Rechtsextremismus Situation der Sorben hat sich entspannt

Im Herbst 2014 griffen in der Lausitz in Ostsachsen teils vermummte Rechtsextreme auf mehreren Partys sorbische Jugendliche an. Die Gewalt richtete sich damals gezielt gegen die Minderheit der 40.000 in Sachsen lebenden Sorbinnen und Sorben. Mittlerweile habe sich die Situation entspannt, sagen auch Vertreter der Domowina – die Polizei gehe bei Vorfällen nun sensibler vor.

Junge Sorben in Tracht
Christliche Feiern, bei denen die Sorben ihr traditionelles Brauchtum pflegen, gehören in Ostsachsen zu den Highlights des kulturellen Lebens. Bildrechte: MDR/Matej Zieschwauck

Mittagsruhe in Bautzen. Überall in der Stadt stehen die Straßenschilder doppelt: einmal auf Deutsch, einmal auf Sorbisch. Auch am Postplatz, wo Dawid Statnik arbeitet. Statnik ist Vorsitzender der Domowina, des Bundes Lausitzer Sorben. In der Allgemeinheit seien die als fester Teil der Gesellschaft anerkannt, betont er.

Straßenschild Postplatz Bautzen Sorbisch
Zweisprachiges Straßenschild in Bautzen. Bildrechte: Christine Reißing/MDR

Dennoch habe die Lausitz ein Problem mit einem recht starken Rechtsradikalismus: "Gerade in Bautzen sieht man das an unterschiedlichen Schmierereien. Man sieht das an unterschiedlichen Gruppierungen, die hier auch präsent sind, die auch vor Ort sind. Das sieht man auch an den politischen Ergebnissen, leider Gottes." Statnik denkt, dass das auch immer wieder zu Konflikten führe.

Statistik: Kaum Übergriffe

Auf MDR-AKTUELL-Anfrage teilt das Landeskriminalamt zu Übergriffen auf Sorben mit: 2020 und 2019 gab es je zwei, 2018 zehn, 2017 eine Straftat. Dabei geht es um Volksverhetzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Dawid Statnik
Dawid Statnik Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Die Anzahl scheint gering. Gerade Jugendliche zeigten mögliche Straftaten aber nicht an, aus Angst oder Scham, vermutet Dawid Statntik vom Domowina-Verband. In dem Alter kämen die meisten Übergriffe auf sorbische Menschen vor. Auch er habe früher rennen müssen, um nicht verprügelt zu werden.

Die aktuelle Situation ist Statnik zufolge sicherlich nicht vergleichbar mit den Übergriffen von 2014. Allerdings: "Die Dunkelziffer, der Alltagsrassismus ist damit nicht gemeint. Die Statistik spiegelt ja wirklich nur die Straftaten wider."

Zu wenige Anzeigen?

Rico Gebhardt hört nach eigener Aussage oft von Überfällen. So erzählt es der Chef der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Er sagt: "Da kommen viel zu wenig Sachen zur Anzeige. Ich glaube auch, dass die Sensibilisierung seitens der Polizei dort fehlt" – die Sensibilität, dass die Opfer der Übergriffe zwar Deutsche seien, sie aber dennoch einer Minderheit angehörten, die schon allein wegen ihrer Sprache diskriminiert werde.

Statnik hingegen, der auch für die CDU im Kreistag sitzt, lobte die Polizei schon im Februar: Sie sei in den letzten Jahren sensibler geworden. Damals gab es einen antisorbischen Überfall in einer Disco.

Auch die AfD lobt die Arbeit der Polizei. Doreen Schwietzer, sorbenpolitische Sprecherin der Partei, sagt, dass man am Rückgang der Angriffe auf Sorben sehe, dass die Polizei "eine gute Arbeit macht". Präventionsarbeit und "Aufklärung über die Kultur der Sorben" seien wichtig, um einem erneuten Ansteigen von Übergriffen entgegen zu wirken.

Kulturförderung als Lösung

Bei Aloysius Mikwauschk – einem der beiden sorbischen Landtagsabgeordneten, beide CDU – klingt das ähnlich: "Natürlich kann man sich immer wünschen, es sollte noch mehr sein. Aber die Straftat im Frühjahr diesen Jahres, wo der Täter ermittelt wurde, zeigt ja, dass die Polizei auch die Sensibilität hat."

Das CDU-geführte Kulturministerium will die Akzeptanz sorbischer Sprache und Kultur dennoch fördern, etwa über eine Imagekampagne. Grüne und SPD verweisen zudem auf ein Gesamtkonzept gegen Rechtsextremismus, das die schwarz-grün-rote Koalition diese Woche im Landtag einbringen will.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Juli 2020 | 05:00 Uhr

14 Kommentare

ralf meier vor 13 Wochen

@Hallo bernd_wb: ich vermute mal, mein Beitrag ist ncht so angekommen, wie er gemeint war. Daran habe ich wohl einen gewissen Anteil. Sie haben Recht, er ging auch zumindest teilweise am Thema des Artikels vorbei. Vielleicht konnte meine Rückmeldung an das MDR Team das eine der andere Missverständnis klären.

mfg ralf meier

aus Elbflorenz vor 13 Wochen

Früher waren die Wenden "ein nicht Deutsch redender Volksstamm Deutschlands" (1848) oder ein "fremdsprachiger Volksteile des Reiches" (1919), dessen Entwicklung gewährleistet wurde (1848) bzw. nicht beeinträchtigt werden durfte (1919).

Der Matthias vor 13 Wochen

@ ralf meier

"Wenn man die Ideologie der politisch Korrekten unter uns ernst nimmt , dann deutet meiner Meinung nach einiges darauf hin, das es sich bei den Serben um Rechtsextremisten handeln könnte, die ..."

Absoluter Unsinn, was Sie konstruieren!
Wer soll so etwas hier oder anderswo ernsthaft behauptet haben? Nach Ihrer kruden 'Logik': Und weil die Sorben angeblich 'Rechtsextreme' seien (jedenfalls angeblich aus Sicht der "Anhänger der politisch korrekten Ideologie" - wer immer das auch sein soll -, wie Sie Letzteren böswillig unterstellen), sahen sich die Sorben in der Vergangenheit den Angriffen von (ausgerechnet!) Rechtsextremisten ausgesetzt (siehe Thema des Artikels!)? Wo soll denn da auch nur ansatzweise die argumentative Logik sein? Genau umgekehrt wird ein Schuh draus: Die sorbische Sprache und Kultur ist eine wunderbares Plädoyer und auch eine glänzende Visitenkarte für die hierzulande existierende, ganz bewusst gelebte kulturelle Vielfalt u. Diversität!