Jens Spahn
Am Mittwoch brachte Gesundheitsminister Jens Spahn im Kabinett mehrere Gesetzesvorhaben ein. Darunter eine Bestimmung, die den Medizinischen Dienst unabhängig von den Krankenkassen machen soll. Bildrechte: dpa

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Spahn will Medizinischen Dienst von Kassen trennen

Wenn Sie eine Reha beantragen oder Angehörige haben, deren Pflegestufe geprüft wird, dann haben Sie mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, kurz MDK, zu tun. Er berät und erstellt Gutachten, wenn es um die gesetzliche Pflege- und Krankenversicherung geht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will den Medizinischen Dienst jetzt komplett reformieren und von den Kassen trennen. Was ist von den Plänen zu halten?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Jens Spahn
Am Mittwoch brachte Gesundheitsminister Jens Spahn im Kabinett mehrere Gesetzesvorhaben ein. Darunter eine Bestimmung, die den Medizinischen Dienst unabhängig von den Krankenkassen machen soll. Bildrechte: dpa

Bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen herrscht Freude: Seit 20 Jahren fordern sie bereits, dass der Medizinische Dienst von den Kassen sichtbar getrennt wird.

Weil das bei den Patienten immer das Gefühl hinterlässt, dass die Entscheidung, die der Medizinische Dienst trifft, möglicherweise durch die Krankenversicherung beeinflusst wird.

Carola Sraier, Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen

Kritik am Medizinischen Dienst

Seit fast 15 Jahren arbeitet Carola Sraier in der Patientenberatung. Da höre man naturgemäß nur die schlechten Geschichten, trotzdem sei es keine Seltenheit, dass sich Patienten über den MDK beschweren. So würden mitgebrachte Befunde oder ärztliche Atteste bei der Begutachtung manchmal ignoriert.

Besonders ärgerlich sei es, wenn man auf kostenintensive Hilfsmittel wie Rollstühle angewiesen sei, sagt Sraier: "Da haben wir immer wieder das Problem, dass der MDK gar nicht weiß, was es für Versorgungsmöglichkeiten gibt, was der Patient tatsächlich braucht und dann gibt es Gutachterschleifen, die dauern zum Teil bis zu einem halben Jahr und das hinterlässt uns als Patienten ratlos."

Dass der medizinische Dienst unabhängiger und zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts gemacht wird, sei nicht nur eine gute Sache für das Gefühl der Patienten, sondern auch für das Ansehen des Medizinischen Dienstes.

Reaktionen auf Spahns Vorschlag

Dagegen ist man bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen von der Reform nicht überzeugt. Für den Vorstandsvorsitzenden Klaus Heckemann ist es vielmehr ein umständlicher Etikettenwechsel: "Es wird viel Aufwand betrieben werden, um das alles umzustrukturieren. Und ich sehe eigentlich in der Summe keinen Nutzen darin." Heckemann rechnet mit zusätzlicher Bürokratie, wenn die Institution, die bundesweit 9.000 Beschäftigte hat, umgebaut wird.

Entspannt zeigt man sich beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Sachsen-Anhalt. Auch wenn die Umwandlung in eine Körperschaft aufwendig sei, habe man keine Bedenken, so Sprecherin Christine Probst. Weil: "Der Versicherte zu Hause da jetzt auch keine Veränderungen wahrnehmen wird. Zumal wir ja auch schon immer unabhängig gearbeitet haben."

Es handele sich eher um formale Aspekte, die sich durch das MDK-Reformgesetz in der Arbeit ändern würden. Auch an der Umlagefinanzierung über die Kranken- und Pflegekassen werde sich nichts ändern, sagt Sprecherin Christine Probst. Und sie begrüßt es, dass durch die Reform die Unabhängigkeit des Medizinischen Dienstes gestärkt werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2019, 05:00 Uhr

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17 Kommentare

20.07.2019 03:30 Jörg 17

Ich bin selber Mitarbeiter des MDK. Und wenn ich hier manche Kommentare lese, geht mir der Hut hoch. Alle schimpfen auf die Arbeit und die Ergebnisse des MDK, haben aber keine Ahnung. Wenn es den MDK nicht gäbe, wären die Kassen der Pflegekassen längst leer. Das Problem ist leider oftmals die Selbstwahrnehmung. Natürlich empfindet jeder seine Situation am schlimmsten und wünscht sich mindestens den höchsten Pflegegrad. Aber oftmals verwechseln die meisten, dass eine Fülle an Krankheiten und körperlichen Gebrechen nicht gleich einen Pflegeaufwand mit sich bringen. Und alleine um die Pflege geht es bei den Begutachtungen. Da werden Arztberichte nicht einfach ignoriert. Sie haben oftmals einfach nur keine Relevanz bei der Beurteilung der Pflege, weil sie eher krankheitsbedingte Informationen beinhalten. Für den Bereich der Pflegebegutachtungen kann ich versichern, dass diese unbeeinflusst von den Kassen erstellt werden. Letztendlich empfehlen wir und die Kasse entscheidet.

