Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht im Bundestag bei der Zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag
Im Plenarsaal des Bundestages lauschen die Abgeordneten der Rede des französischen Präsidenten Macron zum Volkstrauertag. Bildrechte: dpa

Rede zum Volkstrauertag Macron beschwört mehr Europa und weniger Nationalstaat

In seiner Rede zum Volkstrauertag im Bundestag hat Frankreichs Präsident Macron mehr Souveränität für die Europäische Union gefordert. In einer Welt voller Herausforderungen müsse jedes EU-Land Befugnisse abgeben. Macron warb erneut für eine europäische Armee, aber auch eine gemeinsame EU-Außen-, Finanz- und Steuerpolitik.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht im Bundestag bei der Zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag
Im Plenarsaal des Bundestages lauschen die Abgeordneten der Rede des französischen Präsidenten Macron zum Volkstrauertag. Bildrechte: dpa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in seiner Gedenkrede zum Volkstrauertag im Bundestag den europäischen Gedanken zur Überwindung von Krieg und Gewalt beschworen. Zugleich rief er dazu auf, die europäische Integration weiter zu fördern. In einer Welt voller Herausforderungen sei die wahre Stärke die Einheit, dafür brauche es mehr europäische Souveränität, sagte das französische Staatsoberhaupt.

"Unerschütterliche deutsch-französische Freundschaft"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht im Bundestag bei der Zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag
Macron: "Europa muss mehr Souveränität erobern." Bildrechte: dpa

In dem Zusammenhang beschwor Macron die "unerschütterliche" deutsch-französische Freundschaft: "Europa und darin das deutsch-französische Paar hat die Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abgleiten zu lassen." Deshalb müsse Europa stärker werden und "mehr Souveränität erobern". In dem Zusammenhang warb Macron erneut für den Gedanken einer gemeinsamen europäischen Armee. Europa müsse mehr Verantwortung für seine Verteidigung und seine Sicherheit übernehmen.

Es lebe Frankreich. Es lebe die Bundesrepublik. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft. Es lebe Europa.

Emmanuel Macron, Staatspräsident von Frankreich Schlussworte seiner Rede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag

Herausforderungen unserer Zeit

Als weitere Herausforderungen der heutigen Zeit nannte Macron einen wachsenden Nationalismus, den Klimawandel sowie die Migration. Dafür aber sei die Europäische Union ursprünglich nicht konzipiert worden. Problemfelder wie Grenzpolitik, gemeinsame Verteidigung oder der Umgang mit dem digitalen Wandel würden von den bestehenden EU-Regelungen stiefmütterlich behandelt. Hier müssten künftig Tabus und Denkverbote überwunden werden.

Macron wirbt für gemeinsame Projekte

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron küsst Bundeskanzlerin Angela Merkel nach seiner Rede im Bundestag bei der Zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag
Kanzlerin Merkel küsst Macron nach dessen Rede im Bundestag. Bildrechte: dpa

Macron räumte ein, dass diese neue Aufgaben auch Angst machen würden. Dennoch werde jedes EU-Mitglied "seine Entscheidungsbefugnisse, seine Außenpolitik, seine Migrations- oder Entwicklungspolitik sowie einen wachsenden Teil seines Haushalts oder sogar seiner Steuereinnahmen teilen müssen". Ziel sei es, eine europäische Verteidigung zu verwirklichen, aus dem Euro eine internationale Währung mit einem gemeinsamen europäischen Haushalt zu machen und ein europäisches Flüchtlingsamt mit gemeinsamen Regeln zu schaffen.

Lob für Deutschlands Aufarbeitung

Macron lobte in seiner Rede ausdrücklich Deutschlands Bemühen um die Aufarbeitung seiner jüngeren Geschichte. Kein Volk habe seine Historie so aufrichtig aufgearbeitet und Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Deutschland habe die "blutrünstigen Dämonen des Nationalismus" überwunden. Das Land habe gezeigt, dass es gewillt sei, historische Konflikte zu überwinden und für den Frieden zu kämpfen. "Ich bin stolz, dass Frankreich eine Rolle bei dieser Wiederauferstehung gespielt hat", sagte Macron. Man habe daran gearbeitet, ein europäisches Projekt aufzubauen und sich die Hand zu reichen.

