Wenige Tage alte Küken stehen in einem Hähnchenmastbetrieb.
Männliche Küken dürfen auch weiterhin getötet werden. Bildrechte: dpa

Urteil "Kükenschreddern" nur noch übergangsweise erlaubt

Das Töten männlicher Küken kurz nach der Geburt ist umstritten. In Deutschland kann es aber übergangsweise weiter praktiziert werden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig räumte den Brutbetrieben eine Übergangsfrist zur Umstellung auf alternative Verfahren ein.

Wenige Tage alte Küken stehen in einem Hähnchenmastbetrieb.
Männliche Küken dürfen auch weiterhin getötet werden. Bildrechte: dpa

Deutsche Brutbetriebe dürfen männlichen Küken weiterhin kurz nach der Geburt töten - allerdings nur noch übergangsweise. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden.

Die Richter erklärten, die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien an einer Aufzucht von Legehennen seien allein kein vernünftiger Grund für das Töten der männlichen Küken. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die Praxis aber noch rechtmäßig und könne fortgesetzt werden.

Richter: Alternativen gibt es schon

Den Richtern zufolge wurde die Praxis des Kükentötens jahrzehntelang hingenommen. Vor diesem Hintergrund könne von den Brutbetrieben nicht verlangt werden, ihre Betriebsweise sofort umzustellen. Ein Verfahren zur Geschlechtsbstimmung im Ei werde voraussichtlich in Kürze zur Verfügung stehen. Durch das Verfahren sollen männliche Küken gar nicht erst ausgebrütet werden.

Ohne eine Übergangszeit wären die Brutbetriebe gezwungen, zunächst mit hohem Aufwand eine Aufzucht der männlichen Küken zu ermöglichen, um dann voraussichtlich wenig später ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei einzurichten. Die Vermeidung einer solchen doppelten Umstellung sei in Anbetracht der besonderen Umstände ein vernünftiger Grund für die vorübergehende Fortsetzung der bisherigen Praxis.

( BVerwG 3 C 28.16 und 3 C 29.16 )

Klöckner: Alternatives Verfahren bald serienreif

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte nach der Urteilsverkündung, das Massentöten männlicher Küken sollte so schnell wie möglich beendet werden. Ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei sei "auf dem Weg zur Serienreife" und werde den Brütereien "bald flächendeckend" zur Verfügung stehen. Klöckner rief die Unternehmen auf, schnell tätig zu werden. Auch der Deutsche Bauernverband forderte ein Ende des Kükentötens.

Kritik von Opposition und SPD

Grünen-Chef Robert Habeck nannte das Urteil eine "tierschutzpolitische Enttäuschung". Die Linken-Abgeordnete Amira Ali kritisierte das millionenfache Töten wegen ein paar Cent Ersparnis pro Ei als "barbarisch".

SPD-Vertreter bezeichneten es als Armutszeugnis, dass Klöckner noch kein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei festgelegt habe. Auch der Deutsche Tierschutzbund bemängelte, dass das Gericht keine Frist festlegt habe, ab wann die Tötung verboten sein soll.

Millionen Küken werden vergast und geschreddert

In Deutschland werden jährlich Millionen Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, die nicht für die Zucht von Legehennen gebraucht werden und sich auch nicht für die Mast eignen. Die Küken werden in der Regel vergast und geschreddert. Im Jahr 2012 waren 45 Millionen Küken betroffen.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte 2013 den Brütereien das Töten der Küken untersagt. Zwei Betriebe hatten dagegen geklagt und schon in den Vorinstanzen Recht bekommen.

Die Leipziger Richter hatten nun abzuwägen, ob Brutbetrieben die Aufzucht der Tiere wirtschaftlich zuzumuten oder ob das Töten der Küken ethisch vertretbar ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Juni 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 10:57 Uhr

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14 Kommentare

15.06.2019 18:32 Thore 14

@Frank Vorwerg #7
[Lieber Nutzer, das Bundesverwaltungsgericht hat eine Übergangsfrist eingeräumt. Von den Grünen sagte z. B. Christian Hierneis: "Für uns Grüne ist das Töten von männlichen Küken in jeder Beziehung falsch." Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

Wundert mich das jetzt, das sich die MDR-Redaktion wieder vehement für die Grünen in die Bresche schmeißt ?
Laut div. Umfragen soll sich ja ein nicht unerheblicher Wähleranteil in der Medienbranche tummeln !

