Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.
2018 gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts 543 Masern-Fälle. Immer wieder kommt es lokal jedoch zu Häufungen, durch die die Gesamtzahl der Erkrankungen deutlich steigt. Bildrechte: dpa

Bundesweite Debatte Auch Nordrhein-Westfalen prüft Pflichtimpfung gegen Masern

Nachdem Brandenburg eine Impfpflicht an Kindergärten einführen will, kündigte auch Nordrhein-Westfalen an, dies schnell prüfen zu wollen. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), sprach sich für eine bundeseinheitliche Regelung aus.

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.
2018 gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts 543 Masern-Fälle. Immer wieder kommt es lokal jedoch zu Häufungen, durch die die Gesamtzahl der Erkrankungen deutlich steigt. Bildrechte: dpa

Nach Brandenburg strebt auch Nordrhein-Westfalen eine Masern-Impfpflicht an. Familienminister Joachim Stamp (FDP) sagte der "Rheinischen Post": "Das gilt auch für Kindergärten. Wie wir das dort umsetzen, werden wir prüfen". Seit Jahresanfang wurden in Nordrhein-Westfalen der Zeitung zufolge fast 100 Masernfälle gezählt.

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) befürwortete eine Impfpflicht. Er sei darüber im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der zuletzt einen Gesetzentwurf für verpflichtende Impfungen in Kitas und Schulen angekündigt hatte.

Giffey lobt Brandenburg

Parallel werden die Stimmen für eine generelle Impfpflicht in Deutschland lauter. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) unterstützte den Vorstoß Brandenburgs, wo der Landtag am Donnerstag eine Impfpflicht in Kindergärten beschloss.

Dies sei keine leichtfertige Entscheidung, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung, sagte Giffey dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND): "Es geht darum, Kinder vor einer lebensgefährlichen Krankheit zu schützen." Die Gesundheit der gesamten Bevölkerung setze der individuellen Freiheit Grenzen. Die SPD hat sich schon Ende März für eine generelle Impfpflicht ausgesprochen.

Klepsch für bundesweite Regeln

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), die derzeit der Gesundheitsministerkonferenz vorsitzt, äußerte sich zurückhaltender und fordert eine deutschlandweit einheitliche Lösung. Sie sagte dem RND: "Da die Masernerkrankungen ein bundesweites Thema sind, brauchen wir auch ein einheitliches Vorgehen."

Forderungen auch in Sachsen-Anhalt und Hamburg

Dessen ungeachtet fordern Politiker und Ärzte auch in anderen Bundesländern ein schnelles Vorgehen. In Sachsen-Anhalt sagte die Präsidentin der Ärztekammer, Simone Heinemann-Meerz am Samstag: "Im Interesse der Gesundheit aller kann die Unwissenheit und egoistische Haltung einiger weniger Impfgegner nicht weiter akzeptiert werden."

In Hamburg forderte die CDU nach Masern-Fällen in Schleswig-Holstein eine Impfung aller städtischen Mitarbeiter, die mit Kindern arbeiten. Außerdem solle der Besuch einer Kita dort für Kinder nur noch mit "einwandfrei nachgewiesenem Impfstatus" möglich sein, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion, Birgit Stöver.

Gegner: Impfentscheidung respektieren

Gegen eine Impfpflicht wandte sich die Medizinerorganisation "Ärzte für individuelle Impfentscheidung". Der Landtagsbeschluss in Brandenburg sei "der Versuch des Parlaments, mit der Verknüpfung von Kinderbetreuung und Impfstatus eine Impfpflicht durch die Hintertür einzuführen", sagte Vereinssprecher Steffen Rabe dem RND. "Das Recht der Eltern, nach kompetenter und ergebnisoffener Beratung eine individuelle, eigenverantwortliche Impfentscheidung zu treffen", müsse aber von öffentlichen Stellen und Institutionen respektiert werden.

Masern treten in Deutschland und anderen westlichen Ländern wieder verstärkt auf. Das liegt vor allem daran, dass ein Teil der Bevölkerung Impfstoffen zunehmend misstraut.

Was sind die Masern? Masern sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die von Mensch zu Mensch übertragen wird und weltweit vorkommt. Eine Masern-Infektion ist keine harmlose Kinderkrankheit. Auch Jugendliche und Erwachsene können Masern bekommen. Etwa bei jedem zehnten Betroffenen treten Komplikationen auf.

Eine Masern-Erkrankung zeigt sich zu Beginn mit hohem Fieber, Husten und Schnupfen sowie Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum und der Augen-Bindehaut. In der Regel befällt der für die Masern typische Hautausschlag dann die Gesichtshaut und breitet sich über den ganzen Körper aus.

Masern schwächen das Immunsystem, so dass andere Erreger schlechter abgewehrt werden können. So können Komplikationen entstehen, die häufig durch zusätzliche Erreger verursacht werden, beispielsweise Mittelohr- oder Lungenentzündungen.

Eine besonders gefürchtete Komplikation der Masern-Erkrankung ist die Gehirnentzündung. Sie tritt bei etwa einem von 1.000 Masernfällen auf. 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben daran. Bei 20 bis 30 Prozent bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen oder Lähmungen zurück.

Sehr selten tritt mehrere Jahre nach einer durchgemachten Masern-Infektion eine so genannte SSPE auf (subakute sklerosierende Panenzephalitis). Die SSPE ist eine fortschreitende Entzündung des Gehirns und des Nervensystems und verläuft immer tödlich. Besonders betroffen sind Kinder, die im ersten Lebensjahr an Masern erkrankt sind.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. April 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2019, 16:38 Uhr