Lehrling an einer Drehmaschine
Azubis in der Metallbranche bekommen bereits ab erstem Lehrjahr mehr als 1.000 Euro. Bildrechte: IFA ROTORION

Hans-Böckler-Stiftung Große Unterschiede bei Azubi-Vergütung

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kritisiert große Unterschiede bei der tariflichen Vergütung von Auszubildenden. Regional sowie zwischen den Branchen gebe es ein Gefälle teils von bis zu 300 Euro. Im Osten werden demnach deutlich geringere Lehrlingsgehälter gezahlt.

Lehrling an einer Drehmaschine
Azubis in der Metallbranche bekommen bereits ab erstem Lehrjahr mehr als 1.000 Euro. Bildrechte: IFA ROTORION

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres hat die Hans-Böckler-Stiftung auf große regionale Unterschiede bei der tariflichen Vergütung von Lehrlingen hingewiesen. Demnach erhalten Azubis im Osten Deutschlands teils deutlich weniger Geld als Lehrlinge der gleichen Branche im Westen.

Den Angaben zufolge müssen sich beispielsweise Auszubildende in thüringischen Kfz-Werkstätten im ersten Lehrjahr mit 610 Euro begnügen. In Baden-Württemberg liegt der Tarifsatz dagegen bei 819 Euro. In Brandenburg gibt es im dritten Lehrjahr nur 660 Euro, 300 Euro weniger als in Baden-Württemberg, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Stiftung mitteilte.

Große Unterschiede am Bau und im Einzelhandel

Azubis im Bauhauptgewerbe bekommen im dritten Lehrjahr im Westen 1.475 Euro, im Osten nur 1.190 Euro. Bei Hotels und Gaststätten liegt der Tiefstwert in Sachsen-Anhalt bei 750 Euro, der Spitzenwert in Hessen bei 1.000 Euro. Im Einzelhandel sind es 810 Euro in Mecklenburg-Vorpommern und 1.020 Euro in Hamburg.

Ein erhebliches West-Ost-Gefälle gibt es demnach in der Hotel- und Gaststättenbranche, bei Fleischern, Maurern und Betonbauern, Bürofachkräften, in der Forstwirtschaft oder etwa bei Buchhändlern. In vielen anderen Branchen sind hingegen die Differenzen gering oder die Vergütung ist angeglichen.

Metallbranche zahlt am besten

Im Branchenvergleich schneiden Auszubildende in der Metall- und Elektroindustrie bundesweit am besten ab, mit bereits mehr als 1.000 Euro im ersten Lehrjahr. Das absolut höchste Lehrlingsgehalt gibt im vierten Lehrjahr im westdeutschen Bauhauptgewerbe mit 1.580 Euro.

WSI fordert Azubi-Mindestlohn

Die Tarifbindung richtet sich auch nach der Betriebsgröße, deshalb zahlen kleinere Betriebe unter Umständen weniger Gehalt. Viele Betriebe unterliegen gar nicht dem Tarifvertrag. Laut Rechtsprechung darf jedoch auch dann die Vergütung nicht mehr als ein Fünftel unter den örtlichen Tarifen liegen.

Der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten, mahnt: "In der wachsenden Anzahl nicht-tarifgebundener Betriebe werden jedoch häufig deutlich niedrigere Vergütungen gezahlt.“ Daher sei ein gesetzlicher Azubi-Mindestlohn, wie er im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien vereinbart ist, sinnvoll.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juli 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2018, 13:04 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

26.07.2018 16:24 Fragender Rentner 4

Wir haben früher im Bergbau als Lehrlinge meiner Meinung auch recht gutes Lehrlingsentgeld bekommen.

Waren glaube ich im 1. Halbjahr 96,- Ostmark Anfang der 60er Jahre.

Ob in anderen Betrieben mehr bezahlt wurde würde mich mal interessieren, weis es jemand?

26.07.2018 16:01 Frank 3

Da haben wir eine der Hauptursachen vom Fachkräftemangel, den eine Vielzahl von Unternehmern im Osten beweinen. Dieses Problem ist hausgemacht. Die miese Bezahlung in der Ausbildung setzt sich in der Regel nach dem Berufsabschluss fort. Also geht man fort. Anderswo erfährt man Wertschätzung. Ein Bergriff, der für eine Vielzahl von Unternehmern ein Fremdwort ist!

25.07.2018 14:14 Doberlug 2

Von Azubis wird heute viel verlangt:

- Sie sollen mobil sein
- Sie sollen "Digital Natives" sein
- Sie sollen möglichst viel Vorbildung und Praktika mitbringen
- Sie sollen teilweise Ersatz für Festangestellte sein
- Sie sollen (je nach Branche) Fremdsprachen und Auslandserfahrung haben oder eine Studium vorweisen

... und, und, und ....

Aber das alles für 600 Euro im Monat?
Sorry, davon kann doch niemand ernsthaft exisitieren. Da müssen ja die Eltern noch Geld nachschieben - wenn sie es sich überhaupt leisten können.

Es wird doch immer über Nachwuchs- und Fachkräftemangel gejammert. Um das zu lösen, muss man erstmal faire Löhne zahlen, die der heutigen Zeit angemessen sind.

Wenn sich die Firma die paar hundert Euro nicht leisten kann, wird sie sowieso bald dicht machen. Ist es von den Gesellschaftern und Eigentümern zuviel verlangt, mal etwas mehr an den Nachwuchs zu denken - anstatt sich das "gesparte" Geld selber in die Tasche zu stecken? Kapitalismus pur.

25.07.2018 12:51 Barthel Wenzel 1

.....Bauhauptgewerbe im Osten nur (!) 1190,- €.... Das war mein Nettoverdienst nach 36 Jahren an der Drehbank. Ohne Kommentar.

Zurück zur Startseite