Jos Lelieveld (l-r), Atmosphärenchemiker, Manfred Hennecke, Materialwissenschaftler, und Martin Lohse, Pharmakologe und Vize-Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, stellen vor der Bundespressekonferenz die Stellungnahme «Saubere Luft - Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen» im Rahmen der Diskussion um Luftverschmutzung und Diesel-Fahrverbote vor.
Jos Lelieveld (Atmosphärenchemiker), Manfred Hennecke (Materialwissenschaftler) und Martin Lohse (Pharmakologe und Vize-Präsident der Akademie Leopoldina) stellen den Bericht zur Luftreinhaltung vor. Bildrechte: dpa

Bericht zur Luftverschmutzung Leopoldina: Feinstaub problematischer als Stickoxide

Die Wissenschaftsakademie Leopoldina hat eine bundesweite Strategie zur Luftreinhaltung sowie eine Verkehrswende gefordert. Der Streit um Stickoxide und Fahrverbote überschatte die Gefahren durch CO2 und Feinstaub.

Jos Lelieveld (l-r), Atmosphärenchemiker, Manfred Hennecke, Materialwissenschaftler, und Martin Lohse, Pharmakologe und Vize-Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, stellen vor der Bundespressekonferenz die Stellungnahme «Saubere Luft - Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen» im Rahmen der Diskussion um Luftverschmutzung und Diesel-Fahrverbote vor.
Jos Lelieveld (Atmosphärenchemiker), Manfred Hennecke (Materialwissenschaftler) und Martin Lohse (Pharmakologe und Vize-Präsident der Akademie Leopoldina) stellen den Bericht zur Luftreinhaltung vor. Bildrechte: dpa

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert mehr Anstrengungen zur Senkung der Schadstoffwerte in der Luft. Dabei sollte der Schwerpunkt mehr auf Treibhausgase wie CO2 sowie Feinstaub als auf Stickstoffoxiden liegen.

Von kurzfristigen oder kleinräumigen Maßnahmen wie Fahrverboten sei keine wesentliche Entlastung zu erwarten. Stattdessen empfiehlt die Akademie eine bundesweite ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung sowie eine nachhaltige Verkehrswende. Dazu legte die Leopoldina am Dienstag ihre Stellungnahme "Saubere Luft ‒ Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen" vor.

Feinstaub vernachlässigt

In dem Bericht wird darauf verwiesen, dass Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte bei der Luftreinhaltung erzielt habe. Basis sei eine EU-Richtlinie von 2008. Dabei gebe es in Deutschland bei Stickstoffoxiden wegen des strengen Grenzwerts relativ viele Überschreitungen, beim weniger strengen Grenzwert für Feinstaub hingegen kaum.

Die Wissenschaftler bemängeln eine Verengung der Debatte auf NO2 und Maßnahmen wie Diesel-Fahrverbote. Sie raten, den Feinstaub stärker zu bekämpfen, da dieser deutlich schädlicher für die Gesundheit sei.

Risiken durch Feinstaub und Stickoxide Feinstäube können u.a. Atemwegserkrankungen Herz-Kreislauf-Krankheiten und Lungenkrebs verursachen. Stickoxide können die Symptome von Lungenerkrankungen wie Asthma verschlimmern und tragen zur Bildung von Feinstaub und Ozon bei.

Grenzwerte schwierig zu beziffern

Zugleich weisen die Autoren darauf hin, dass weder für Stickstoffdioxid noch für Feinstaub eine exakte Grenzziehung zwischen gefährlich und ungefährlich im Sinne eines Schwellenwertes möglich sei, unterhalb dessen keine Gesundheitseffekte zu erwarten sind.

Professor Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina
Leopoldina-Präsident Jörg Hacker war Leitungsmitglied für den Bericht zur Luftverschmutzung. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Der Leopoldina-Bericht mahnt zudem, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nicht die einzige Quelle für Feinstaub seien. Auch Verbrennungsprozesse bei der Energieerzeugung, in Industrie, Landwirtschaft und Haushalt sowie Reifenabrieb seien wichtige Faktoren. Einige Bereiche seien bisher nicht gesetzlich geregelt. Wegen der vielen - auch kleinen - Verursacher empfiehlt die Akademie eine ressortübergreifende Luftreinhaltestrategie.