Volkstrauertag Der Volkstrauertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. 1925 wurde der Gedenktag erstmals begangen, damals noch am 1. März. 1952 wurde der Volkstrauertag auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in der Bundesrepublik Deutschland wieder eingeführt. Seither wird der nationale Gedenktag zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen. Inzwischen gedenkt man aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Zahlreiche Veranstaltungen landesweit sollen zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen und rufen zu Toleranz und Frieden auf.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2018, 16:21 Uhr

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70 Kommentare

20.11.2018 18:53 Werner 70

@Ralf112 68: Dass die Regierungen über die Köpfe der Bürger entscheiden, was für sie gut ist - also mehr für Wirtschaft+Banken+Politik gut ist. Gegenleistung: höchstbezahlte Posten & Orden. Muss man sich nur die aktuele Vorgehensweise beim Migrationspakt ansehen, von dem die Chefs von ARD und ZDF in DD vor paar Tagen angeblich nichts wussten. Dafür jetzt ein Riesentheater, weil es geheim durchgezogen werden sollte. Tilo Sarrazin bei "Fakt" vom MDR im Februar 2015 - Thema "Bürgerbeteiligungen": "Mit einer Volksabstimmung in Deutschland wäre es nie zur Einführung des Euro gekommen. Über 80% waren dagegen." Ein schwedisches Meinungsforschungsinstitut hatte veröffentlicht, dass 2014 nur 22% der Litauer FÜR die Einführung des EURO waren. Gekriegt haben sie ihn trotzdem. Deshalb meiden Politiker Volksabstimmungen ala Schweiz, wie der Teufel das Weihwaser. Für nicht genannte Staatsformen Nachvollziehbar.

20.11.2018 16:21 Fragender Rentner 69

Zitat von Oben: Macron beschwört mehr Europa und weniger Nationalstaat

Wie kommt er nur auf diese Idee?

Wo schon von Anfang an diese guten Politiker es nicht richtig gemacht haben.

Ist zwar schön wenn man an den Grenzen durchfahren kann nur wer hat wohl einen größeren Nutzen davon?

Der kleine Mann/Frau oder unsere Konzerne?

20.11.2018 15:29 Ralf112 68

@ Werner: "Ihr Scherz mit der "Freiwilligkeit" geht eher nach Hinten los."

Irgendwie fehlt mir bei Ihrer Argumentation die Logik. Welches Land wurde noch gleich gezwungen, der EU beizutreten?
Sie können ja gerne aufzählen, was Ihnen an der EU nicht gefällt, aber das ändert doch nichts daran, dass alle Mitgliedsstaaten freiwillig in die EU eingetreten sind. Und nochmals zur Klarstellung: Das war bei Napoleon nicht der Fall! Also was wollen Sie mir mit Ihrem Post sagen?

20.11.2018 14:54 Dreißiger 67

Macron, dessen Zustimmungswerte im Sinken begriffen sind, sollte sich um sein eigenes Land kümmern. Da gibt´s genug Probleme.
Der will nur deutsches Geld und unsere sogenannten Volksvertreter klatschen auch noch dazu, unfassbar!!

20.11.2018 14:29 noch 23 Tage (UNO-Migrationspakt) 66

"Macron warb erneut für eine europäische Armee"

das brauch er nicht!

Sucht einfach mal im Netz nach:
"Agentenschule und Drohnenbau"
da kommt ihr auf die Tagesschauseite.
Die Finanzminister machen das aus, vorbei an den Wählern!

