Studie West-Ost-Lohngefälle im Schnitt bei 17 Prozent

30 Jahre nach der Wiedervereinigung verdienen Beschäftigte in Ostdeutschland bei gleicher Qualifikation noch immer deutlich weniger als in Westdeutschland. Doch auch zwischen den Ostbundesländern gibt es erhebliche Unterschiede.

Wegweiser West und Ost mit Geldscheinen und Geldmünzen, ungleiche Gehälter in West- und Ostdeutschland
Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung werden im Osten deutlich geringere Löhne gezahlt. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Das Lohngefälle zwischen West- und Ostdeutschland ist auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung groß. Beschäftigte in den neuen Bundesländern verdienen bei gleicher Qualifikation deutlich weniger als Arbeitnehmer im Westen.

Nach einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung beträgt der Lohnabstand bei Beschäftigten gleichen Geschlechts, im gleichen Beruf und mit vergleichbarer Berufserfahrung 16,9 Prozent. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Stiftung hatte dazu fast 175.000 Datensätze ausgewertet.

Geringere Tarifbindung im Osten ist ein Grund

Neben Unterschieden in der Wirtschaftskraft ist nach Einschätzung der WSI-Forscher die geringere Tarifbindung der Hauptgrund für den Lohnrückstand in den neuen Ländern. Sie lag im Osten 2018 bei nur 45 Prozent, im Westen dagegen bei 56 Prozent. Bei den Tariflöhnen haben die Gewerkschaften inzwischen eine weitgehende Angleichung durchsetzen können, das Tarifniveau lag 2018 im Osten bei 97,6 Prozent des Westens.

In Brandenburg deutlich höhere Löhne als in Mitteldeutschland

Auch zwischen den ostdeutschen Bundesländern gibt es der WSI-Untersuchung zufolge ein Lohngefälle. In Brandenburg mit seinem prosperierenden Berliner Umland sei der Rückstand im Vergleich zum Westen mit 13,9 Prozent am geringsten. Schlusslicht im Osten ist demnach Sachsen, wo die Verdienste um 18,2 Prozent unter dem Niveau für vergleichbare Tätigkeiten im Westen lagen. In Thüringen lag die Lohndifferenz bei 16,9 Prozent, in Sachsen-Anhalt waren es 17,1 Prozent.

Lücke bei Akademikern geringer

Besonders groß ist der Lohnrückstand der Studie zufolge bei Beschäftigten, die nach ihrer betrieblichen Ausbildung eine kaufmännische Fortbildung oder eine weitere technische Qualifikation erworben haben. Hier verdienten Beschäftigte in Ostdeutschland 18,4 Prozent weniger als im Westen. Bei Tätigkeiten, für die in der Regel ein Hochschulabschluss Voraussetzung sei, betrage der Rückstand hingegen 15,4 Prozent.

Auch der neue Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit hatte auf das anhaltende Lohngefälle hingewiesen. 2018 verdienten ostdeutsche Vollzeitbeschäftigten demnach immer noch rund 16 Prozent weniger als in Westdeutschland. Die Lohnlücke werde aber kleiner,  2017 habe sie noch 19 Prozent betragen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2019 | 09:00 Uhr

40 Kommentare

Armin C. vor 44 Wochen

@Wessi
"Bezeichnend ist, daß die Löhne in sozialdemokratisch regierten Ländern höher sind, als im schwarzen Sachsen."
-
Bezeichnend ist auch, dass es bald keine sozialdemokratisch regierten Länder mehr geben wird!!! :-) :-) :-)

Und falls die Löhne in diesen Ländern höher sein sollten, dann ist das bestimmt kein Verdienst von Sozialdemokraten.

AnitaR vor 44 Wochen

Wäre es nicht einfach, wenn es eine schwarz-weiß-Welt geben würde!
Jede Ideologie ist zum Scheitern verurteilt, die nicht akzeptiert, dass der Antrieb des Menschen vor allem Eigennutz ist. Daher mündet jede noch so hehre Ideologie in eine menschenverachtende kleptokratische Diktatur. Soziale Marktwirtschaft erkennt die Tatsache, dass der Markt nicht die sozialen Ungerechtigkeiten beseitigen kann. Der Markt ist ein Resultat von der betriebswirtschaftlichen Preismaßgabe Nachfrage-Angebot, aber auch das Verhandlungsresultat zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Da jedoch die Ostwirtschaft ein zartes Pflänzchen im Vergleich zur Westwirtschaft ist, sollte man die Gewerkschaften schön im Westen lassen und statt dessen die Betriebsräte in Ostfirmen stärken.

kennemich vor 44 Wochen

Genau, die haben dem Osten schließlich die blühenden Landschaften versprochen.

Denn an Versprechungen sollt ihr glauben.

Wir haben sehr viele 6-spurige Autobahnen, wo die LKWs durchrollen.