Nach den Krawallen Wer hinter der Connewitzer Demo steckt

Steine und Pyrotechnik fliegen – auf Häuser, auf Polizisten: Zuvor hatte es Räumungen besetzter Häuser im Leipziger Osten und Süden gegeben, Proteste gegen steigende Mieten, soziale Verdrängung. Ein Problem, das viele Menschen in großen Städten umtreibt, für die Mehrheit aber sicher kein Grund ist, Gewalt anzuwenden. Wer ist für die Eskalation verantwortlich?

Eine Gruppe von Demonstranten trägt ein Banner vor sich her
Verbindung zum Kämpfen für soziale Anliegen? Bildrechte: Dirk Knofe

"Luwi71" steht für Ludwigstraße 71 und inzwischen auch für den Beginn einer Art von Kettenreaktion. Vergangene Woche war das besetzte Haus in der Nähe der Leipziger Eisenbahnstraße geräumt worden. Es folgten Versammlungen, Demos gegen steigende Mieten, Solidaritätsaufrufe – aber auch Gewalt.

Die Geschehnisse gipfelten in der Demo "Kämpfe verbinden – Für eine solidarische Nachbar*innenschaft". Laut Stadt Leipzig die einzige Versammlung, die im Vorfeld offiziell angemeldet wurde. Die Polizei beendete die Demo schon kurz nach dem Start am Samstag gegen 21 Uhr.

Dazu aufgerufen hatte das Bündnis "Fight for your Future LE" – und zwar schon Tage bevor die Polizei die Luwi 71 räumte. Fight for your Future – Kämpfe für deine Zukunft. Wer steckt dahinter? Der Internetauftritt findet sich auf noblogs.org, einer internationalen Plattform mit der Selbstbeschreibung:

Radikale Menschen verbinden. Nicht kommerziell, antifaschistisch, anti-sexistisch.

noblogs.com

Rund zwei Dutzend Vermummte begrüßen die Besucher auf der Fight-for-your-Future-Seite. Der Infektionsschutz scheint weniger der Grund zu sein. Die meisten verdecken mehr als Mund und Nase. Gemeinsam halten sie ein Banner mit der Aufschrift "Fight for Future", flankiert von Sternen, ein anarchistisches Symbol. In linken und linksextremen Kreisen taucht es immer wieder auf. In dem Demoaufruf auf der Seite für den vergangenen Samstag heißt es:

Wenn also Baustellen angegriffen werden, neue Häuser mit Farbe beschmiert werden, dann sehen wir darin nicht das Werk von gelangweilten Chaot*innen, sondern ein letztes verzweifeltes Aufbäumen all derjenigen, die sich nicht kampflos aus ihrem Kiez verdrängen lassen wollen.

Fight for your Future LE

Wer namentlich für den Auftritt verantwortlich ist, steht nicht auf der Internetseite. Auch in einem Interview mit dem freien Leipziger Sender Radio Blau treten zwei Vertreter der Initiative nur anonym auf. Warum sie die Demo "Kämpfe verbinden" angemeldet haben, erklärt einer von ihnen so:

Unser Anliegen  ist es – wie der Titel schon sagt – verschiedene linke Kämpfe miteinander zu verbinden und auf einer Demo präsent zu haben. Zum Beispiel das Thema solidarische Nachbarschaft und auch das Thema Feminismus.

Anonym

"Soziale Kampfbaustelle"

Eine junge Frau steht vor einer Plakatwand
Auch die Linke-Politikerin Nagel teilte eine Werbung für die "Kampfbaustelle". Bildrechte: dpa

Schon länger geplant war die dreitägige Veranstaltung "Soziale Kampfbaustelle" am vergangenen Wochenende in Connewitz. Organisator war in diesem Fall die Antifa. Die Demo "Kämpfe verbinden" wird als Teil des Programms genannt. Werbung für die "Soziale Kampfbaustelle" und die Demo gab es auch auf der Internetseite de.indymedia.org, die Schwesterseite der verbotenen linksunten.indymedia.org.

Auch Nagel teilte die Werbung

Auch Köpfe der linken Szene teilten die Werbung für die Veranstaltung. So wie die linke Landtagsabgeordnete aus Connewitz, Jule Nagel. Zum Beispiel in diesem Retweet:

Was geht in Connewitz ab? Zum Beispiel die Soziale Kampfbaustelle Connewitz mit drei Tagen Programm und Verständigung. Gewalt steht nicht auf dem Plan, andererseits hat #Luwi71 gerade gezeigt, dass selbst höchste Gesprächsbereitschaft nicht hilft, wenn andere Gewalt bevorzugen.

Jule Nagel bei Twitter Retweet von @herderpark

Mit den anderen dürfte in diesem Fall die Polizei gemeint sein. Rechtfertigt Nagel damit implizit Gegengewalt? Als wirklich hilfreich empfindet die Politikerin Gewalt offenbar auch nicht. So twittert sie am Sonnabend:

Wenn es um konkrete Entmietungen, politisches Ringen um regulierende Instrumente oder politische Aktionen geht, sind leider die meisten, die zum punktuellen Spektakel kommen um ihren Gewaltfetisch auszuleben, nicht da.

Jule Nagel Die Linke

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. September 2020 | 17:18 Uhr

107 Kommentare

JanoschausLE vor 6 Wochen

Und wenn der Verfassungsschutz in Brandenburg,ebenso wie in Sachsen über 2800 (im Vorjahr 2600)Rechte auf dem Schirm hat, so heißt das auch noch lange nicht, dass das alle sind... Oder?

MDR-Team vor 6 Wochen

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Sonnenanbeter vor 6 Wochen

Bedeutung des Wortes "zwischenzeitlich" lt. Duden: "in, während der inzwischen abgelaufenen Zeit erfolgend; unterdessen eintretend". Das sagt über den Grund der Veränderung rein gar nichts aus. Ich habe das verstanden, Sie anscheinend nicht. Im übrigen heißt es "Deutsch lesen und verstehen", nicht "deutsch lesen und verstehen". Und hinter dem "verstehen kann" folgt dann auch noch ein Komma. Bezogen auf Ihre eigene Aussage bedeutet das folglich, dass Sie nicht viel verstanden haben können. Schade...