Diskussionsrunde Kritik an Kretschmer für Dialog mit Corona-Protestlern

Vor knapp drei Wochen hatten Corona-Protestler Michael Kretschmer vor seinem Privathaus überrascht. Das Gespräch war recht schnell vorbei. Doch jetzt will er erneut mit ihnen in einer Online-Diskussionsrunde sprechen.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, steht nach einem Besuch auf der Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden.
Michael Kretschmers Dialogangebot an Corona-Protestler erntet Kritik aus Politik und auch von den Protestlern selbst. Bildrechte: dpa

Michael Kretschmer bekommt derzeit viel Gegenwind für sein Dialogangebot an die Corona-Demonstranten. Auch aus den Reihen der eigenen schwarz-rot-grünen Koalition.

Grüne und SPD mit scharfer Kritik

Monika Lazar, 2019
Monika Lazar, Grüne Bundestagsabgeordnete Bildrechte: dpa

Albrecht Pallas von der SPD zum Beispiel kritisiert: "Wir haben hier eine Gruppe von Menschen, die gezielt Grenzüberschreitungen machen, wo also darauf gesetzt wird, andere einzuschüchtern. Und wenn ich mich jetzt danach mit denen treffe, dann bestätige ich diese Handlungsweise und bestärkte sie darin, genauso weiterzumachen." Das sei ein Fehler, schließt Pallas.

Und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Monika Lazar zeigt wenig Verständnis. Sie glaubt, Michael Kretschmer setze ein "schwieriges Signal": Man müsse nur laut sein und "wie beim Herrn Kretschmer vor dem privaten Grundstück demonstrieren", schon bekomme man ein Gesprächsangebot, das andere Gruppen nicht bekämen. Lazar sagt, sie finde es schräg, wie der Ministerpräsident die Schwerpunkte setze und mit welchen Gruppen er diskutieren möchte.

Zoom-Konferenz für Corona-Protestler

"Fakten statt Fakenews" - unter diesem Titel steht die Veranstaltung am Freitagabend, die die Konrad-Adenauer-Stiftung als Zoom-Konferenz organisiert. Zuschalten wollen sich neben Michael Kretschmer auch der Zittauer Oberbürgermeister, ein Krankenhaus-Direktor und eine Pflegeheim-Leiterin. Zudem sind Bürgerinnen und Bürger aus der Region Zittau eingeladen.

Und zwar gezielt jene Menschen, die vor Michael Kretschmers Haus demonstrierten: Menschen aus der Gruppe der sogenannten B96-Protestler, die seit Monaten regelmäßig mit Reichskriegs-Flaggen an der Bundesstraße stehen. Sie organisieren sich über den Messenger-Dienst Telegram, unter anderem im Kanal "Corona Rebellen Sachsen".

Hier verbreiten sie rechtes Gedankengut und Verschwörungsmythen. Zum Beispiel über das Thema Impfen. "Mit der Impfung wirst Du Corona positiv. Das ist Fakt", schreibt eine Nutzerin.

Ein anderer schreibt: "Die verpassen uns jetzt die Impfung mit den Masken !!!!! Aufgepaßt ‼‼ Die Masken können auf der Innenseite absichtlich kontaminiert sein, mit einem Mittel, welches durch die Befeuchtung beim Atmen freigesetzt wird. Wir reden hier von einer nasalen Impfung durch Inhalation. Das ist kein Scherz."

Dialog mit klaren Regeln

Lässt sich mit diesen Menschen sachlich diskutieren? Nein, meinen Albrecht Pallas von der SPD und Monika Lazar von den Grünen. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die das Treffen moderiert, sieht das anders.

Man müsse den Versuch starten, sagte der Chef der Stiftung in Sachsen, Joachim Klose, MDR AKTUELL. Für das Treffen hat er Regeln aufgestellt: Das Publikum kann schriftlich Fragen stellen. Mündliche werden nur mit Klarnamen zugelassen. Dann gibt es maximal eine Minute Redezeit. Wer ausfällig wird, wird abgeschaltet.

