Ein Flugzeug im tiefen Landeanflug auf einen Flughafen
Ein Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen Frankfurt/Main. Bildrechte: imago images/imagebroker

Nationale Luftfahrtkonferenz Merkel: Flugverkehr soll "grüner" werden

Kanzlerin Merkel hat sich auf dem Flughafen Leipzig/Halle für einen klimaverträglichen Luftverkehr stark gemacht. Von einer Kerosinsteuer sprach sie aber nicht. Zudem soll in Sachsen wieder ein Flugzeug gebaut werden. Das wurde beim Treffen der Branche auf dem Airport Leipzig/Halle bekanntgegeben.

Ein Flugzeug im tiefen Landeanflug auf einen Flughafen
Ein Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen Frankfurt/Main. Bildrechte: imago images/imagebroker

Merkel lobt Selbstverpflichtung der Branche

Die deutsche Luftfahrtbranche soll nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel Vorreiter beim Klimaschutz werden. Merkel sagte auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz am Flughafen Leipzig/Halle, dazu müssten Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften zusammenarbeiten.

Merkel betonte, dass es wegen der Klimadebatte zunehmend Kritik am Flugverkehr gebe. Umso wichtiger sei es, dass die Branche zeige, dass Wachstum nicht immer zu mehr klimaschädlichen Emissionen führe. Zugleich lobte die Kanzlerin die Selbstverpflichtung der Branche, ab 2020 das Emissionsniveau der Flugzeuge zu halten und 2050 dann auf 50 Prozent des Wertes von 2005 zu senken. Nötig sei dafür die Produktion von synthetischen, klimafreundlicheren Kraftstoffen oder der Umstieg auf elektrisches Fliegen.

Lufthansa-Chef gegen Kerosinsteuer

Fliegen ist laut Umweltbundesamt die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen. Von Parteien und Verbänden wurde in den vergangenen Wochen gefordert, eine Kerosinsteuer einzuführen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach sich am Mittwoch dagegen aus. Er warnte in der "Süddeutschen Zeitung", der Luftverkehr würde eben in andere Länder verlagert. Airlines würden ihre Maschinen dann im Ausland betanken, wo es eine solche Steuer nicht gebe.

Spohr stellte in Aussicht, den CO2-Ausstoß im Luftverkehr in den kommenden Jahren um ein Zehntel zu senken. Das sei etwa durch neue synthetische Treibstoffe möglich. Zugleich forderte der Lufthansa-Chef ein Ende extrem billiger Tickets.

Gewerkschaften verlangen Regeln gegen Preisdumping

Auch die deutschen Gewerkschaften verurteilten die Preispolitik von Billig-Airlines. Das sei ein Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Angestellten.

Ein Ticketpreis von 9,90 Euro deckt weder Steuern noch Gebühren. Es muss jedem klar sein, dass die Beschäftigten dafür den Preis bezahlen.

Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle

Die Gewerkschaften sehen dabei auch die Politik in der Verantwortung. Die Arbeitnehmer könnten die Auswüchse sowie unfaire Beschäftigungsbedingungen nicht alleine stoppen. Unternehmen wie Ryanair müssten Grenzen gesetzt werden.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach von inakzeptablen Arbeitsbedingungen in der Branche. Dieses Problem müsse zur gesellschaftlichen Akzeptanz des Flugverkehrs genauso angegangen werden wie das Ziel des klimaneutralen Fliegens.

Dornier 328Neu wird in Leipzig gebaut - 250 neue Jobs

Eine gute Nachricht gibt es für den mitteldeutschen Flugzeubau: Erstmals seit Jahrzehnten soll wieder ein Flugzeug in Sachsen gebaut werden. Wirtschaftsminister Martin Dulig bestätigte den Bau einer Flugzeugfabrik mit bis zu 250 Arbeitsplätzen.

Flugzeug
Propellermaschine Dornier D328 Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Demnach will das US-Unternehmen Sierra Nevada Corporation (SNC) sein neues Modell der Dornier 328 künftig in Leipzig/Halle produzieren – und nicht, wie geplant, in der Türkei. Etwa 80 Millionen Euro sollen in Leipzig/Halle investiert werden. Der Freistaat stellt bis zu 6,5 Millionen Euro Fördergelder in Aussicht. Etwa 7.000 Menschen arbeiten nach Angaben des Wirtschaftsministeriums derzeit in Sachsens Luft- und Raumfahrtindustrie.

Die D328NEU ist für bis zu 39 Passagiere ausgelegt und für Reichweiten bis 650 Kilometer. Die Propeller sollen leiser rotieren und der CO2-Ausstoß geringer sein als im Vorgängermodell. Neben Passagier- und Frachttransporten ist die Maschine für Rettungs- und Suchdienste konzipiert.  Perspektivisch könne das Flugzeug auch elektrifiziert werden.

Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, sprach von einem großen Erfolg für den deutschen Flugzeugbau. Entwickelt werden solle die D328NEU in Oberpfaffenhofen bei München. Dort sind 120 neue Stellen geplant. Ende 2023 soll das erste Fluzgeug startbereit sein.

Deutscher Flugverkehr auf Brexit vorbereitet

Ein ausländischer Gast der Nationalen Luftfahrtkonferenz steht vor einem elektrischen Versuchsflugzeug (Dornier 228) auf dem Flughafen Leipzig-Halle.
Gast der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig-Halle vor einem elektrischen Versuchsflugzeug (Dornier 228). Bildrechte: dpa

Bei der Konferenz auf dem Flughafen Leipzig/Halle ging es auch um ein Brexit-Szenario. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Steffen Bilger, versicherte am Mittwoch, die deutsche Luftfahrt sei für jedes Brexit-Szenario gewappnet. Der Luftverkehr werde in keinem Fall zusammenbrechen - "egal ob es einen No-Deal-Brexit gibt oder mit einer Vereinbarung". Der neue britische Premierminister Boris Johnson will Großbritannien Ende Oktober aus der EU führen – notfalls auch ohne Abkommen über die künftigen Beziehungen.

An der Konferenz am Flughafen Leipzig/Halle nahmen am Mittwoch neben Vertretern der Branche auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Verkehrsminister Andreas Scheuer teil.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 22:05 Uhr

5 Kommentare

Querdenker vor 12 Wochen

Zitat: „Merkel lobt Selbstverpflichtung der Branche“ - - - Wenn Politiker was von Selbstverpflichtung der Wirtschaft reden, dann sollten alle Alarmglocken läuten. Vor allem wenn das vor drei wichtigen Landtagswahlen im Osten passiert. Selbstverpflichtungen der Wirtschaft sind ein gutes Mittel der kapitalistischen Konzerne nötige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft abzuwehren bzw. herauszuzögern und damit der Bevölkerung etwas vorgespielt werden kann. - - - Das kennt man schon aus der Autobranche - - - siehe „scinexx Automobilindustrie erfüllt Umweltversprechen nicht Selbstverpflichtung nicht eingehalten“ (2006) - - - Wohin das führte, hat man beim Diesel-Skandal gesehen.

MDR-Team vor 12 Wochen

Hallo Gerd Müller,

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Gerd Mueller vor 12 Wochen

Unsere Kanzlerin tut das Richtige. Mit ihr in die Zukunft sichert unseren Wohlstand. Ich dachte naiv, die neue Kommentaranmeldung gilt für alle MDR Kommentarmöglichkeiten, konnte aber meine Kommentare nirgends verwalten und auch nicht editieren.