Drei Prozent weniger Mehrwertsteuersenkung soll Verbrauchern 20 Milliarden Euro sparen

Ab dem 1. Juli sinkt die Mehrwertsteuer – und soll damit helfen, die wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise zu überwinden. Doch nicht alle sind von der Senkung überzeugt. Zudem könnte die Senkung in den einzelnen Branchen ganz unterschiedlich beim Kunden ankommen.

Quittung mit Mehrwertsteuer und Geldscheinen
Um drei beziehungsweise zwei Prozent sinkt die Mehrwertsteuer – damit soll der Konsum angeregt werden. Bildrechte: imago images / Steinach

Zweites Corona-Steuerhilfegesetz. Der Name ist etwas sperrig. Aber es geht ja um den Inhalt, sagt CSU-Chef Markus Söder und verspricht "eine der größten Steuersenkungen der letzten Jahrzehnte, kann man sagen".

Denn die Verbraucher sollen im nächsten halben Jahr rund 20 Milliarden Euro sparen: Um drei Punkte sinkt ab 1. Juli die Mehrwertsteuer; von 19 auf 16 Prozent. Der reduzierte Steuersatz, zum Beispiel für Lebensmittel, sinkt von sieben Prozent auf fünf.

Im Schaufenster eines Modegeschäft stehen Schaufensterpuppen mit Atemmasken
Wegen der Corona-Pandemie lag das wirtschaftliche Leben über Wochen brach. Bildrechte: MDR /Karina Heßland

Ein Päckchen Butter im Supermarkt für aktuell 1,70 Euro kostet dann also drei Cent weniger. Ein Jackett im Kaufhaus für 170 Euro wird vier Euro billiger, bei der neuen Sofagarnitur für 1.700 Euro macht die Steuersenkung 42 Euro aus.

Die günstigeren Preise sollen die Kunden zum Kaufen animieren – corona-gebeutelte Einzelhändler warten genauso dringend auf ein lebhafteres Geschäft wie die Warenhäuser.

"Das Konsumklima ist am Boden, die Kunden halten sich zur Zeit jetzt noch zurück, obwohl alles wieder offen ist. Deshalb braucht der Handel einen Impuls", sagt Ralph Brügelmann, Sprecher des Handelsverbandes Deutschland. Aber geben Supermärkte und Möbelhäuser die Steuersenkung überhaupt an ihre Kunden weiter?

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Mehrwertsteuer soll sinken - 300 Euro Kinder-Bonus

MDR AKTUELL Mo 29.06.2020 09:06Uhr 02:49 min

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Mehrwertsteuersenkung: Unterschied zwischen Auto- und Lebensmittelkauf

Das kommt sehr auf die Branche an, sagen Experten. Beim Autohändler ist der Endpreis ohnehin Verhandlungssache; in Kaufhäusern müssen in der Nacht zum 1. Juli zehntausende Artikel umetikettiert werden. Und im Lebensmittelhandel hat die nächste Runde im Kampf um die Kunden schon vorletzte Woche begonnen: Lidl senkte diesmal die Preise diesmal als erster – was der nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerin Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Verbraucherinnen und Verbraucher, sagt Ursula Heinen-Esser, sollten auch auf die Qualität der Lebensmittel achten:

Je niedriger die Preise sind, und je weniger die Preise den Wert des Lebensmittels tatsächlich widerspiegeln – desto größere Probleme hat man mit Arbeitsbedingungen in Betrieben und mit Tierschutz-Standards.

Ursula Heinen-Esser Verbraucherschutzministerin Nordrhein-Westfalen

Trotzdem: Je mehr die Verbraucher im nächsten halben Jahr konsumieren, desto mehr können sie – rein rechnerisch – sparen. Von der Mehrwertsteuersenkung profitieren alle Einkommensgruppen – und am Ende der Staat, denn wenn die Konjunktur nach der Corona-Delle wieder in Schwung kommt, nutzt das am Ende dem Finanzminister, den Sozialkassen und natürlich auch vielen, die durch die Pandemie arbeitslos geworden sind.

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Die Reaktionen reichen von „richtiges Signal“ bis „ungerecht“

MDR AKTUELL Mo 29.06.2020 06:06Uhr 02:45 min

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Kommt der "Wumms"?

"In der Summe rechnen wir damit, dass das Konjunkturpaket die wirtschaftliche Leistung um 1,3 Prozentpunkte stützen wird, das heißt: den Aufprall etwas dämpft", sagt Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Es geht um viel beim Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz der Bundesregierung – neben der ersten Mehrwertsteuersenkung in der Geschichte der Bundesrepublik bringt es auch noch den Familienbonus von 300 Euro pro Kind, und Milliardenhilfen für Unternehmen und Kommunen.

Zweifel bleiben trotzdem, zum Beispiel beim FDP-Finanzexperten Christian Dürr: "Olaf Scholz hat ja davon gesprochen, dass das Konjunkturpaket einen Wumms auslösen soll – ich glaube, dieser Wumms bleibt aus", sagt Dürr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2020 | 09:06 Uhr

118 Kommentare

Kritiker vor 4 Tagen

@Wessi: "Motor" für den Konsum??? wird es nichts bringen, denn am Ende zählt beim Konsum der Bürger nur was ihm (dem Bürger) der jeweilige Geldbeutel finanziell gestattet bezahlen zu können. Jegliche Preissteigerung ist also wie Gift für solche Vorhaben, wie der MwSt.-Senkung! Menschen mit entsprechenden finanziellen "Rückenhalt" kaufen sicherlich lieber billiger ein im Vergleich zu den Konsens der Steuersenkungserwartung aus der Politik mit mehr Umsatz wegen weniger MwSt. Ob da nun die MwSt. auf 16% statt 19% oder auf 5% statt 7% gesenkt wird. Am Ende bekommt man mehr wenn es billig ist, aus dem Grundpreis heraus, als allein durch die Senkung der MwSt.

Kritiker vor 4 Tagen

@Wessi: Ich wurde nicht sozialisiert und werde auch in diesem D, wie es jetzt ist, auch nicht einseitig sozialisiert. Setzen wir mal eine Stufe tiefer, das Sie und ich in zwei unterschiedlichen Gesellschaften lebten und ob nun 35 Jahre Leben in DDR und danach 30 Jahre leben in BRD jede Erfahrung aus solchen Zeiten, wie auch die Einstellungen eines Jeden aus solchen Zeiten beinhaltet nicht nur positive Seiten. Niemand hat das Recht sagen zu wollen: ES GEHT ODER HAT NUR ALLEIN NACH IHM ZU GEHEN! Dazu ein Gott sei Dank(!) statt Ihrer Anführung von =leider=!

Wessi vor 4 Tagen

sh. ..ich werde nicht belegen müssen, daß liebevolle Eltern ihren Kindern nicht das Geld zukommen lassen.Unternehmen profitieren letztendlich auch.Sie behaupten irgendwelchen Unsinn+verlangen, daß man diesen Unsinn mit Belegen widerlegt? Selbst, daß der Verein was anderes als eben ein Verein wäre, ist moralisch...und vor allem, das ist ein Kommentar,also meine Meinung,eben richtig.Das sage ich+ich darf es!