Griechenland Laschet bricht Besuch im Flüchtlingslager Moria ab

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat aus Sicherheitsgründen einen Besuch im griechischen Flüchtlingslager Moria abgebrochen. Der örtliche Sicherheitschef hatte zu diesem Schritt geraten. Moria ist das größte Flüchtlingslager Europas.

Armin Laschet (vorn l., CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, besucht das Flüchtlingslager Moria.
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, besucht das Flüchtlingslager Moria. Bildrechte: dpa

Laschet sprach im Anschluss an seinen Besuch von einem "Aufschrei der Verzweifelten". In dem überfüllten Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hatten sich Gruppen von Geflüchteten versammelt und "Free Moria" gerufen. Daraufhin riet der örtliche Sicherheitschefs aus Sicherheitsgründen zu einem Abbruch des Besuchs.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Bewohner des Flüchtlingslagers hätten den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten für den "Prime Minister of Germany" gehalten. Laschet selbst zeigte Verständnis für die Flüchtlinge:

Die Menschen sehen, da sind Politiker aus Europa, und sie wollen ihren Aufschrei uns gegenüber formulieren.

Armin Laschet NRW-Ministerpräsident

Der Besuch in Moria habe "eindrucksvoll gezeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist", sagte Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), der Laschet begleitet hatte, der Zeitung "Welt". Während das Kern-Flüchtlingslager "gut gemanagt" sei, sei die Situation im irregulären Teil "überwiegend erbärmlich". Für die Europäische Union könne es "nicht hinnehmbar sein, dass hier ohne NGOs die Versorgung zusammenbrechen würde".

Laschet fordert EU zum Handeln auf

Laschet betonte, die Europäische Union müsse jetzt wach werden. Sie dürfe die griechische Regierung, die Bewohner und die Behörden auf Lesbos nicht allein lassen. Auch NRW wolle seinen Beitrag leisten und besonders betroffene Kinder und deren enge Angehörigen ins Bundesland holen.

Laschet sagte, Deutschland sei sehr mit der Corona-Pandemie beschäftigt. In den Flüchtlingslagern habe die Pandemie aber noch eine ganz andere Bedeutung. Die Menschen könnten die Camps nur sehr eingeschränkt verlassen.

Laschet will sich im Dezember um den CDU-Bundesvorsitz bewerben und gilt damit auch als möglicher Kanzlerkandidat. Der CDU-Politiker war am Montag vom griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis zu Gesprächen empfangen worden. Dabei hatte er sich im Namen der Bundesregierung für eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise in Griechenland eingesetzt.

Restlos überfülltes Camp

Das 2015 auf einer früheren Militäranlage errichtet Aufnahmezentrum Moria war ursprünglich für rund 3.000 Menschen gedacht. Derzeit leben dort mehr als 14.000 Geflüchtete. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Zustände in den überfüllten griechischen Flüchtlingslagern seit Langem als katastrophal. Moria ist das größte Flüchtlingslager Europas.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. August 2020 | 13:30 Uhr

24 Kommentare

530836395 vor 7 Wochen

@Wahrsager: Anstatt nur dumme Phrasen zu dreschen – Werden Sie endlich aktiv und unterstützen Sie Ihre Willkommenen mit Bürgschaften aus Ihrer Tasche! Zusätzlich bieten sich Patenschaften für Sie bspw. über NesT an.

jochen1 vor 8 Wochen

Gehört es eigentlich zu Laschets Aufgaben als MP- sich um fremde Asylforderer in Griechenland zu kümmern ?
Auch der Flug dorthin kostet völlig sinnlos unser Steuergeld

Wessi vor 8 Wochen

@ sh. ...um Integrationsprobleme geht es in diesem Beitrag ersteinmal nicht.Auch nicht um Herrn Kurz, den ich nicht wählen würde."Unbegrenzt"? Habe ich das jemals behauptet?Allerdings hat die EU materiell+gebietsmäßig noch reichlichst Möglichkeiten Schutzsuchende aufzunehmen.Wer asylberechtigt ist MUß m.E. aufgenommen werden.Das hat unser Land nun einmal unterschrieben.