Leopoldina-Studie Sieben Punkte für eine Lockerung der Corona-Regeln

Angela Merkel möchte eine Studie der halleschen Wissenschaftsakademie Leopoldina abwarten, bevor Entscheidungen über eine Lockerung der "Corona-Regeln" getroffen werden. Sieben Punkte haben die Experten bereits vorgestellt.

Informationsmappen von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina liegen auf einem Tisch.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften: Hier sind die Forscher zusammengeschlossen, auf die die Kanzlerin hört. Bildrechte: dpa

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hält eine Lockerung der Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus nach den Osterferien für möglich. Nächste Woche wollen sich die Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine mögliche Lockerung der Einschränkungen des öffentlichen Lebens beraten.

Bis dahin soll die Akademie weitere Vorschläge erarbeitet haben, wie "nachhaltiges 'Wiederhochfahren' des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft" möglich sei, sagte eine Sprecherin der Leopoldina der Deutschen Presse-Agentur. Dabei würden auch ethische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Sieben zentrale Punkte, die neben den bestehenden Abstands- und Hygieneempfehlungen für eine Lockerung berücksichtigt werden sollen, hat die Akademie bereits formuliert:

1. Mund-Nasen-Schutz

Eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen sollte damit einhergehen, dass die Menschen flächendeckend einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dieser reduziere die Übertragung von Viren. Eingeschränkt diene er auch dem Eigenschutz.

2. Technische Lösungen

Die Leopoldina-Experten sprechen sich dafür aus, digitale Werkzeuge zu nutzen, in denen Personen "freiwillig und unter Einhaltung von Datenschutz sowie Persönlichkeitsrechten" Daten über mögliche Infektionswege zur Verfügung stellen.

3. Testkapazitäten

Die Kapazitäten für Corona-Tests sollten weiter erhöht werden. "Damit können Ausbreitungsherde besser eingegrenzt und Quarantänemaßnahmen passgenau verhängt werden".

4. Repräsentative Tests

Mit Blick auf die realistische Einschätzung der Dunkelziffer an Infizierten sei zudem wichtig, die Bevölkerung repräsentativ zu testen. Zudem solle auf Immunität getestet werden.

5. Risikofaktoren

Bei Neuerkrankten müsse erfasst werden, welche Risikofaktoren wie Alter, Rauchen oder Vorerkrankungen vorliegen. Dafür brauche es ein einheitliches elektronisches Verfahren. "Da die Risikofaktoren die Schwere des Krankheitsverlaufs maßgeblich beeinflussen, ist diese Information im Hinblick auf die Abschätzung einer möglichen Überlastung des öffentlichen Gesundheitssystems wichtig", teilten die Experten mit.

6. Strukturen in Kliniken schaffen

Zwar sei es notwendig geworden, die Kliniken umzustrukturieren, dies müsse aber regelmäßig überprüft und angepasst werden. Andere akut oder dauerhaft Erkrankte dürften nicht aus der Versorgung fallen. Wichtige Diagnosen müssten frühzeitig erfolgen, langfristig angelegte Therapien nicht unterbrochen werden.

7. Kommunikation

Die Bevölkerung zeigt laut den Wissenschaftlern eine hohe Bereitschaft, die Maßnahmen umzusetzen. Das könne weiter gestärkt werden, indem regelmäßig und transparent kommuniziert werde. Dabei gehe es beispielsweise darum, nachvollziehbare Zielgrößen wie die Zahl von schwer Erkrankten im Verhältnis zur Versorgungskapazität mitzuteilen. Auch die Kenntnis von der Tatsache, dass Infizierte bereits zwei Tage vor den ersten Symptomen andere Menschen anstecken könnten, sei sehr wichtig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2020 | 17:00 Uhr

52 Kommentare

Rychlik vor 7 Wochen

bei Dyalyse OK aber zum Zahnarzt?
im Schulbus wäre jetzt genug Platz aber der fährt nicht mehr - die kleinen Ortschaften sind völlig abgeschnitten, dachte Taxi fahren nicht - da kann kein Abstand eingehalten werden und wenn da Fahrer oder Fahrgast Niesanfall bekommt ... ist das noch fahrlässig oder schon Vorsatz wie bei den illegalen Autorennen

Rychlik vor 7 Wochen

DAUMEN HOCH - so können wir uns das auch ab Mai wo es geringe Fälle wie Sachsen-Anhalt und Meck.Vorpom. ab Juni in Thüringen, Schleswig und Brandenburg - in Sachsen NRW und Bayern vllt. erst ab August vorstellen

MaP vor 7 Wochen

@ElBuffo
Zu ihrer Bemerkung bzgl. Fallzahlen: per 10.4. 19:00Uhr Bayern rund 31.900 Fälle, Sachsen rund 3.700. So, und nun erklären Sie mir mal, warum Sachsen strengere Regeln hat als Bayern!
Zu den Kunden der Baumärkte möchte ich ihre Behauptung bezweifeln, dass sich dort vorwiegend die Risikogruppen "aufgehalten" hätten. Ich glaube nicht, dass dort hauptsächlich 70/80/90jährige und Pflegebedürftige waren und sich länger dort aufhielten.