Waldarbeiter beseitigen nach einem Sturm Bruchholz im Harz, um Borkenkäfer möglichst wenig Brutholz zu bieten
Waldarbeiter beseitigen nach einem Sturm Bruchholz im Harz, um Borkenkäfern möglichst wenig Brutholz zu bieten. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Moritzburg Krisengipfel soll Rettung für deutsche Wälder bringen

Die Lage ist ernst: Deutschland droht ein Waldsterben "ungeahnten Ausmaßes". Die Schäden sind jetzt schon enorm, auch in Mitteldeutschland. Agrarministerin Julia Klöckner sucht deshalb im sächsischen Moritzburg mit den CDU-Ministern der Länder nach Lösungen.

Waldarbeiter beseitigen nach einem Sturm Bruchholz im Harz, um Borkenkäfer möglichst wenig Brutholz zu bieten
Waldarbeiter beseitigen nach einem Sturm Bruchholz im Harz, um Borkenkäfern möglichst wenig Brutholz zu bieten. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Zwei Millionen Menschen sind jedes Jahr auf und um den Brocken unterwegs. Doch derzeit bietet sich den Besuchern ein erschreckender Anblick im Nationalpark Harz: Vielerorts sind tote Bäume zu sehen. Die Ursache ist bereits lange bekannt: Es ist der Borkenkäfer, der durch die anhaltende Trockenheit ideale Lebensbedingungen vorfindet.

Doch die Gründe für das diesjährige Baumsterben reichen weiter zurück: Über den Harz zogen im Winter letzten Jahres mehrere Stürme, darunter auch Orkan Friederike. Zahlreiche Fichten waren durch die vorausgegangene Trockenheit geschwächt und stürzten um. Das war wiederum der ideale Nährboden für den Borkenkäfer.

Schädling verschärft die Lage weiter

Der Schädling befällt ausschließlich Fichten. Im Harz griff er anschließend auch auf die gesunden Bäume über. Wären die Wälder im Harz Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten sowie jüngeren und älteren Bäumen, würden die Schäden nicht so flächendeckend ausfallen, sagt Herbert Papies, Naturpark-Verantwortlicher im Harz.

Ranger Harald Papies im Nationalpark Harz.
Ranger Harald Papies im Nationalpark Harz. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

In Mittel- und Ostdeutschland ist die Lage bereits dramatisch. Das Thüringer Landwirtschaftsministerium geht derzeit davon aus, dass bis zum Ende des Jahres 2,5 bis 3 Millionen Kubikmeter sogenannten Schadholzes im Freistaat anfallen. Die größten Schäden gibt es bei Fichten und Buchen.

Der Thüringer Landesforstleiter Volker Gebhardt schätzt, dass in diesem Jahr Bäume auf rund 25.000 Hektar absterben werden – das sind knapp fünf Prozent der gesamten Fläche des Thüringer Waldes. In Sachsen sind laut Umweltminister Thomas Schmidt 100.000 Hektar Wald zerstört. Das seien "Schäden in nie dagewesener Größenordnung", sagte Schmidt.

Wald-Krisengipfel gegen massenhaftes Baumsterben

Die CDU-Forstminister beraten deswegen am heutigen Donnerstag im sächsischen Moritzburg gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner über drohende Klimaschäden für den deutschen Wald. Ziel ist es, einen langfristigen Plan zu entwickeln, der ein drohendes, massenhaftes Waldsterben abwenden soll. Außerdem soll es um Hilfen für geschädigte Waldbesitzer gehen.

Wolfram Günther
Grünen-Fraktionschef Günther: Es geht um Wahlkampf. Bildrechte: dpa

Sachsens Grüne kritisierten unterdessen das geplante Treffen. Fraktionschef Wolfram Günther sagte zwar MDR AKTUELL, angesichts der Waldschäden sei es grundsätzlich sinnvoll, sich mit den Fachkollegen zusammenzusetzen. Dass allerdings nur Unionsminister eingeladen seien, zeige aber, dass es nicht um die Sache gehe, sondern um Wahlkampf.

Sachsens Agrarminister Thomas Schmidt wies das zurück. In der Kürze der Zeit sei es nur möglich gewesen, ein Treffen im kleinen Kreis zu organisieren.

