Ein junger Mann hebt seine geballte Faust.
Mit dem Zuzug junger Flüchtlinge ist auch die Zahl der Gewalttaten angestiegen - das ergab eine kriminologische Studie für Niedersachsen. Bildrechte: dpa

Studie Mit jungen Flüchtlingen steigt Zahl der Gewalttaten

Seit 2014 nehmen die Gewalttaten in Deutschland wieder zu. Wie hängt das mit dem Zuzug von Flüchtlingen zusammen? Das hat der bekannte Kriminologe Pfeiffer im Auftrag des Bundesfamilienministeriums nun für Niedersachsen untersucht - mit dem Ergebnis eines direkten Zusammenhangs. Überraschend dabei: Die Gewalt von Flüchtlingen trifft besonders häufig andere Migranten. Doch diese Entwicklung lasse sich aufhalten, sagt Pfeiffer.

von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Ein junger Mann hebt seine geballte Faust.
Mit dem Zuzug junger Flüchtlinge ist auch die Zahl der Gewalttaten angestiegen - das ergab eine kriminologische Studie für Niedersachsen. Bildrechte: dpa

Der Trend war günstig - die Zahl der Gewalttaten ist seit 2012 kontinuierlich gesunken, seit 2014 aber zeigt die Kurve nach oben. Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat das für Niedersachsen genauer untersucht, die Zahlen sind repräsentativ. Pfeiffer hält deshalb folgende These nun für belegt. Mit dem Zuzug junger Flüchtlinge steige die Zahl der Gewalttaten, sagt er im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Bildung und Chancen lassen Gewaltkriminalität sinken

Die Politik könne den Trend aber stoppen, meint Pfeiffer. "Nehmen wir doch mal die Tatsache, dass die türkisch-stämmigen Jugendlichen eine deutlich sinkende Gewaltkriminalität in Deutschland haben. Warum? Weil sie hier an der Bildung teilhaben konnten, weil sie inzwischen angekommen sind und das ist ein langer Prozess. Der muss jetzt auch eingeleitet werden, mit denen, die aus den Kriegsgebieten kommen und denen wir Chancen vermitteln, und da müssen wir dran bleiben."

Vor allem junge Männer seien nach Deutschland gekommen. Eine Altersgruppe, die unabhängig von der Herkunft besonders häufig straffällig werde, heißt es in der Studie. Und: Die Gewalt von Flüchtlingen trifft besonders häufig andere Migranten. Bei den Tötungsdelikten sind es 90 Prozent, bei schwerer Körperverletzung gilt das für drei Viertel der Taten.

Unterschiede bei Herkunft der Gewalttäter

Grafik der Straftaten gegen Asylbewerber/Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt in den Jahren 2015, 2016 und im ersten Halbjahr 2017
Die Gewalt von Flüchtlingen trifft besonders häufig andere Migranten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auffallend findet Pfeiffer auch, dass es große Unterschiede gibt bei der Herkunft der ermittelten Gewalttäter. "Einerseits eine große Gruppe die Kriegsflüchtlinge, die alles vermeiden, was irgendwie Probleme schaffen könnte, die ihre Chancen nicht kaputt machen wollen, hier längere Zeit bleiben zu dürfen und die sich deswegen relativ angepasst und brav verhalten. Und dann die anderen, die bald begriffen haben, hier können wir nur schwarz arbeiten oder später Straftaten begehen, um unser Leben später zu finanzieren." 

Anreize für freiwillige Rückkehr schaffen

Ein Deutschkurs für Flüchtlinge findet am 08.02.2016 in der Gemeinschaftsunterkunft in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Drei ehrenamtliche Lehrkräften helfen den Asylbewerbern in der Gemeinschaftsunterkunft beim Erlernen der deutschen Sprache.
Kriminologe Pfeiffer rät, Anreize auch für jene zu schaffen, die Deutschland wieder verlassen müssen. Bildrechte: dpa

Die anderen, das sind vor allem Nordafrikaner aus Marokko, Algerien und Tunesien. Pfeiffer fordert von der Politik bessere Konzepte für alle, die nicht bleiben können.

Anreize schaffen zum Beispiel für eine freiwillige Rückkehr. "Den Menschen, die hier keine Perspektive haben eine solche für zu Hause vermitteln, indem man, obwohl sie nicht hier bleiben sollen, ihnen trotzdem deutsche Sprachkurse anbietet, solange sie eben hier sind oder auch Kurse, die ihnen praktische Fähigkeiten vermitteln. Das erhöht ihre Chancen zu Hause, dann doch einen Job zu finden und rückkehrwillig zu werden."

