Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, spricht auf dem Parteitag.
Dietmar Bartsch sieht das "Treuhand-Trauma" noch nicht überwunden. Bildrechte: dpa

Treuhand-Nachfolger Linke will Verkauf von DDR-Ackerland stoppen

Die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH BVVG ist eine Nachfolgeeinrichtung der einstigen Treuhand. Bis 2030 will sie alle ehemals volkseigenen land- und forstwirtschaftlichen Flächen privatisieren. Ein großer Fehler, findet die Linke. Ihr Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, forderte die Bundesregierung auf, den Verkauf von DDR-Ackerland zu stoppen. Durch den Verkauf würde der Bodenmarkt angeheizt.

Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, spricht auf dem Parteitag.
Dietmar Bartsch sieht das "Treuhand-Trauma" noch nicht überwunden. Bildrechte: dpa

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat die Bundesregierung aufgefordert, den Verkauf ehemaliger DDR-Ackerflächen zu stoppen. Die Privatisierung von landwirtschaftlichen Flächen durch die Treuhand-Tochter BVVG seit 2007 sei ein schwerer Fehler gewesen, sagte Bartsch MDR AKTUELL. "Der Ausverkauf von Ackerland vor allem in Ostdeutschland muss ein Ende haben." Der Linke-Politiker warf der Bundesregierung vor, durch den Verkauf den Bodenmarkt anzuheizen.

In der Antwort auf eine aktuelle schriftliche Anfrage des Linken-Abgeordneten äußert die Bundesregierung, nicht die Flächenverkäufe seien entscheidend. Stattdessen seien Investoren, die große Anteile von regionalen Agrarunternehmen in ihren Besitz brächten, das drängendere Problem. Investierten finanzstarke Unternehmen in Agrarbetriebe statt direkt in Ackerland, verliere "das Grundstücksverkehrsgesetz faktisch an Effektivität", räumt die Bundesregierung ein.

Seit 2007 Ackerfläche in Größe des Saarlandes verkauft

Aus der Antwort geht außerdem hervor, dass der Bund seit 2007 in den neuen Bundesländern mehr als 2.400 Quadratkilometer Ackerland verkauft hat. Das entspricht in etwa der Fläche des Saarlands (2.569 Quadratkilometer).

63 Prozent der Flächen wurden zwischen 2007 und 2018 an ortsansässige Landwirte verkauft. Die restlichen 37 Prozent gingen an Unternehmen, "die vor Ort einen Bezug zur landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche haben", schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort.

Bis 2030 will die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), eine aus der Treuhandanstalt hervorgegangene Gesellschaft des Bundes, alle ehemals volkseigenen land- und forstwirtschaftlichen Flächen privatisieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2019, 05:00 Uhr

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15 Kommentare

27.04.2019 12:40 Dh 15

Als meine Familie in der DDR enteignet wurde, wurde unser Haus Volkseigentum. Das heißt, es hatte wenigstens die Allgemeinheit etwas davon. Was aber nach der Wende passierte, als die Treuhand dann das Volkseigentum (auch wie unser ehemaliges Haus) an Spekulanten, Ganoven, Glücksritter, reiche Wessis etc verramschte, war einfach nur Unrecht. Dieses Unrecht und viele andere Gemeinheiten wurden an uns Ostdeutschen begangen. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass die Forderung der Linken pure Heuchelei ist. Es ist wieder Wahljahr, da ist man auf Wählerfang. Ansonsten ist man immer an der Seite der anderen Parteien, die ein Wirken der Treuhand erst möglich machten. Es sind jene Kräfte, die gerade dabei sind, unser Land völlig kaputt zu machen. Also Linke gebt euch keine Mühe, euch glaube ich genauso wenig, wie den anderen Altparteien. Von euch (Altparteien) erwarte ich gar nichts mehr. Wenn ich mich so umhöre, denken jede Menge Leute so. Mit euch haben viele fertig.

27.04.2019 09:53 Stikarwski 14

Herr Bartsch, sie hätten eher aufwachen müssen, denn jetzt ist zu spät.