Was bedeutet das Zitat des Hr. Hierneis ?
Genau.....nichts, wie so vieles von den Vertretern dieser Partei !
Und jetzt bitte nicht das Totschlagargument, die Grünen wären nicht in der Regierung......sie waren es aber 98-05.....da hätten sie es unterbinden können !

14.06.2019 08:50 Carolus Nappus 13

@Colditzer: ich muss da unwillkürlich dran denken, dass man da in Deutschland mal nicht das Rad neu erfinden musste, sondern es macht, wie in anderen Ländern weltweit.
@part: genau das passiert mit der Masse. Natürlich laufen die nicht selber zum Kunden, sondern werden schön in handliche Brocken tiefgefroren dorthin gefahren.

Wenn es dann mal eine sichere Methode gibt, mit der schon vor dem Ausbrüten aussortiert werden kann, werden die Brütereien die Letzten sein, die sich dagegen verwehren. Spart ja sicher Kosten, wenn die gar nicht erst ausgebrütet und wieder zerschreddert werden müssen.

13.06.2019 23:16 part 12

Alle Zoos bundes- und europaweit würden sich freuen über das Lebendfutter für ihre Fleisch- und Allesfresser...wenn da nicht die Transportkosten wären...

13.06.2019 20:19 heribert54 11

@4 Gabriele Meier,
Sie finden es also eine Sauerei, dass Männer nicht getötet werden? Oder wie will man Ihren Kommentar verstehen?

13.06.2019 19:51 Atheist aus Mangel an Beweisen 10

Meine Güte ich verstehe die Aufregung nicht, das Schwein wird doch auch fürs Schnitzel geschlachtet.
Die Toten Kücken dienen doch noch als Futter für Greifvögel, fressen und gefressen werden so ist nun mal die Natur.
Und nur weil ein Kücken für uns Menschen was niedliches hat bekommt es Schutz Rind und Schwein aber nicht.
Alberne Diskussion!
10 Milliarden Menschen wollen ernährt sein oder können sich dann nur Hollywoodstars die Wahlempfehlungen geben sich ein Frühstücksei leisten?

13.06.2019 19:41 colditzer 9

Schreiben wir wie es ist,
es nennt sich auch " Kückenvergasung"!
Lt. der Kirche ist Tier oder Mensch ein Geschöpf Gottes.
Dieses kleine Gottesgeschöpf macht die Augen auf,
schaut freundlich den Menschen an und der,
eine Handbewegung, ab ins Gas!
In Deutschland!
Woran muß man da unwillkürlich denken?

13.06.2019 16:07 Auf der Sonnenseite des Lebens 8

angebraten und einen kleinen Dipp dazu hat man ein Küken to go.

Wo ist das Problem die als Nahrungsmittel zu verkaufen?

13.06.2019 14:59 Frank Vorwerg 7

Zirkustiere verbieten, Wölfe töten wollen, Hähnchenküken schreddern, Insekten und Vögel in Freiluftgroßraumschredderanlagen erledigen, die nennt man verharmlosend 'Windparks', und die machtgeilen Grünen machen mit, was haben wir doch für 1a Natur- und Tierschützer, bei den fehlende Abschlüssen derselben eigentlich klar.

[Lieber Nutzer, das Bundesverwaltungsgericht hat eine Übergangsfrist eingeräumt. Von den Grünen sagte z. B. Christian Hierneis: "Für uns Grüne ist das Töten von männlichen Küken in jeder Beziehung falsch." Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

13.06.2019 13:31 Atze 6

Wie viel Millionen Küken müssen noch dran glauben?
Die Produktion und derartige Massentierhaltung muss verboten werden. Es wird viel zu viel produziert und deshalb wird auch millionenfach getötet.

13.06.2019 13:18 Jenaer 5

Wirtschaftliche Interessen, und seien sie noch so gut begründbar, dürfen nicht das sinnlose Töten von Tieren rechtfertigen. Dies, davon bin ich zutiefst überzeugt, sollte auch die Meinung vom überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung sein. Der Souverän hat der deutschen Justiz nicht die Macht übertragen, damit diese vor der Wirtschaft einknickt.