktivität/materiellen Möglichkeiten,- hätte die in der DDR funktioniert, hätte es nichtmal eine Mauer gebraucht. - sorry MDR....

24.04.2018 17:38 w.a. 71

Hallo Susan. Wenn man hier ihre Kommentare liest, muss man ja annehmen sie leben nicht gern in unserem kapitalistischen Land. Der Unterschied zur ehemaligen sozialistischen DDR besteht aber auch darin, dass sie jetzt einfach in ein anderes Land ihrer Wahl ausreisen können ohne dafür eingesperrt zu werden. Versuchen sie es doch einfach mal in einen anderen Land, wo der Sozialismus noch im Aufbau ist und der Mensch nicht vom Kapital ausgebeutet wird. Kuba und Venezuela oder Nordkorea sind solche erstrebenswerten Gesellschaftsysteme. Ich bleibe lieber hier und lass mich im Kapitalismus weiter ausbeuten und lebe sehr gut damit. Verschonen sie mich und sicher viele andere bitte mit ihren sozialistisch, kommunistischen Geschwurbel. Probieren sie meinen Vorschlag einfach mal aus und wir diskutieren zu gegebener Zeit dann noch einmal darüber.

24.04.2018 16:55 Bernd L. 70

Mediator:
Bitte äußern sie sich nicht mehr über Ossis und die DDR- wenn ich Comedy will, gucke ich anderswo.
Die PKS ist zur vergleichenden Diskussion nicht gut geeignet:
- weil z.B. in Berlin viele Straftaten (Görli) nicht erfasst werden, laut Zeitung tausende Delikte,
- weil die bislang große Zahl der Einbrüche gesunken ist, aber schwere Straftaten (Tötung, Gewalt etc) angestiegen sind, in Leipzig haben sich Messerdelikte vervielfacht,
- weil keine Auflistung nach Migranten und Biodeutschen erfolgt.
Die Argumente 1 und 2 wurden sogar von einem Kriminalexperten auf n-tv (sicherlich nicht Afd-freundlich) so ausgeführt, sind also nicht von mir.

24.04.2018 14:56 Mediator an Bernd L. 69

Sorry, aber es besteht ein Unterschied zwischen Kritik, Nörgelei und bewusst inszeniertem rechtspopulistischem Zweckpessimismus.

Alle Ossis sind also "etwas kritischer"? Müssen sie nicht selbst über solch eine sinnfreie Verallgemeinerung schmunzeln? Wer nicht einmal in der Lage ist den Unterschied zwischen dem Wesen DDR und der BRD zu erfassen, bei dem ist es wohl mit der Kritik nicht weit her.

Die Grundlagen der PKS sind öffentlich und können von jedem kritisch hinterfragt werden. Mir ist da keine Diskussion bekannt, nachdem eine neue Ausgestaltung der PKS die Zahl der Straftaten bewusst künstlich reduziert. Folglich muss man also annehmen, dass die Zahl der Straftaten rückläufig ist und sich auf dem Niveau der 90er Jahre bewegt, wie es im Artikel benannt wird.

Es ist übrigens ziemlich durchschaubar, wenn man sich immer die Straftatenkategorie herauspickt, die gerade seinen Standpunkt unterstreicht, alle anderen Kategorien aber ignoriert.

24.04.2018 12:51 Bernd L. 68

Mediator 67:
Vielen Dank für Ihren Beitrag 67, der meinen Beitrag 63 voll bestätigt. Sie haben nichtmal verstanden, was ich mit "gelernter Ossi" gemeint hatte.
Ich rede nichts schlecht, lebe gern in meinem schönen deutschen Heimatland und bin stolz auf "mein" Sachsen.
Als Ossi bin ich nur etwas kritischer.