Mehrheit der Täter sind Deutsche

Das Bundesfamilienministerium hatte die Studie in Auftrag gegeben. Aus ihr geht auch hervor, dass nach wie vor die meisten Gewalttaten von deutschen Tätern begangen werden. Bei knapp 16.000 Delikten im Jahr 2016 in Niedersachsen wurden gut 11.000 deutsche Verdächtige ermittelt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2018 | 06:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 18:23 Uhr

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128 Kommentare

05.01.2018 15:52 Auf der Sonnenseite des Lebens 128

"Mit jungen Flüchtlingen steigt Zahl der Gewalttaten"

und Schulz stellt als Bedingung für eine GroKo den uneingeschränkten Familiennachzug.
mit den Worten:
nun wird sich zeigen ob die Union eine stabile Regierung wolle.

dann wollen wir mal abwarten

05.01.2018 15:04 Rico 127

@Klaus Um ihr Anliegen zu verstehen, noch mal die klare Nachfrage: Sie wollen also alle der weltweit ca. 65 Millionen Flüchtlinge, die es wollen, in Deutschland aufnehmen?

05.01.2018 14:46 Rico 126

@Nr.92 Klaus "{ Rico 39 ... Man kann auch mit einem Küchen- oder Taschenmesser jemanden umbringen! }
Natürlich kann man das im Einzelfall, aber versuchen Sie damit mal einen Krieg zu führen." Sie haben es nicht verstanden, hab ich schon geahnt! Jemand der Waffen herstellt, ist doch nicht Schuld an einem Krieg, sondern derjenige, der sie auch benutzt! Und wenn es andersherum jetzt keine "klassischen" Waffen mehr geben würde, würden die Leute, die diese kriegerischen Auseinandersetzungen wollen, dies eben mit dem tun, was sie dann zur Verfügung haben! Und noch mal deutlicher, heutzutage könnte sich jeder eine Waffe besorgen, da müsste es ja überall wilde Schiessereien geben.... Jetzt verstanden?

05.01.2018 10:50 Klaus 125

{ Wieland der Schmied 108 }
Genau das sage ich ja, das sind die Folgen unserer Waffen- und Kriegspolitik. Und mit "uns" sind die G8-Staaten und 4-5 weitere Waffen-Staaten gemeint.

05.01.2018 10:43 Klaus 124

{ Ludwig 116 }
In Marokko bin ich auch schon herum spaziert, aber versuchen Sie das mal in Libyen oder Mali.
Aber das ist doch wieder typisch Besorgtenargumentation. Man holt ein kleines Beispiel hervor und versucht damit das auf alles zu beziehen. Nordafrika ist deutlich mehr als Marokko, das sollte sogar ein Besorgter wissen.

05.01.2018 10:32 Klaus 123

{ ralf meier 118 }
Das kommt eben darauf an wie viel Gewalt erlebt wurde und wie gut das jemand verkraften. Wenn jemand Alkohol trinkt, baut er nicht zwangsläufig einen Unfall, aber das Risiko ist auf jeden Fall höher. Mit der erlebten Gewalt ist das ebenso.

05.01.2018 10:27 Klaus 122

{ Wo geht es hin? 113 }
Sie müssen schon unterscheiden, was ich geschrieben habe und was Besorgte verstehen wollen. Ob das gelingt, das ist eine andere Frage.

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05.01.2018 08:38 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 121

@ 115:
Na, dann solltest Du ja auch keine 'Ängste' entwickeln, wenn zu unserem multikulturellen Beisammensein noch ein paar Syrer, Libyer oder Marokkaner ihre Kultur beitragen.

Die Einzelfälle an Gewalttaten sind bedauerlich, aber eben auch nur eine 'Ausnahme von der Regel' der friedfertigen Flüchtlinge.
Auch die Sachsen oder Niedersachsen sind in der Regel eher friedfertig und nicht ein 'ausländerjagender Monokultur-Mob'.

Als die DDR der Bundesrepublik beitrat, erhöhte sich auch die Anzahl der Gewalttaten. Es wäre ja auch naiv zu denken, bei 17 Mio. Neubürgern gäbe es keine Erhöhung der Zahl der Gewalttaten.

Und das habe ich den 'NBL' auch nachgesehen...
warum sollte ich nun die '2015er Flüchtlinge' anders behandeln, auch wenn es 'keine Deutschen' sind?

04.01.2018 23:10 Rico 120

@Nr.110 Ludwig Richtig! Und eventuell können uns ja die Gutmenschen mal erklären, warum sie (und die Politiker) glauben, dass hier bei der unkontrollierten Einreise vermeintlich nur die "Guten" hergekommen sind und ihre Auseinandersetzungen bei uns fortführen wollen?

04.01.2018 21:55 Bingo 119

Pfeiffer warnt...falsch, Pegida, warnt seit Jahren und hat Recht.