Bundeswehr KSK wird teilweise aufgelöst

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) soll nach einer Serie rechtsextremer Vorfälle grundlegend umstrukturiert werden. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will unter anderem eine Kompanie komplett auflösen. Das KSK insgesamt erhalte eine "Bewährungschance", sagte sie der "Süddutschen Zeitung".

Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) trainieren den Häuserkampf und eine Geiselbefreiung.
In den Reihen des KSK der Bundeswehr stehen offenbar zahlreiche Personen mit rechtextremistischen Einstellungen. Bildrechte: dpa

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr zum Teil auflösen.

Die zweite Kompanie, in denen die jüngsten rechtsextremen Vorfälle stattfanden, werde ersatzlos aufgelöst, sagte die Ministerin der "Süddeutschen Zeitung". Das KSK habe sich "in Teilen verselbstständigt, auch weil es eine toxische Führungskultur einzelner gab – daraus folgt, dass das KSK nicht in seiner jetzigen Verfassung bestehen bleiben kann", sagte sie der Zeitung.

Zuvor hatten auch die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und die "Welt" über die Pläne berichtet. Demnach sind 70 Soldaten von der Auflösung betroffen. Außerdem soll dem KSK auch die Oberhoheit über die Ausbildung genommen werden.

Verschwundene Munition

Im Gespräch mit der "Süddeutschen" kündigte Ministerin Kramp-Karrenbauer darüber hinaus an, dass das KSK bis auf Weiteres nicht mehr an internationalen Übungen und Einsätzen teilnehmen werde. Als "beunruhigend" und "alarmierend" bezeichnete die CDU-Politikerin neueste Erkenntnisse, denen zufolge beim KSK 48.000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff verschwunden seien. Nun müsse dringend geklärt werden, ob nur über Jahre hinweg schlampig Buch geführt worden sei oder ob im großen Stil Kriegsmaterial entwendet wurde.

"Bewährungschance" für KSK

Kommandeur Markus Kreitmayr, der seit 2018 den Verband führt und die Probleme deutlich angesprochen hat, solle das KSK durch den Reformprozess begleiten.

Die Mauer des Schweigens bricht.

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU Bundesverteidigungsministerin

Ende Oktober solle eine erste Bilanz gezogen werden, kündigte Kramp-Karrenbauer an. Es gehe nun um eine "Bewährungschance". Wenn die Angehörigen des KSK "diesen Schuss jetzt nicht gehört haben, wird sich unausweichlich die Frage nach einer Neuordnung des KSK stellen", fügte sie hinzu.

Waffenfund in Sachsen

Auslöser für Kramp-Karrenbauers Einschreiten war unter anderem der Waffenfund auf dem Privatgrundstück eines KSK-Soldaten in Sachsen, der zuvor durch seine rechte Gesinnung aufgefallen war. Die rechtsextremen Vorfälle reichen allerdings schon weiter zurück. Im April 2017 soll etwa bei einer Abschiedsparty für einen KSK-Kommandeur Rechtsrock gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sein. Auch mit Schweineköpfen soll geworfen worden sein.

Im Januar gab der Militärische Abschirmdienst (MAD) bekannt, dass bei der Elitetruppe 20 Soldaten unter Rechtsextremismus-Verdacht stehen. Im Verhältnis zur Truppenstärke war der Anteil zu diesem Zeitpunkt fünf Mal so hoch wie bei der Bundeswehr insgesamt.

Im Mai setzte Kramp-Karrenbauer eine Arbeitsgruppe ein, um ein Konzept zur Unterbindung rechtsextremistischer Tendenzen im KSK zu erarbeiten, über das sie jetzt entschieden hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2020 | 16:00 Uhr