Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine
Linken-Fraktionschefin Wagenknecht und ihr Ehemann Lafontaine. Bildrechte: dpa

Richtungsstreit Linke Volkspartei - Kipping dagegen, Wagenknecht dafür

Wie kann die Linke stärker werden? Das fragen sich Linken-Parteispitze und Fraktionschefin Wagenknecht, doch geben sie unterschiedliche Antworten darauf. Das könnte die Querelen zwischen beiden Seiten weiter anheizen.

Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine
Linken-Fraktionschefin Wagenknecht und ihr Ehemann Lafontaine. Bildrechte: dpa

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat sich für die Gründung einer linken Sammlungsbewegung ausgesprochen. In einem Interview mit dem "Spiegel" sagte die 48-Jährige, man sehe doch, dass die traditionellen Parteien an Akzeptanz verlieren würden. Wenn hier etwas Neues entstünde, würden auch die Chancen auf andere Mehrheiten wachsen.

Wagenknecht: Viele Rückmeldungen von SPD-Wählern

Auch sei bei einer Neugründung vermutlich die Hürde geringer, sich anzuschließen, als die Menschen einfach nur aufzufordern zur Linken zu kommen, argumentierte Wagenknecht. Es sei doch augenfällig, wie viele in der SPD unzufrieden seien. Sie habe viele Rückmeldungen von SPD-Wählern und –Mitgliedern. Die Bewegung könne aber nur funktionieren, wenn prominente Persönlichkeiten mitmachten, die den Menschen die Hoffnung zurückgeben würden, dass sich politisch etwas in ihrem Sinne bewegt, sagte die Linken-Politikerin, die als bekanntestes Gesicht der Linken gilt.

Idee von Lafontaine öffentlich gemacht

Die Idee hatte Wagenknechts Ehemann, der frühere Mitbegründer der Linken, Oskar Lafontaine, zum Jahreswechsel erstmals öffentlich gemacht. Der 74-Jährige hatte sich für die Bildung einer neuen linken Volkspartei ausgesprochen, in der sich Linke, Teile der Grünen und der SPD zusammentun könnten. Man brauche eine Neuordnung des Parteiensystems. Das beweise die Wahlniederlage der SPD bei der Bundestagswahl im September, argumentierte Lafontaine.

Kipping gegen Vorhaben

Katja Kipping, Vorsitzende der Partei Die Linke, äußert sich am 14.03.2016 bei einer Pressekonferenz in Berlin zu den Ergebnissen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.
Parteichefin Katja Kipping Bildrechte: dpa

Während Lafontaine und Wagenknecht die Idee vorantreiben, erteilte Linksparteichefin Katja Kipping am Sonnabend dem Vorstoß eine Absage. Beim politischen Jahresauftakt ihrer Partei in Berlin sagte sie, erfolgreiche Neugründungen entstünden nicht als Idee in Interviews, sondern aus gesellschaftlichen Bewegungen. Die aber könne man nicht erfinden. Die Linken-Vorsitzende rief ihre Partei vielmehr zur Geschlossenheit auf und zu einem Ende des Führungsstreits. Es gebe für die Partei ein großes linkes, kapitalismuskritisches Potenzial, dass man als Partei erschließen könne.

Kipping beklagte in ihrer Rede zugleich, dass "mancher persönliche Angriff nur noch verletzend" sei. Die Linke müsse sich darüber klar werden, was das für eine Streitkultur sei "und welche Signale das an die Mitglieder aussendet".

Seit Monaten Personalquerelen

Die Bundesvorsitzenden Bernd Riexinger (l) und Katja Kipping (2.v.l.) und die Fraktionsvorsitzenden der Partei Die Linke im BUndestag, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, haben sich am 17.10.2017 in Potsdam (Brandenburg) zu einer Besprechung bei der Fraktionsklausur der Linken zurückgezogen
Mitte Oktober wurden die Querelen zwischen Partei- und Fraktionsspitze öffentlich ausgetragen. Bildrechte: dpa

In der Linken sind die Spitzen von Partei und Fraktion seit Monaten heillos zerstritten. Auf der einen Seite stehen Kipping und der Co-Vorsitzende Bernd Riexinger, auf der anderen Seite Wagenknecht und der Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Mitte Oktober hatte Fraktionschefin Wagenknecht der Parteiführung vorgeworfen, sie wegmobben zu wollen. An diesem Wochenende halten Parteispitze und Fraktion ihre Jahresauftakt-Veranstaltungen in Berlin getrennt voneinander ab.  

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Januar 2018 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2018, 20:53 Uhr

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26 Kommentare

15.01.2018 19:58 Dorfbewohner 26

"Wessi 21

...Eher besinnt sich meine Partei auf den internationalen+toleranten Sozialismus."

Ich habe schon viel Sozialismus kennengelernt, z.B. auch den "entwickelten" im ehemaligem Ostdeutschland, aber wie sieht der denn aus, wo wird er zelebriert?
Erbitte Aufklärung.

