KI-Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
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Ende Oktober hat die Bundestags-Enquete-Kommission "Künstliche Intelligenz" nach mehr als zwei Jahren Arbeit einen fast 800-seitigen Bericht vorgelegt. Ein großes Kapitel darin beschäftigt sich mit KI und Gesundheit. Was steht drin?

Roboterhand, Hologramm eines Gehirns und Laptop
Künstliche Intelligenz kann in der Medizin von großem Nutzen sein. Bildrechte: imago images/Alexander Limbach

Was ist Künstliche Intelligenz? Auf diese Frage haben Bundestag und Forschung keine zufriedenstellende Antwort. Schließlich lässt sich schon Intelligenz schwer definieren. Trotzdem können Methoden wie neuronale Netze, Mustererkennung oder automatische Entscheidungsfindung – die oft mit Künstlicher Intelligenz gemeint sind – auch unser Gesundheitswesen beeinflussen. Und zwar positiv, sagt Tino Sorge.

KI könnte Behandlungen verbessern

Der CDU-Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordnete aus Magdeburg will "chancengetrieben" über KI sprechen. Unter anderem "können Patienten dadurch besser behandelt werden, weil wir viele Daten nutzen können." Als Beispiel nennt er die Radiologie:

Man kann [mithilfe von Künstlicher Intelligenz] viel schneller sehen, ob ein Tumor bösartig oder gutartig ist, weil man Hunderttausende von vergleichbaren Aufnahmen auswerten kann.

Tino Sorge, CDU-Gesundheitsexperte

KI müsse am konkreten Beispiel diskutiert werden, sagt Sorge, der auch Mitglied der KI-Enquete-Kommission war. In ihrem Abschlussbericht gibt die Kommission zehn Empfehlungen und fordert zum Beispiel, dass jeder Beschäftigte im Gesundheitswesen eine Digitalisierungs- und KI-Kompetenz haben müsse und dass Patienten ihre Daten freiwillig teilen und das auch widerrufen können.

Krankenhäuser sollten mehr in IT investieren

Eine der etwas versteckten Empfehlungen an die Bundesregierung ist: Vier Prozent der Gesamtausgaben in Krankenhäusern sollen in IT investiert werden. Jährlich fehlten dafür bislang 2,5 Milliarden Euro. Einmalig vier Milliarden Euro stehen ihnen 2021 aus dem Krankenhaus-Zukunfts-Gesetz zu. 30 Prozent davon kommt von den Ländern.

Petra Sitte, Linken-Bundestagsabgeordnete aus Halle und auch Mitglieder der KI-Kommission, sagt, das könne nur eine Anschubfinanzierung sein. "Schon bei mehreren Krankenhäusern ist das gesamte Datennetz gehackt worden." Eine Wissenschaftsorganisation habe nach so einem Angriff mehr als zehn Prozent ihres Gesamtbudgets aufwenden müssen, um das Netz wiederherzustellen. "Deshalb ist es tatsächlich richtig, dass man dazu eine Anschubfinanzierung macht", sagt Sitte.

Auch die mitteldeutschen Krankenhausgesellschaften begrüßen die Vier-Prozent-Idee der KI-Kommission und sehen die vier Milliarden Euro als guten Anfang. Für Sachsen-Anhalts Krankenhäuser bedeute das zum Beispiel einen Digitalisierungsschub in Höhe von 118 Millionen Euro.

IT-Investitionen dürfen nicht auf Kosten anderer Bereiche gehen

Alle drei mitteldeutschen Krankenhausgesellschaften sorgen sich aber auch, dass die einzelnen Bundesländer die Kofinanzierung nicht übernehmen. Die Krankenhausgesellschaft Thüringen schreibt auf Anfrage von MDR AKTUELL: "In Thüringen reden wir über rund 80 Millionen Euro Bundeszuschuss und 34 Millionen Euro Kofinanzierung durch das Land. Hier hat Thüringen bislang keine Gelder in den Landeshaushalt 2021 eingestellt, obwohl wir zahlreiche Gespräche mit dem Gesundheitsministerium geführt haben."

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen weist darauf hin, dass die Länder seit Jahren nicht genug in die Krankenhäuser investierten. Deshalb dürfte die Vier-Prozent-Idee keinesfalls zulasten anderer Investitionen gehen.

Zwei Männer in einem futuristischem OP-Saal mit Monitoren 7 min
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Im Operationssal der Zukunft operieren Roboter überwacht von Menschen. Das Leipziger Forschungsinstitut ICCAS zeigt, wie so etwas aussieht.

Fr 01.03.2019 10:55Uhr 06:38 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/op-saal-der-zukunft-102.html

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Dezember 2020 | 12:21 Uhr

1 Kommentar

Freies Moria vor 4 Wochen

"Die Software war schuld" ist die ganz große Gefahr bei KI. Mal abgesehen davon, ist KI immer nur so gut, wie die Daten die drin sind. Wenn was neues kommt, ist der Mensch deutlich besser in der Lösungsfindung, denn die "KI" ist nicht intelligent sondern nur ein unheimlich schneller Abgleich mit allen vorliegenden Daten.