Ein Ausbilder für Metallbearbeitung unterhält sich mit jungen Flüchtlingen aus Afghanistan
Ausbildung von jungen Flüchtlingen aus Afghanistan in Jena. Bildrechte: dpa

Malteser-Migrationsbericht 2019 Wirtschaftsweiser: Integration von Flüchtlingen läuft besser als erwartet

Der Malteser-Migrationsbericht analysiert Zu- und Abwanderung in Deutschland und die Integration von Flüchtlingen. Fazit: Die Beschäftigungsrate steigt. Und: Der Staat kann die Aufnahme der Geflüchteten schultern.

Ein Ausbilder für Metallbearbeitung unterhält sich mit jungen Flüchtlingen aus Afghanistan
Ausbildung von jungen Flüchtlingen aus Afghanistan in Jena. Bildrechte: dpa

Die Integration Geflüchteter in den deutschen Arbeitsmarkt läuft nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Lars Feld besser als erwartet. Das ist das Fazit des Migrationsberichts der Malteser Stiftung.

Der Leiter der Analyse sagte bei der Vorstellung des Berichts, vor einiger Zeit sei der Sachverständigenrat für Wirtschaft noch davon ausgegangen, dass es relativ lange dauern werde, die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommenen Migranten zu integrieren. Begründet worden sei das mit der geringen Qualifikation und schlechten Deutschkenntnissen. Die Befürchtungen hätten sich so nicht bestätigt.

Zwei von drei Migranten in Arbeit

2016 war dem Bericht zufolge noch etwa die Hälfte der Schutzsuchenden arbeitslos, zwei Jahre später nur noch ein Drittel. Professor Feld lobte in dem Zusammenhang die Bundesagentur für Arbeit. Sie habe sich frühzeitig um Sprachkurse gekümmert. Zum positiven Trend habe auch der brummende Arbeitsmarkt beigetragen.

Den Angaben zufolge hat sich die Zahl der Schutzsuchenden aus den wichtigsten Herkunftsländern, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, seit 2017 mehr als verdoppelt. Im April waren es demnach rund 312.000 Menschen. Die Chancen auf einen Job stiegen mit der Chance auf einen längerfristigen Aufenthalt in Deutschland.

Seit 2010 knapp vier Millionen Migranten

Nach Daten im Bericht sind im Jahr 2017 etwa 416.000 Personen mehr Menschen nach Deutschland gekommen als wegzogen. Die Nettozuwanderung war im achten Jahr in Folge positiv und addiert sich seit 2010 auf 3,8 Millionen. Seit Sommer 2016 ging laut Statistik die Anzahl der Asylanträge in Deutschland stark zurück, die Entscheidungszahlen haben sich auf unter 20.000 monatlich eingepegelt.

Entwicklung der Asylanträge und Asylentscheidungen (Erst- und Folgeanträge) von Januar 2015 bis April 2019
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bund zahlt gut 20 Milliarden Euro jährlich

2018 lagen die gesamten asylbedingten Leistungen des Bundes bei rund 23 Milliarden Euro oder 6,8 Prozent der Gesamtausgaben des Bundes. 15,1 Milliarden Euro entfielen auf Inlandsleistungen, die Hälfte davon auf Hilfe für die Länder und Gemeinden. Die Ausgaben zur Bekämpfung von Fluchtursachen betrugen 7,9 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 wird erneut mit Gesamtausgaben in dieser Größenordnung gerechnet.

Verzerrte Wahrnehmung von Kriminalität durch Migranten

Nach Einschätzung der Autoren gibt es keine Belege für eine deutlich gestiegene Kriminalität in Deutschland durch die Zuwanderung. Deutschland sei sehr viel sicherer, als ein Großteil der Bevölkerung es einschätze. Eine Rolle spiele die mediale Berichterstattung, oft blieben dabei Hintergründe zur Einordnung auf der Strecke.

Entwicklung der Anzahl aller angezeigten Straftaten in einem Jahr in Deutschland
Entwicklung der angezeigten Straftaten in Deutschland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dazu wird die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (PKS) angeführt und die Entwicklung der Kriminalität seit den Jahren 2015/16. In der PKS sind alle polizeilich bekannt gewordenen Delikte, aufgeschlüsselt nach Delikten und Tatverdächtigen, über den Zeitraum eines Jahres aufgeführt. Die Autoren räumen ein, die Statistik habe Schwächen, die deren Aussagekraft einschränke. Die Darstellung nach Delikten verdeutliche, in welchen Bereichen präventiver Handlungsbedarf besteht.

Der zweite Migrationsbericht der Malteser-Hilfe Der Bericht analysiert und bewertet den Stand von Zu- und Abwanderung, Flucht und Integration in Deutschland. Der wissenschaftliche Teil des von der Malteser Stiftung herausgegeben Berichts stammt federführend von Professor Lars P. Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts in Freiburg und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. September 2019 | 16:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 18:31 Uhr

42 Kommentare

Gerd Mueller vor 2 Tagen

die Nazis - die wir nach Befreiung und Entnazifizierung leider nicht alle los geworden sind und heute wie vor ca. 100 Jahren schäbig Volk spalten, 1933 in Reichstag zogen, von Konservativen ermächtigt wurden und dann Andersdenkende wegsperrte, und ermordete bevor und während Welt in schlimmsten aller bisherigen Kriege stürzte

Jens81 vor 2 Tagen

Der Großteil von denen arbeitet im Niedriglohnbereich, was aber auch besser als gar nichts ist, dieses ist auch klar. Aber man soll doch bitte aufhören so zu tun, als wären hier massenhaft Akademiker, Ärzte, Raketentechniker und Atomphysiker gekommen!

Arbeitende Rentnerin vor 3 Tagen

Als Kind habe ich gern Märchen gehört und daran geglaubt, jetzt glaube ich nur noch, was ich sehe und das sind Massen an Neubürgern quietschvergnügt am vormittag oder arbeiten die alle nachts? Das kann aber auch nicht sein, denn Nachtschichtler müssen am Tag schlafen um wieder Kraft zu haben, hatte lange Schichtarbeiter in der Familie, bitte liebe Leute, versucht nicht ständig, uns zu ver.......

Liebe Nutzer*Innen, wir haben unseren Kommentarbereich weiter entwickelt! Grundlage dafür waren auch die vielen konstruktiven Hinweise von Ihnen, wie z.B. zu doppelten Nutzernamen und das direkte Antworten auf einzelne Kommentare. Um nun mitzudiskutieren, registrieren Sie sich mit einer funktionierenden E-Mail-Adresse und klicken den Bestätigungslink an. Dann sollte es schon losgehen.
Einmal eingeloggt, können Sie in allen kommentierbaren Artikeln bei MDR.DE mitdiskutieren, können Ihre Kommentare verwalten und jederzeit einsehen. Wir können besser in die Diskussion kommen, Kommentare können von Ihnen bewertet und auch beantwortet werden, es ist ein übersichtlicherer Austausch möglich. Kommentare funktionieren in allen modernen Browsern. Gegebenenfalls müssen Sie ihren Browser aktualisieren.