Entscheidung der Landesregierung Landesuntersuchungsanstalt soll nach Bischofswerda umziehen

Die Präsidentin der sächsischen Landesuntersuchungsanstalt, Gerlinde Schneider, sorgt sich um die Arbeitsfähigkeit ihrer Behörde. Grund ist die Entscheidung der Landesregierung, den Dresdner Standort bis 2026 nach Bischofswerda zu verlegen. Die Behörde arbeitet für den öffentlichen Gesundheitsdienst. In ihren Laboren testet sie Lebensmittel, aber auch Proben von Menschen und Tieren, aktuell zum Beispiel auf Corona oder Schweinepest.

Der Marktplatz von Bischofswerd
Bischofswerda soll 2026 neuer Standort der LUA werden. Bildrechte: dpa

Etwa 50 Autominuten östlich von Dresden liegt Bischofswerda. Dorthin soll bis 2026 der Dresdner Teil der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) ziehen, der Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen.

Offener Brief an Ministerpräsident Kretschmer

Das sorgt bei den rund 260 betroffenen Beschäftigten für Unmut. Sie kritisierten im August in einem offenen Brief die Entscheidungsfindung. Darin heißt es: "Am 28.07. mussten wir dann aus der Sächsischen Zeitung erfahren, dass die Standortwahl scheinbar seit längerem, insbesondere in Bischofswerda bekannt war und durch Sie, Herr Ministerpräsident Kretschmer, forciert wurde, um vor allem den ländlichen Raum zu stärken."

War die Entscheidung für Bischofswerda womöglich politisch motiviert? Dazu sagt Holm Große, parteiloser Oberbürgermeister von Bischofswerda: "Nein, definitiv nicht. Es hat einen ganz klaren Standortwettbewerb gegeben. Mit Kriterien, die vom Sozialministerium von vornherein vorgegeben waren."

Sozialministerium ursprünglich gegen Bischofswerda

Große beteuert, für die Entwicklung der LUA sei Bischofswerda der bestmögliche Standort. Sozialministerin Petra Köpping von der SPD selbst allerdings war ursprünglich dagegen. Auf Wunsch ihres Hauses seien zuletzt Grundstücke in Dresden überprüft worden, heißt es in dessen Mail an MDR AKTUELL. "Vom Finanzministerium und dem Ministerpräsidenten kam die dringende Empfehlung für den Standort Bischofswerda, da die Bebauung in Dresden deutlich länger dauern und wesentlich teurer werden würde. Wir haben lange innerhalb der Hausspitze und mit dem LUA-Personalrat beraten. Eine weitere Verzögerung wäre nicht zu verantworten."

LUA-Präsidentin sorgt sich um Arbeitsfähigkeit der Behörde

Die Liegenschaften der aktuellen beiden Dresdner Standorte würden nicht lang genug halten, das hört auch LUA-Präsidentin Gerlinde Schneider oft. Aber: "Wir von der LUA-Leitung, wir glauben das nicht. Also wir haben bisher keine Defizite, keine Ausfälle. Wir haben stetige Ertüchtigungen gehabt."

Schneider sorgt sich um die Arbeitsfähigkeit ihrer Behörde. Dort sind zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte, Biologinnen oder Chemielaboranten beschäftigt. "Dieses Fachpersonal wird nicht nach Bischofswerda umziehen. Ganz aus dem einfachen Grund, weil es ausreichend konkurrierende Arbeitgeber in der Stadt Dresden gibt."

Auch sei der Transportweg für Proben in Bischofswerda zu weit. Oberbürgermeister Große hingegen wirbt gerade auch mit der Anbindung zur A4. Oder zum ÖPNV. "Es wird also, und dafür werden wir sorgen, für die LUA und für das gesamte Gewerbe- und Industriegebiet eine zusätzliche städtische Buslinie geben. Das habe ich bereits mit dem Landkreis und auch mit dem zuständigen Busunternehmen abgestimmt."

Davon profitierten sowohl Bischofswerda als auch die LUA-Belegschaft. Die lädt Große ein, sich die Stadt erstmal anzusehen. Er freut sich auf den Umzug.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. November 2020 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Thueringer vor 7 Wochen

Behördenumzug von der Landeshauptstadt in die „Provinz“? Das geht doch wohl gar nicht! Wie Regierungsbeamte ihre Privilegien mit Klauen und Zähnen verteidigen, hat doch der immer noch nicht abgeschlossene Umzug von Bonn nach Berlin eindrucksvoll gezeigt, da werden weder Kosten noch Mühe noch vorgeschobene Schein- und Verschleierungsargumente (s. Frau Schneider) gescheut. Aber war der Beamtenstatus u. a. nicht auch deshalb mal geschaffen worden, Beschäftigte an Einsatzorte, wo sie dringend gebraucht werden, versetzen zu können???

Fachpersonal1 vor 7 Wochen

Ich finde, dass der Einsatz vonder Präsidentin Frau Gerlinde Schneider beispielslos ist. Ihr Einsatz für ihre Mitarbeiter verdient den größen Respekt, im Gegensatz zum einknicken der Sozialministerin Köpping, welche bereits einknickte.
Es ist natürlich schön, ein neues Gebäude in Bischofwerda zu bekommen, was jedoch ein Neubau im ländlichen Raum für Auswirkungen haben kann, ist in Thüringen zu besichtigen, aber unser Finanzministerium und unser Ministerpräaiden haben sich ja sicher was dabei gedacht.

Altchemnitzer vor 7 Wochen

Ich finde das gut und Richtig und plädiere dafür noch mehr landeseigene Behörden aus DD, L und C abzuziehen und in die Regionen zu verlagern. Das wäre nicht nur Kosteneffizienter, sondern würde den ländlichen Raum massiv stärken. Danke an Herr Kretschmer und weiter so!!!