20.11.2018 11:54 Werner 65

@Ralf112 63: Ihr Scherz mit der "Freiwilligkeit" geht eher nach Hinten los. Erinnerung, wie vor 20 Jahren EURO-Gegner im medialen Hype verteufelt wurden: "19.01.1998 Kontraste (ARD) „Die Angst vor dem Euro: Das RECHTE Spektrum macht mobil…" Wie heute! Eine ehrliche Diskussion über Vor- und Nachteile wurde genau schon so unterdrückt, und geheim gehalten, wie jetzt der Migrationspakt - das gleiche System nach "Blaupause". Obwohl die EU-Kommission vor einer Aufnahme von GR in den EURO gewarnt hatte, folgte eine rein politisch-ideologische Entscheidung - gegen den eigenen Rat - mit Jubel und Selbstbeweihräucherung. Das war für die Steuerzahler sehr sehr teuer. Mit Ideologie und "Visionen" ( J. Asselborn "keine Ahnung" zugegeben) fährt man jeden Staat an die Wand. Italien? Für ca. 400 Milliarden ALTERNATIVLOSE "GR-Rettung" hätte man viele Schulen, Internet, Rente um viele EURO anheben=nix mit "Rente70", Pflege, Polizei...

20.11.2018 08:32 Marlis 64

Macron und sein EU Haus , wer braucht das alles hochbezahlten Wasserköpfe, ohne EU ging es uns in Deutschland viel besser bevor man uns mit dem Euro betrogen hat. Also i h habe genug von dem ganzen Theater und wünsche mir das wir etwas dagegen unternehmen. Die da oben denken doch noch die Welt ist hier in Ordnung, runter von der Couch und auf die Straßen bevor es zu spät ist.

20.11.2018 07:43 Ralf112 63

@Annerose Will: "Unterschiede in der lokalen Bevölkerung gibt es immer, presse ich die in ein Staatengebilde gibt es dort Probleme, die dann meist in irgendeiner Form "unterdrückt" werden."

Bei allem Respekt für Ihre persönliche Meinung, aber dieses Argument würde doch auch für eine Kleinstaaterei ala Mittelalter sprechen oder bei welcher Größe würden Sie halt machen?
Abgesehen davon ist der solidarische Gedanke in einem Staaten- oder EU-Gefüge doch sinnvoll oder lehnen Sie Solidarität gänzlich ab?
Und zuletzt noch ein Hinweis zu Ihrem Napoleon vs Macron Vergleich. Sie vergleichen tatsächlich die freiwillige Mitgliedschaft in der EU inkl. Wahl-und Mitbestimmungsrecht mit einer gewaltsam herbeigeführten Monarchie eines Napoleon? Dieser Scherz ging wohl nach hinten los!

20.11.2018 06:57 Wo geht es hin? 62

Meuthen hat den richtigen Ansatz gefunden: die EU im Hauptanliegen wieder zu dem machen, was sie mal war - eine Wirtschaftsunion. Ähnlich wie damals die EG, nur eben noch besser. Was ist daran verwerflich? Die Pläne, die JETZT im Raum stehen, haben damit nichts mehr zu tun. Uns wird das mit der veränderten globalen Lage versucht schmackhaft zu machen. Aber OHNE starke Nationalstaaten, die wirtschaftlich an einem Strang ziehen, wird das nicht funktionieren. Warum nicht? Weil OHNE die Nationalstaaten alles auf EIN Niveau gebracht werden müsste, um Einigkeit zu erzielen. Dass diese Niveau NICHT D sein wird, ist logisch und was das bedeutet, ist dann auch klar: Absenkung auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner. Und schon ist man eben nicht mehr "stark", sondern eben nur noch einer von vielen. WO da die notwendige Stärke dann herkommen soll, erklärt uns aber weder Macron noch Merkel...DAS können sie nämlich nicht!

20.11.2018 05:07 Querdenker 61

Die Vertreter vom Supranationalismus haben scheinbar schon die Kreuze zur Beerdigung der Nationalstaaten aufgestellt? Der globalisierende Kapitalismus wird begeistert sein.