Kultusminister Jeder Schüler soll vor Sommerferien in Schule zurück

Küchentisch statt Klassenzimmer: So sah für viele Kinder und Jugendliche der Lernalltag in den vergangenen Wochen aus. Nach und nach sollen nun immer mehr von ihnen in die Schulen zurückkehren. Vor den Sommerferien soll es nach einem Konzept der Kultusministerkonferenz jedoch keinen regulären Schulbetrieb mehr geben.

Ein Schüler und eine Schülerin sitzen jeweils an einer Schulbank. Zwischen ihnen ist viel Platz. Dahinter steht ihre Lhrerin. Alle drei tragen Schutzmasken, die ihnen das Kultusminsiterium Sachsen für die Wiederuafnahme des Unterrichts am 22.4.2020 zur GVerfügung gestellt hat. Die Schülerin heißt Sellina und der Schüler Pascal. Die Lehrerin ist stellvertretende Schulleiterin der treibischtalschule Meißen, Andrea Lommatzsch.
Bestimmte Gruppen, so etwa Abiturienten, durften bereits wieder in die Schulen zurückkehren. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Trotz Corona-Beschränkungen sollen alle Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise in die Schulen zurückkehren können. Das schlagen die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel in einem Konzept vor.

Der Schulbesuch solle zumindest tage- oder wochenweise möglich werden, sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig, nach Beratungen am Dienstag in Mainz. Die Kultusminister der Länder hätten sich darauf geeinigt, dass beide Lernformen – digitaler und Präsenzunterricht – eng miteinander verzahnt werden sollten. Dazu seien konkrete Empfehlungen in den einzelnen Ländern geplant.

Kein regulärer Schulbetrieb

Stefanie Hubig
Stefanie Hubig, Bildungsministerin Rheinland-Pfalz, hat das Rahmenkonzept der Kultusministerkonferenz am Dienstag vorgestellt. Bildrechte: dpa

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Hubig schloss zugleich eine rasche Rückkehr zur Normalität im Schulbetrieb aus. Die KMK sei sich einig, dass vor den Sommerferien kein regulärer Unterricht für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland stattfinden könne. Regulärer Unterricht sei nach jetzigem Stand wegen des geltenden Abstandsgebots von mindestens 1,50 Meter nicht möglich.

Wie Hubig weiter mitteilte, sollen Angehörige von Risikogruppen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Das gelte für Schüler ebenso wie Lehrer. Betont wurde auch, dass Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf mit digitaler Technik ausgestattet werden sollten.

Regierungschefs und Kanzlerin beraten am Donnerstag

"Wir haben unseren Auftrag jetzt erfüllt", sagte die SPD-Politikerin Hubig mit Blick auf ein gemeinsames Rahmenkonzept der Kultusminister für die Wiederaufnahme des Unterrichts. Die Vorschläge sollen nun den Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Merkel unterbreitet werden.

Abiturienten am Gymnasium Dresden Klotzsche sitzen während der Konsultationen in einem Klassenzimmer.
Angehende Abiturienten am Gymnasium Dresden Klotzsche dürfen seit der vergangenen Woche mit Sicherheitsabstand zurück ins Klassenzimmer. Bildrechte: dpa

Für weitere Schritte der Schulöffnung werde maßgeblich sein, wie sich das Infektionsgeschehen entwickeln werde, sagte Hubig. Alle Länder hätten Hygienepläne für die Schulen aufgestellt, die klärten, wie es mit Pausen, dem Schulbusverkehr und dem Umgang mit kleineren Gruppen weitergehen kann.

Am Donnerstag will Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten erneut über die Corona-Krise beraten.

Appell an Kultusminister: Sicherheit hat Vorrang

Angesichts der Vorschläge der Kultusminister haben Bildungsverbände "Sicherheit und Sorgfalt vor Schnelligkeit" angemahnt. Es dürfe keinen Wettbewerb geben, wer zuerst öffnet, appellierten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Verband Bildung und Erziehung sowie der Bundeselternrat.

Vor Ort müsse eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden. Vor der Öffnung müssten Gesundheitsschutz, Pädagogik und Organisation des Schulwegs abgestimmt werden, hieß es in dem gemeinsamen Appell.

Abschlussklassen vielerorts schon in Schulen

Schon in der vergangenen Woche waren nach und nach etwa in der Hälfte der Bundesländer wieder erste Schüler an die Schulen zurückgekehrt. Seit dem 20. April kehren in Sachsen die Schüler und Schülerinnen der Abschlussklassen an ihre Schulen zurück. Deren Prüfungen sollen auch stattfinden und die Abschlüsse anerkannt werden. Thüringen hat am Montag (27. April) nachgezogen und Sachsen-Anhalt will seine Schulen am Donnerstag (30. April) wieder für Abschlussjahrgänge öffnen. Die Planungen der meisten Bundesländer sehen eine weitere teilweise Schulöffnung ab 4. Mai vor.

Fahrplan für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen:

Sachsen

  • ab 6. Mai: Schüler aller Vorabschlussklassen der Gymnasien, Berufsbildenden Schulen, Oberschulen und Förderschulen sollen wieder ihre Schulen besuchen.
  • ab 6. Mai: Ebenfalls geöffnet werden sollen die 4. Klassen an Grund- und Förderschulen.
  • In weiteren Schritten sollen bis zum Schuljahresende alle Schüler die Möglichkeit bekommen, zumindest zeitweise am Unterricht in der Schule teilzunehmen. Diese Phase könnte nach weiteren Absprachen mit Bund und Ländern möglicherweise am 24. Mai starten.

Sachsen-Anhalt

  • ab 4. Mai: Viertklässler und Jugendliche, die im kommenden Schuljahr ihren Abschluss machen, sollen wieder regelmäßig in die Schulen gehen.
  • ab 6. Mai: Jahrgangsstufen, die 2022 das Abitur an Gymnasien, Gesamt- und Gemeinschaftsschulen ablegen, sollen regelmäßig in den Schulen präsent sein.
  • ebenfalls ab 6. Mai: Jeden Tag soll eine andere Klassenstufe in die Schulen kommen. Die Schüler sollen aufgeteilt in kleine Gruppen unterrichtet werden.

Thüringen

  • ab 4. Mai: Beginn des Präsenzunterrichts für Abschlussklassen (mit dem Ziel Hauptschulabschluss und Qualifizierender Hauptschulabschluss, Realschulabschuss, Besondere Leistungsfeststellung und Abschlüsse an Berufsbildenden Schulen)
  • ab 7. Mai: Beginn Präsenzunterricht für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen mit besonderem Unterstützungsbedarf.
  • ab 11. Mai: Viertklässler sollen in die Schulen zurückkehren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2020 | 14:30 Uhr

Zurück zur Startseite