26.04.2019 18:39 Dh 13

Die CDU und Co wissen ganz genau, warum sie einen neuen Untersuchungsausschuss zu den Teuhandmachenschaften verhindern will. Ich bin auch ein Betroffener dieser widerlichen Machenschaften. Während hier jeder Wessi seine in der DDR verstaatlichten Grundstücke und Häuser wieder rückübertragen bekam, mußte ich als Ossi in die Röhre gucken. Mein Antrag wurde von der Treuhand einfach, ohne nennen von Gründen, abgelehnt. Einfach so, obwohl das betreffende Haus vor der Enteignung mehrere Generationen im Besitz meiner Familie war. Deswegen unterstelle ich mal, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen geschah. Aber so was nennt man hier zu Lande halt "Rechtsstaat". Was ist eigentlich aus dem Volksvermögen der DDR geworden? Wieso wurde dieses verhökert und warum durfte ich als ehemaliger DDR Bürger, abzüglich der 100€ Begrüssungsgeld, nicht davon partizipieren? Was geschieht jetzt aus dem betreffenden Einnahmen für die Flächen? Fragen über Fragen aber keine Antworten.

26.04.2019 17:32 Gerd Müller 12

Hat Schäuble schon den schwarzen Koffer von Kohl übernommen?
Wo ist mein Anteil vom Volkseigentum geblieben? Alles wurde von Geldhaien nach der Wende einkassiert. Wie die Heuschrecken waren sie, nur Geschäfte machen, aber ohne sich die Hände schwarz zu machen.
Raffgier ist die Triebfeder des Kapitalismus, ich will meinen Anteil haben, was die Heuschrecken sich rechtswidrig in ihre Taschen gesteckt haben.

26.04.2019 17:11 Halligalli 11

Hier könnten die Grünen mit Landenteignung Punkten!

26.04.2019 14:44 Carolus Nappus 10

Hat jemand Belege, dass hier Flächen billig an Freunde weitergegeben werden? Ich höre bisher nur, dass die Flächen zu Marktpreisen weggehen, was dem einen oder anderen dann eben zu teuer ist. Wäre vielleicht eher die Frage, was mit dem Geld passiert und was diese Verwertungsbehörde kostet.

26.04.2019 10:56 Fragender Rentner 9

@optinator zu 2
Du schreibst: Immerhin gehört mir ja davon 1/17.000.000 Teil.

Das stimmt nur hatten sehr viele die Allianz für Deutschland im März 1990 gewählt und sich dadurch selbst enteignet !!!

26.04.2019 10:52 Don.corleone 8

Das Dt.Berliner-system u. Führung v.merkel/cdu ist das gleiche System wie in Russland, wo die Kapitalisten/Oligarchen sich fürnAppel u.Ei d. Besitztümer
m.Unterstützung d. Politik sich zugeschachert haben ,
aus 1 Rubel wurde d. Wert dann real 1000 Rubel !
Akten verschwanden, mit hilfe v. Bestechung u.Kurruption.
Hier läuft es in ähnlicher Weise ab, das Netzwerk d. herrschenden Elite ist verästelt bis in d. letzten Wirtschafts-Zonen. Eine Hand wischt d. andere !
Nur alles noch perfider u. verdeckter .
Merkel: "Uns geht es Allen gut" ! ist ein schlag ins Gesicht
jeden braven Bürgers , nur 12,8 % geht es super !
Das ist in russland auch so ! Darum der Schlachtruf "Wir werden sie jagen" !

26.04.2019 10:51 Fragender Rentner 7

Wie hatte die Treuhand damals die Betribe verscherbelt?

Ach ja für 1,- DM und dann alles was sie noch verwerten konnten herausgeholt.

Jetzt wollen die Käufer es bestimmt für 1 ,- € haben wollen und dann bestimmt mit "ein wenig Gewinn" weiter verkaufen?

26.04.2019 09:59 Max W. - Wo ist Sarah Wagenknecht, Gen. Bartsch? 6

@26.04.2019 07:06 Carolus Nappus (Jaja, ganz großer Fehler. Heute wird von den selbstständigen Landwirten und Unternehmen auf einer deutlich kleineren Fläche deutlich mehr angebaut als zu seeligen LPG-Zeiten die kühnsten Planerfüllungsgestalter zu träumen gewagt hätten. Und das Herumbarmen ist Landwirten quasi in die Wiege gelegt bzw. haben die mit der Muttermilch aufgenommen.)

Sie schreiben Unsinn - das von Gen. Bartsch angesprochene Problem, das zudem Züge korrupter Politik in sich trägt, existiert.

Nur: WO hat die "LINKE" zuvor davon gesprochen, wo sie doch laut von gewissen anderen Themen ständig spricht - und wie? Hier will sich eine Partei, die niemand mehr für "links" hält, ausser sie sich selbst, nur vor den kommenden Wahlen ein Image verschaffen. Das noch verlogener und unglaubwürdiger ist, als die sonstigen "internationalistischen" Einlassungen dieser Ex-SED-Truppe.