Einheitliche Messmethodik nötig

Ferner heißt es im Bericht, die Messungen von Stickstoffdioxid und Feinstaub mit Messstationen sei zwar gesetzlich geregelt. Dabei könnten jedoch schon kleine Änderungen der Messpunkte innerhalb gesetzlicher Spielräume zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. International gebe es zudem unterschiedliche Aufstellungsbedingungen, was die Vergleichbarkeit schmälere. Hier rät die Akademie zur Harmonisierung der Messmethoden.

C02 muss stärker reduziert werden

Zudem empfiehlt die Akademie, die Emission von Treibhausgasen im Straßenverkehr nicht aus dem Blick zu verlieren. Deutschland werde seine internationalen Verpflichtungen zur CO2-Reduktion nur mit einer nachhaltigen Verkehrswende erreichen können. Die Entwicklung von weiteren emissionsarmen Formen der Mobilität sehen die Wissenschaftler auch als Herausforderung und zugleich Chance für die deutsche Wirtschaft.

Empfehlungen der Leopoldina

Als besonders Erfolg versprechend sehen die Wissenschaftler einen Mix aus kurz- und mittelfristigen aufeinander abgestimmten Maßnahmen:

  • den schnellstmöglichen Abschluss von Software-Updates bei Dieselfahrzeugen
  • Hardware-Nachrüstungen könnten kurzfristig insbesondere für Busse und Kommunalfahrzeuge sinnvoll sein
  • Reduktion der Gesamtfahrleistung im Individual- und Wirtschaftsverkehr durch sozial ausgewogene Änderungen des Steuer- und Abgabensystems sowie höhere Treibstoffpreise
  • Ausbau eines emissionsarmen öffentlichen Verkehrs
  • bessere Verkehrslenkung zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
  • konsequenter Austausch älterer Fahrzeuge durch emissionsarme Modelle.

Arbeitsgruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zum Thema Luftschadstoffe Leitung:
Prof. Dr. Martin Lohse (Akademie-Vizepräsident), Prof. Dr. Jörg Hacker (Präsident), Prof. Dr. Sigmar Wittig, Sekretar der Klasse I (Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften).
Die Mitglieder kommen aus den Fachgebieten Medizin, Toxikologie, Biologie, Chemie, Epidemiologie, Technik- und Atmosphärenwissenschaften, Statistik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Soziologie, Verkehrsforschung und Materialwissenschaften. Zudem wurden Expertisen weiterer Fachleute herangezogen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 12:40 Uhr

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79 Kommentare

11.04.2019 11:25 007 79

@ Denkschnecke ... Fragen an Denkschnecke.

- Wer war zuerst da, Gott oder der Mensch?
- Was war zuerst da, unser Klima mit Eiszeit- Hitze u Trockenzeiten oder der Mensch?
- Seit wann gibt es die Wetteraufzeichnung auf der die Klimamodelle beruhen u welche Klima Periode hatten wir zu dieser Zeit?
- In welche Klimaperiode steuern bzw leben wir jetzt?

Beantworten sie diese Fragen alle richtig u sie erkennen das Einstein recht hatte mit seinem Vergleich, Zitat; "Zwei Dinge sind unendlich, dass Universum u die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."
Zitat Ende ...

11.04.2019 11:25 Denkschnecke 78

75:
Schwarzer Ruß, den Sie sehen - gefährlich; Feinstaub, den Sie nicht sehen - ungefährlich? Oder wie soll ich diese und Ihren früheren Aussagen zu Feinstaub interpretieren? Das ist mal wissenschaftliche Evidenz...

11.04.2019 11:22 Denkschnecke 77

73:
Sie können glauben, was Sie wollen; soweit ich den Überblick habe (ist ja auch nicht mein Gebiet), beziehen die aktuellen Modelle viele, zivilisatorische und nichtzivilisatorische Faktoren ein und separieren diese. Selbstverständlich gibt es auch Arbeiten, die explizit Sonnenaktivität einbeziehen. Konvergierend sagen die Modelle die Temperaturentwicklung über die vergangenen Jahrzehnte korrekt voraus, können das aber nur, wenn eben NICHT nur natürliche Veränderungen berücksichtigt werden. Den Forschern der deutschen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina, traue ich da (vorsichtig ausgedrückt) mehr Kompetenz zu als Ihnen.

