Reaktionen Opposition sieht CDU weiter vor Zerreißprobe

Die Wahl von Armin Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden hat in der eigenen Partei und bei der politischen Konkurrenz erwartungsgemäß unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. In der Union überwogen Glückwünsche und Aufrufe zur Geschlossenheit. Insbesondere AfD und Linke kritisierten Laschet und seine Wahl jedoch prompt.

Friedrich Merz und Armin Laschet
Zwischen ihnen entschied sich die Stichwahl: Friedrich Merz und Armin Laschet. Bildrechte: dpa

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker der unterschiedlichen Parteien haben Armin Laschet zur Wahl als neuem CDU-Chef gratuliert. So ließ etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer Partei via Twitter ausrichten: "Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zu Deiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit."

Auch CSU-Chef Markus Söder übersendete Glückwünsche. Er schrieb: "Gemeinsam werden wir die Erfolgsgeschichte der Union fortschreiben."

Laschets Vorgängerin Annegret Kramp-Karrebauer rief die Partei zu Geschlossenheit auf: "Und jetzt alle zusammen für unsere Union und unser Land." Ähnlich äußerten sich viele andere Vertreter der CDU. Der Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann, der sich vorab für Merz ausgesprochen hatte, sagte bei Phoenix, dass es nun wichtig sei, die Lager in der CDU zusammenzuführen. "Das geht nicht von heute auf morgen", betonte Linnemann. Merz sei "Kandidat der Basis" gewesen.

SPD: Streit beenden

Glückwünsche für Laschet kamen auch vom Koalitionspartner SPD. Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wünschte Laschet ein "glückliches Händchen". SPD-Chefin Saskia Esken teilte mit, dass vor Laschet die große Aufgabe liege, die CDU zusammenzuführen. "In der Koalition steht mit der Bewältigung von Corona eine Herausforderung an, die keinen weiteren innerparteilichen Wettbewerb der Konservativen verträgt."

Ein besonders großes Lob kam von Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel. Er twitterte: "Gewinner des Parteitages ist die CDU: absolut professionelles Image, gelungene digitale Organisation & drei politische Schwergewichte zur Auswahl: Da kann man nur gratulieren." Als Sozialdemokrat wisse er jedoch: "Jetzt kommt die schwierigste Aufgabe: bei Gegenwind zusammenhalten."

FDP: Zerreißprobe verhindern

Wünsche für eine gute Zusammenarbeit äußerte die FDP. Parteichef Lindner twitterte: "Auf so gute Zusammenarbeit und so sportlichen Wettbewerb als Bundesvorsitzende wie wir beides als NRW-Landesvorsitzende früher schon hatten." Michael Theurer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Partei im Bundestag, erklärte, Laschet müsse nun "bei der Kanzlerkandidatur zugreifen und eine innerparteiliche Zerreißprobe durch einen Kanzlerkandidaten Söder verhindern."

Grüne: Neu definieren

Auch die Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck beglückwünschten Laschet – und forderten ihn auf, den Kurs der CDU zu klären: "Armin Laschet steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, die CDU nach der Ära Merkel neu zu definieren" und "zu klären, wofür sie inhaltlich eigentlich antritt".

AfD: Chance vertan

Kritischere Töne kamen aus den beiden übrigen Oppositionsparteien. Alice Weidel, AfD-Fraktionschefin im Bundestag, twitterte: "Wer schwarz wählt, bekommt grün." Die Chance, das Ruder herumzureißen, sei endgültig vertan worden. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla teilte mit: "Mit Armin Laschet nimmt die CDU Kurs auf eine Koalition mit den Grünen. Damit ist die AfD endgültig die einzig verbliebene liberal-konservative Kraft in Deutschland."

Linke: Noch kein Kanzlerkandidat

Linken-Chefin Katja Kipping erklärte per Tweet: "Mit Laschet hat die CDU nun einen neuen Parteivorsitzenden, aber noch lange keinen Kanzlerkandidaten. Egal, wer dann das Rennen um CDU-Kanzlerkandidatur gewinnt, die CDU wird nicht bereit sein, die Weichen so stellen, dass wir gerecht aus der Krise kommen." Der Fraktionschef der Partei im Bundestag, Dietmar Bartsch, befand es als gut, "dass sich eine Verwässerung nach rechts in der Union nicht durchgesetzt hat".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2021 | 14:00 Uhr