19.07.2019 12:58 Mane 16

Die Kosten die entstehen ist egal.Wir bezahlen es doch.

19.07.2019 10:32 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 15

@ Gerda Müller 14 Dann soll man aber bitte gleichzeitig aufzeigen, wie das alles finanziert werden soll.
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Was glauben sie den,wer privat ein Gutachten in Auftrag
gibt muß das auch privat bezahlen,das kann man doch nicht den staatlichen Versichernugen anlasten.
Und genau da will man hin,genauso mit dem runter fahren der Krakenhäuser,unser Staat ist völlig pleite.

18.07.2019 19:13 Gerda Müller 14

Wieso hacken eigentlich alle auf den Gutachtern des MDK herum. Ist man echt der Meinung, dass die Gutachter die Ergebnisse der Gutachten erwürfeln ?!? Die Gutachter haben strenge Vorgaben, welche von Pflegeexperten erarbeitet werden. Und dabei denkt man sich schon etwas. Die Gutachter ignorieren KEINE Befunde. Sie müssen eben nur pflegerelevante Diagnosen aufnehmen. Nur weil jemand viele Erkrankungen hat, muss er noch lange nicht pflegebedürftig sein. Das Gutachten des MDK ist auch für jeden transparent. Die Richtlinien sind für jedermann zugänglich. Und diese Richtlinien sind bindend. Da gibt es nichts dazu zu deuten. Wenn jeder den Begriff der Pflegebedürftigkeit selbst definieren würde, wären 98% der Deutschen pflegebedürftig. Und wer bezahlt das dann. Es wird immer nur verlangt. Dann soll man aber bitte gleichzeitig aufzeigen, wie das alles finanziert werden soll. Gemeckert ist schnell, aber Lösungen werden nicht gebracht.

18.07.2019 18:12 AUFSTEHEN 13

Ich denke schon positiver als hier viele Pessimisten. Unabhängig kündigen sich Kontrollen dann hoffentlich nicht wie z.Z. vorher an. Auch sollte die Zeit der Gefälligkeitsgutachten vorbei sein. Es war bisher Dilemma aber klar das wer die Leute bezahlt entsprechendes Handeln erwartete

18.07.2019 17:24 Skepsis angebracht 12

ein längst überfälliger Vorschlag. Ob allerdings diese verkrusteten Strukturen zum Wohle des Patienten aufgebrochen werden können, daran habe ich meine Zweifel.

18.07.2019 13:37 Gerd Müller 11

Wann sind Wahlen im Osten?
Alles Wahlkampf, danach ruhesanft. Jetzt wird alles versprochen, danach wird alles gebrochen, wie immer.

18.07.2019 13:16 Michael 10

Ob der MDK von den Krankenkassen losgelöst wird oder nicht, hat mit Unabhängigkeit rein gar nichts zu tun. Da der MDK in Deutschland eine monopolistische Alleinstellung hat und es keine Alternative oder Konkurrenz gibt, wird der MDK nach wie vor keine gerechten Entscheidungen treffen, da der Strukturaufbau sowieso diktatorische Züge aufweist. Das was der MDK sagt und entscheidet ist Gesetzt, basta!!! Die Möglichkeit gegen eine Entscheidung des MDK mit einer objektiven, fachlichen Zweirmeinung vorzugehen, ist sinnlos, nicht möglich, da sie eh nicht anerkannt wird und liegt in der Erfolgsaussichten sowieso nahe Null Prozent!!!

18.07.2019 13:11 Willy 9

der MDK , ist auch zum Teil die reinste Katastrophe haben es selber erlebt nach dem Widerspruch erst was einem sehr aufreibt, dann erst die Genehmigung der höheren Pflegestufe, sowie unmögliches Verhalten wenn sich diese einen Tag zuvor im Pflegeheim / Altersheim ankündigen unmöglich , große Sauerei dazu ist das !

18.07.2019 12:35 Frank 8

Nicht reformieren, sondern AUFLÖSEN und mit neuen Mitarbeitern neu gründen, nur so wird es besser!!! Vielleicht hören dann die Ferndiagnosen wie beim MDK endlich auf. Was der MDK allerdings prima konnte: Ablehnen, obwohl die Ärzte des Patienten dafür waren!!(eigene Erfahrung)