11.04.2019 10:50 007 76

@ Bernd L. 73 ... Sie haben selbstverständlich recht. Mit dem Klimaskandal ist es wie mit den Abgasmodellen.

Wenn die Experten, die Sogenannten, ihre eigene Software dafür entwickeln u mit ihren geschönten Daten füttern, dann kommt auch selbstverständlich das erwünschte schöne Ergebnis raus, dass ist doch logo (möchte man meinen). Deshalb kann- u muss man diese ideologischen Klima Ergebnisse nur anzweifeln.

Die Naivität nicht weniger Menschen, die solchen Ideologen auf den Leim gehen, ist saaagenhaft ...

11.04.2019 09:14 Ekkehard Kohfeld 75

@ Hossa 71 Wir sollen alle Elektroautos fahren,aber ein Kreuzfahrtschiff nach dem anderen wird gebaut.
Was die in die Luft blasen,dürfte bekannt sein.Von den Tankern und Containerschiffen ganz zu schweigen.
Blos wenn die auf Elektroantrieb umgestellt werden,saufen die am Gewicht der Batterien ab.##

Richtig ich wohne im Bereich eines Luftkreuzes,der Luftverkehr nimmt ständig zu,wenn ihr hier auf Wohnwagen und Boote schaut (Fällt halt auf weil weiß)was da für ein schwarzer Ruß drauf ist oder mal zwischendurch ein Regentonne reinigt,was dar für ein schwarzer Bodenbesatz ist und nicht wenig wird einem ganz übel,und das kommt nicht von Autos den ich wohne weit weg von Ballungszenten auf dem Land.Fast ständig sieht man mindestens ca.10 Flugzeuge und deren Kondensstreifen.Alles super gesund.

10.04.2019 23:18 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 74

wieviel wird bei Kriegen, Bombardierungen, Raketenangriffe in die Luft geblasen? Die das tun sind bekannt. Welche Militärfahrzeuge fliegen oder fahren elektrisch? Werden die Verursacher, z.B. die Kriegsminister oder Gleichgestellte nicht vom europäischen Gerichtshof verurteilt

10.04.2019 22:29 Bernd L. 73

Denkschnecke:
Die Newtonmechanik beschreibt unsere makroskopische Welt gut, aber eben keine Quantenvorgänge. Ich denke, das CO2 Modell liefert ebenso keine adäquate Beschreibung der Klimaentwicklung, weil alles auf einen Aspekt reduziert wird, andere viel bedeutende Einflüsse (Sonneneruptionen z.B.) gar nicht einbezogen sind. Es gibt Autoren, die Veränderungen der Sonneneruptionen voraussagen, nach denen 2050 (oder früher) die Temperatur deutlich fällt. Es ist vieles zu unklar (Ursachen, Wirksamkeit von Massnahmen), um unsere Wirtschaft und unser Land zu ruinieren, wie das jetzt geschieht. Leider ist durch die Ideologisierung des Thema eine sachliche Diskussion unmöglich- immer wenn die Grünen ins Spiel kommen, ist Vernunft außen vor. Bei einer Religion darf man auch Gott nicht in Frage stellen.

10.04.2019 22:07 NRW-18 72

@ 70 Afterburner
Das sehe ich auch so und deswegen ist der "menschengemachte" Klimawandel für mich ein Produkt menschlichen Größenwahns.
Gleichzeitig dient er aus meiner Sicht wirtschaftlichen Interessen und manchen Schülern zur 4-Tage-Woche ...

10.04.2019 21:19 Hossa 71

Wir sollen alle Elektroautos fahren,aber ein Kreuzfahrtschiff nach dem anderen wird gebaut.
Was die in die Luft blasen,dürfte bekannt sein.Von den Tankern und Containerschiffen ganz zu schweigen.
Blos wenn die auf Elektroantrieb umgestellt werden,saufen die am Gewicht der Batterien ab.

10.04.2019 20:59 Afterburner 70

Ich hätte da mal eine Frage.
Wieviel CO2,CO,NOX und Feinstaub wird bei einem mittleren Vulkanausbruch aus gestoßen?
Ich denke das ist eine Größenordnung,wo der Mensch ganz klein wird.