15.01.2018 13:09 pudd'nhead 25

jetzt ist der richtige zeitpunkt zur vereinigung der wirrköpfe der sogenannten linken parteien, so kann man vereint untergehen, passend zum 100. jahrestags des roten oktober.

15.01.2018 10:19 Uwe 24

@Wessi 21
Zitat von dir: Sie müssen lernen: die Mehrheit lehnt die AfD sehr ab, bei aller Kritik an Merkel!
Zitat aus einem Beitrag von mir :
Das musst gerade du lernen !!!!!
Merkst du was ?
Gut gesprungen bist du !
Lach

14.01.2018 00:00 Norbert 23

Ich halte Wagenknecht für deutlich kompetenter als Kipping...Kipping hat was von C.Roth da in etwa genau so intelligent. Im übrigen ist das mit der SPD zukünftig eh gesungen auch wenn es einige einfach nicht begreifen wollen.
Ob aber die Linke ne Alternative ist wage ich zu bezweifeln.

14.01.2018 22:31 007 Merkel muss weg! 22

Tja die schöne Sahra sollte mehr Mut zeigen. Warum eigentlich nicht eine Neue Linke Partei "light" gründen!? Eine "reine" Linke ohne sozialistische Stasi- Erblasten im Gepäck, eine pazifistische Linke mit Nationalstolz ohne Überfremdungs-Wahn, die zuerst für ihr deutsches Volk agiert und arbeitet. Eine Linke die aus der Nato austritt, Waffenexporte und Kriegseinsätze per Gesetz unumkehrbar verbietet, eine wirklich soziale Linke aber ohne Gleichmacherei. Eine Linke die Leitarbeit+ Hart IV wieder abschafft, diese irre Rentenbesteuerung wieder abschafft, die alle in die Sozial- und Rentenkassen einzahlen lässt, die Armut verbietet!!! Und eine Linke die verdammt nochmal nicht unsere Steuer Gelder im Ausland verschleudert oder für andere EU Staaten mithaftet.
So eine vernünftige Bürgerpartei gibts in DE nicht ...

14.01.2018 22:01 Wessi 21

@ 17/18 was bitte MUß ich?Sch.+P.!Wenn Sie Zahlen lesen können, werden Sie sehen, daß die Mehrheit die AfD, also die Mehrheit der WählerInnen, ablehnt.Sachsen ist eben nicht die BRD.Mit entsprechenden Parteimitgliedern?So wie SED?Meinen sie das?Ich kann sie beruhigen:unsere Demokratie ist stabil+die Probleme unseres Landes erschöpfen sich auch nicht in dringender Zuwanderung.Westdeutsche, bürgerliche Grüne werden niemals mit "Kommunisten" zusammengehen,dank Adenauer,dank Thälmann.Eher besinnt sich meine Partei auf den internationalen+toleranten Sozialismus.

14.01.2018 20:15 Schneemann 20

Natürlich bräuchten wir wieder eine Volkspartei, die die Interessen der deutschen Leistungsträger vertritt: die deutschen Arbeiter und die deutschen Bauern! Globalisierung, Kriegseinsätze, offene Grenzen zu Lasten der Einheimischen, Ausverkauf unsere materiellen und geistigen Werte - dafür haben wir CSDUSPDGRÜNEFDP!

14.01.2018 19:47 Beobachter 19

Die Linke hat sich in ein strategisches Dilemma manövriert. Durch ihre Forderung nach unbeschränkter Massenmigration schadet sie ihre Kernwalklientel, den einfachen Menschen. Denn diese und nicht der Medizindoktor oder der Hhochqualifizierte konkurrieren mit Migranten um Arbeitsplätze, günstigen Wohnraum, Schulen etc. Diese Wähler werden Stück für Stück abwandern- viele haben ihr Kreuz längst bei der AfD gemacht.
Wagenkencht gehört zu den klugen Köpfen, die das sieht- aber ihre Parteimehrheit ist dazu zu verbohrt. Mit Kipping steht das Gegenstück an der Parteispitze.

14.01.2018 19:44 Uwe 18

@ Wessi
Nachtrag
Und eine linke Partei in welcher Realisten und Leute wie Frau Wagenknecht und Herr Palmer , mit entsprechenden Parteimitgliedern das sagen hätten hätte gewaltiges Potential. Vertreter der SPD welche dazu passen könnten fallen mir da allerdings nicht ein.
Und wenn die etablierten, inklusive SPD so weiter machen wie es derzeit aussieht und eine derartige Partei nicht entsteht , steht mehr als fest das die AfD immer stärker werden wird.
Aber das wirst du wohl nie begreifen. Du bist da aber nicht alleine.

14.01.2018 19:36 Uwe 17

@ Wessi
Die Mehrheit lehnt inzwischen mehr als zu Recht auch die SPD ab.
Das musst gerade du lernen !!!!!