BUND mahnt schnelles Handeln an

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Der Borkenkäfer befällt ausschließlich Fichten. Bildrechte: dpa

Der Umweltverband BUND hatte bereits in der vergangenen Woche schnelles Handeln angemahnt. Es gehe um eine Existenzgefährdung "ungeahnten Ausmaßes", sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Grund dafür sei die Klimakrise: Anhaltende Trockenheit, extreme Hitze und daraus entstehende Waldbrände gefährdeten die Wälder ebenso wie starke Stürme und maximale Niederschläge. Hinzu kämen Schädlinge und Pilzerkrankungen.

Wald schluckt sechs Prozent der CO2-Emissionen

Die Fichten-Monokulturen wie im Harz sind Experten zufolge das Hauptproblem der deutschen Wälder. Die Bäume können zwar schnell wachsen und liefern mehr Holzerträge, sind aber damit auch anfälliger für Sturmschäden. Mischwälder seien gegenüber Sturm und Schädlingen viel widerstandsfähiger als Nadelholz-Monokulturen, hatte der BUND letzte Woche angemahnt.

Klöckner fordert halbe Milliarde Euro für Aufforstung

Landwirtschaftsministerin Klöckner hatte bereits im Vorfeld des Moritzburger Treffens eine halbe Milliarde Euro für ein Aufforstungsprogramm gefordert. Es sei nötig, neue standortangepasste Bäume und Mischwälder zu pflanzen und tote Bäume zu entfernen, sagte Klöckner. Der Wald sei ein entscheidender Klimaschützer – jährlich entlaste er die Atmosphäre in Deutschland um 58 Millionen Tonnen CO2. Das seien rund sechs Prozent der Gesamtemissionen, so die Ministerin.

Schäden in Milliardenhöhe

Das Waldsterben verursacht bereits jetzt enorme finanzielle Schäden. Der Dachverband der Waldeigentümer schätzt, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) hat errechnet, dass allein der Abtransport des Holzes  2,1 Milliarden Euro kosten werde. Insgesamt müssten 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden. AGDW-Sprecherin Larissa Schulz-Trieglaff findet klare Worte: "Es handelt sich um eine Jahrhundertkatastrophe für die Wälder in Deutschland."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 01. August 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 05:02 Uhr

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18 Kommentare

02.08.2019 00:27 Paul S. 18

Geht jetzt genau diese CDU der das Klima bis heut wurscht war auf Wählerfang bei den Grünen ?
Wie unglaubwürdig , heuchlerisch und bevölkerungsfern ist doch diese einst so starke Partei geworden ?!
Eine Flugbenzinsteuer wegen der Profitgier von Konzernen kommt diesen Lobbyisten nicht in den Sinn , lieber die hart arbeitende Bevölkerung und Berufspendler zur Kasse bitten !
Diese Partei ist sowas von verlogen !
Die hohen Stromkosten sind auch ein Erfolg der CDU wo nur der Privathaushalt allein die Mehrkosten trägt , die Konzerne haben sich erfolgreich vor diesen bei der CDU befreien lassen !
Diese Partei ist einfach nicht mehr wählbar wie die Grünen .

01.08.2019 21:15 Wörterbuch der Unternehmensberater 17

Die Unionisten treffen sich in Sachsen.
Zufällig gibt es da bald Landtagswahlen.

Und was machen die da?
Fordern einen
MASTERPLAN!

Na, Bravo!
Davon wird der Wald gesunden.

Wahrscheinlich wird dann demnächst noch eine
TASK FORCE
eingesetzt.
Wenn das mal keine
WIN-WIN-Situation
ergibt........!

01.08.2019 20:06 Spottdrossel 16

Verratet mir doch mal, was an den deutschen Wäldern eigentlich DEUTSCH ist???

01.08.2019 14:21 007 15

Gegen den Borkenkäfer hilft zuerst einmal eine vernünftige Forstwirtschaft mit Mischwäldern, dass haben die Kommunisten im real-existierenden Sozialismus schon vor 50 Jahren gewusst!!!