Gesprächsbedingungen stoßen auf Ablehnung

Das gefällt den potentiellen Teilnehmern jetzt schon nicht. Marcus Fuchs zum Beispiel. Er ist Organisator der Dresdner Querdenker-Demos und will am Freitagabend mitdiskutieren: "Das Angebot erfüllt leider die Anforderungen an einen Dialog auf Augenhöhe nicht. Da hier, nachdem Fragen gestellt wurden, überhaupt keine Chance besteht, auf die Antworten einzugehen."

Für Freitagabend, so erklärt Marcus Fuchs weiter, habe er zusammen mit den Corona-Rebellen Fragen gesammelt und eine spezielle Frage-Taktik ausgearbeitet. Wie die genau aussehen wird, will er nicht verraten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Januar 2021 | 06:00 Uhr

318 Kommentare

Anita L. vor 5 Wochen

"Anita, auch das überrascht. Mein Beitrag bezog sich auf Agnostiker, der von "blau-braunem" Mob und "dümmlich" sprach."

Dann sprechen Sie doch bitte auch Agnostiker darauf an und verarbeiten den Begriff nicht in Ihrer Kritik an meinen Aussagen.

Im Übrigen lese ich von Ihnen genau das, was in der Regel den sogenannten Corona- und auch anderen Kritikern vorgeworfen wird, zu Recht, wie Ihre Replik zeigt: "einseitig", "Hardcore-Vertreter", "Witz", "Stotterei" sind, bei allem Respekt, keine sachlich begründeten Argumente, auf die man eine sinnvolle und konstruktive Kritik baut. Es sei denn, Sie setzen Aussagen wie "Es ist noch kein Mensch an Corona gestorben" (was ich angesichts Ihrer Aussage zu den Todesursachen fast befürchte) als sachliche Diskussionsgrundlage. Und da halte ich es wiederum mit Albert Einstein.

Wessi vor 5 Wochen

@ Tacitus ...Dr. Lauterbach ist sogar (beurlaubter) Professor für klinische Epidemologie.Man wird da nicht so einfach ohne Qualifikation berufen.Er ist Mediziner UND Gesundheitsökonom, als Fachmann kann er sich leicht mehr Fachwissen verschaffen.Was er getan hat.Allein an Veröffentlichungen etwas fest zu machen ist unrichtig, ebenso wie ein Abschluß nichts als ein Stück Papier ist.Fachurteile können auch aus Erfahrung gemacht werden, ein Studium kann auch erfolgreich sein, wenn das LETZTE Testat fehlt.Ausserdem gibt es eben Fachleute im Hintergrund, wie Wieler, wie Drosten+hier ist nun irrelevant ob Sie Vertrauen in diese haben.Und einen Beleg sind Sie mir schuldig geblieben.

Anita L. vor 5 Wochen

"+...Ich empfand Herrn Kretschmers Reaktion als bewundernswert, die des Herrn Kemmerich nachvollziehbar, die des Herrn Höcke absehbar. ...+ Was haben alle gemeinsam, bevor es entsprechende Reaktionen gab? EINE BELÄSTIGUNG UNABHÄNGIG zu sehen von entsprechender poli. Relevanz bzw. Einstellung der Politiker*in!"

Und an welcher Stelle widersprechen wir uns jetzt? Mal ganz abgesehen, dass ich auch ohne "entsprechende Reaktionen" ein solches Verhalten als Belästigung empfinde, egal gegen welche Person es sich richtet. Sie schreien mir damit sozusagen gerade Eulen ins Gesicht, während ich doch schon in Athen weile, um es sprichwörtlich zu umschreiben.
Ich ordne nicht den Politiker, der belästigt wird, irgendwo ein, sondern die "Besucher" und ihr Anliegen, vergleiche meine obigen Beispiele. Vielleicht wird Ihnen der Unterschied damit etwas deutlicher?
PS: Meinethalben müssen Sie übrigen nicht plötzlich anfangen zu gendern; ich benötige diese Sternchen nicht.