Monokulturen in Land- u Forstwirtschaft sind immer anfällig für Krankheiten u schlecht. Was aber noch weniger bringt, sind ideologische Schwätzer u Krisengipfel. Weil die kennen nur ein Heilmittel für alles, S-T-E-U-E-R-N.

Wir könnten ja auf die CO² Steuer noch eine Borkenkäfer-Bekämpfungsmittel-Steuer drauf legen. Ich bin überzeugt, der Ökoesel Michel zahlt das auch noch ...

01.08.2019 12:56 Sascha10 14

Die Agrar- und Grünenpolitik bedient sich dem umweltpopulistischen Begriff des Waldsterbens, wobei wir momentan wegen der Wassermangels nichts anderes erleben als einen Artenwechsel in den Wäldern in Richtung trockenresistenter Baumarten. Die im Flachland künstlich angepflanzte nicht standortgerechte Fichte wird auf jeden Fall verschwinden, der Wald an sich aber nicht.

01.08.2019 11:47 AufmerksamerBeobachter 13

#9 hat im Grunde alles nötige gesagt.

Weiterhin muß man sich mal veranschaulichen, worüber man spricht. Bei knapp 90 Mrd Bäumen im dt. Waldbestand wollen fachfremde CDU-Pappnasen bei Häppchen&Schnittchen in Moritzburg mit aktionistischen Wahlkampfphrasen und 500Mio Euro Ablaßgroschen den Wald retten.

01.08.2019 11:22 Sr.Raul 12

Freunde, macht euch doch selber nix vor. Die gesunden Bäume im eigentlichen Sinn gibt es nicht mehr. Spätestens seit dem "Jahrhundertsommer" 2003 hat der Trockenstress kontinuierlich zugenommen, was man sehr gut anhand von Jahrringanalysen ablesen schlussfolgern kann. Also auch diese äußerlich noch gesund erscheinenden Bestände im Wald, sonstiger freier Landschaft, im Park etc. pp. sind geschwächt und somit anfällig gegen Baumschädlinge jeglicher Art. Kann man schön mit "Meister" Specht veranschaulichen. Der pickert nur dort im Baum wo eine geschädigte Holzstruktur oder Höhlung unter der Borke anzutreffen ist. Ansonsten könnte es wenn es blöd läuft, irreparable Schnabelschäden geben. Ein Waldumbau von Menschenhand wird immer unwahrscheinlicher Erfolg haben, da allein das Thema Wassermangel immer mehr in den Vordergrund rücken wird.

01.08.2019 11:19 Beton 11

Rund um den Brocken (Heinrichshöhe, Gelber Brink, Schneeloch) sind die Bäume schon vor mehreren Jahren aufrecht stehend abgestorben (gewesen). Die alleinige Begründung mit Sturm und Hitze im letzten Jahr kann daher nicht zutreffen.

01.08.2019 11:02 Fragender Rentner 10

Wie soll das klappen, wenn so manche die mit daran teilnehmen es erst mit verursacht haben !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die Verursacher wollen es lösen? :-(

01.08.2019 10:41 Holger 9

Es glaubt hier doch wohl Keiner, dass durch Frau Klöckner ernsthafte Lösungen zum Waldsterben vorgeschlagen und recht schnell vom Bund umgesetzt werden.
Alles was diese Frau bisher getan hat waren halbherzige Entscheidungen, welche voll im Interesse der Wirtschaftsverbände und derer Lobbyisten standen. Ich nenne als Beispiele nur Glyphosat (Verlängerung der Verwendung), Ablehnung einer Art Ampel für Lebensmittel, Industrie darf weiterhin Zucker und Fette in Lebensmittel reinhauen wie es ihnen beliebt!!! Die Entscheidung für den Kauf oder Nichtkauf allein den Kunden zu überlassen - wie Klöckner es will - funktioniert nicht. Und das weiß sie selbst genau!
Das Schreddern von männlichen Kücken wird weiterhin erlaubt, da es momentan für die Tierproduktion zu teuer wäre!!!
Eine Ministerin die voll in die Linie passt, wie sich die Wirtschaft wünscht. Keine Entscheidungen gegen sie nur welche, die vorher mit Lobbyisten genau abgesprochen sind.
Diese Frau ist eine weitere Fehlbesetzung!!!