Israel-Flagge mit Davidstern bei Antisemitismus-Gedenken vor Reichstag in Berlin
Israelische Flagge am 11. Januar 2019 bei einem Antisemitismus-Gedenken vor dem Reichstag in Berlin. Bildrechte: imago/Christian Spicker

Vor Holocaust-Gedenktag Merkel fordert "null Toleranz" gegen Antisemitismus

Am Vortag des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar hat Bundeskanzlerin Merkel zu "null Toleranz" gegen Antisemitismus aufgerufen. Die frühere Zentralratspräsidentin Knobloch beklagte eine Zunahme des Judenhasses in Deutschland und eine "Pogromstimmung" in sozialen Netzwerken.

Israel-Flagge mit Davidstern bei Antisemitismus-Gedenken vor Reichstag in Berlin
Israelische Flagge am 11. Januar 2019 bei einem Antisemitismus-Gedenken vor dem Reichstag in Berlin. Bildrechte: imago/Christian Spicker

Einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel jeden einzelnen Bürger zu "null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn" aufgerufen. Die CDU-Politikerin sagte am Samstag in ihrem wöchentlichen Video-Podcast: "Dieser Tag lässt uns daran erinnern, was Rassenwahn, Hass und Menschenfeindlichkeit anrichten können." Diese Erinnerung sei wichtig, um eine Wiederholung zu verhindern.

Es ist ein Tag der Mahnung, damit sich so etwas niemals wiederholt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Video-Podcast vom 26. Januar 2019

Verschiedene Formen des Antisemitismus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht bei der Zentralen Gedenkveranstaltung vom Zentralrat der Juden in Deutschland zum 80. Jahrestag der "Pogromnacht" von 1938 in der Synagoge Rykestraße.
Merkel beim "Pogromnacht"-Gedenken am 9. November 2018. Bildrechte: dpa

Die Kanzlerin verwies in dem Zusammenhang auf das 2018 geschaffene Amt des Bundesbeauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus und auf die geplante bundesweite Meldestelle für judenfeindliche Übergriffe.

Man sehe heute sehr verschiedene Formen des Antisemitismus, kritisierte Merkel: "Einmal der Hass auf Juden durch die hiesige Bevölkerung, aber auch durch zugewanderte muslimische Menschen, die diesen Hass auf ganz andere Weise noch einmal zum Ausdruck bringen."

Knobloch: Judenhass "von allen Seiten"

Auch die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden und jetzige Vorsitzende der Israelitschen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, forderte anlässlich des bevorstehenden Holocaust-Gedenktags einen entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland. Knobloch sagte der "Neuen Passauer Presse", der Judenhass habe hierzulande wieder deutlich zugenommen: "Wir erleben ihn von allen Seiten - von der politischen Linken, von Rechtsextremen wie der AfD und von Muslimen, die den Judenhass mit einer Israelfeindlichkeit verbinden."

"Pogromstimmung in sozialen Netzwerken"

Charlotte Knobloch
Knobloch: "Judenhass wieder deutlich zugenommen." Bildrechte: dpa

Antisemitismus habe es immer gegeben, aber so wie in der heutigen Form habe sie ihn in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt, sagte die 86-Jährige, die auch eine "Pogromstimmung in den sogenannten sozialen Netzwerken" anprangerte.

Knobloch forderte einen "Aufschrei der gesellschaftlichen und politischen Institutionen" und "gesellschaftlichen Widerstand" gegen zunehmenden Judenhass in Deutschland. Gegen das Vergessen sei es wichtig, den 27. Januar als Erinnerungsdatum an den Holocaust wachzuhalten.

Gedenken an Auschwitzbefreiung am 27. Januar

Am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen 1945, wird alljährlich der knapp sechs Millionen ermordeter europäischer Juden sowie der anderen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Auch der Bundestag erinnert jedes Jahr in einer Feierstunde an die Toten der NS-Verbrechen. Sie findet in diesem Jahr allerdings erst am kommenden Donnerstag statt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2019 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 16:37 Uhr

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98 Kommentare

28.01.2019 16:12 Wessi 98

@ 94 ....NEIN! Das "Tätervolk" kann sich nun nicht feige vor der Verantwortung drücken.Solange es lebende Opfer gibt oder auch die direkten Nachfahren der Opfer, muß man sich damit abfinden, daß es immer wieder erwähnt wird.Jeden der "es muß doch mal Schluß" sein meint, empfinden Opfer als potentiellen Täter.Und anmaßend,frech+"typisch" empfinde ich die Aufforderung man hätte jetzt genug gehört.Leute wie Sie erdreisten sich den Opfern od. deren Nachfahren (auch den politischen) vorzuschreiben, wie lange sie Taten verbalisieren.Auf der anderen Seite wird z.B. der große Bombenangriff auf Dresden bejammert.Es gilt nicht was das "Tätervolk" will, hier haben die Opfer das Sagen!"Vorwärts UND NICH VERGESSEN!

28.01.2019 15:55 Udo K 97

@ DER Beobachter 87
Wenn Sie tatsächlich Ihrem Nick entsprechend handeln, können Sie sehr leicht selbst herausbekommen, was die Antwort auf Ihre Fragen sind. - Man muss nur erkennen wollen!
"Knobloch-und Muslim-Basher" ist Ihre Wortschöpfung, man könnte auch Kritiker dazu sagen.
Die benannten Drohungen sind selbstverständlich zu verurteilen, so reagiert man einfach nicht. Allerdings geschieht ein solches Fehlverhalten leider auf beiden Seiten.

28.01.2019 15:17 Querdenker 96

Ergänzung zu meinem Beitrag 40.

Der Gedenktag ist natürlich sehr wichtig. Allgemein ist jedoch zu sagen, dass immer mehr Bürger in unserem Land die „Dauerbeschallung“ mit der Vergangenheit ablehnen. Das hängt ggf. auch mit politischem Missbrauch für Propaganda zusammen. Wenn die „Nazikeule“ ständig geschwungen wird, dann wird die halt mit der Zeit ziemlich stumpf.

siehe „sueddeutsche Deutschland missbraucht den Holocaust für seine Politik“
Zitat „Kaum ein anderes Land in Europa hat in den vergangenen Jahren so viel aus der NS-Geschichte heraus begründet, gerade Umstrittenes; und keinem anderen Land steht das schlechter zu Gesicht.“

siehe „sueddeutsche Deutsches Verhältnis zum Holocaust Die Schlussstrich-Befürworter“
Zitat: „81 Prozent der Deutschen möchten die Geschichte der Judenverfolgung "hinter sich lassen", sagt nun eine Studie der Stiftung. 58 Prozent möchten definitiv einen "Schlussstrich" ziehen.“ (Anmerkung: Studie der Bertelsmann Stiftung)

28.01.2019 14:02 Kritischer Bürger 95

@ 79: Ganz genau auf den Punkt gebracht!!! Nur eben Politiker, wie politisch einseitig ausgerichtete Meinungen müssten diesen Unterschied zwischen VERALLGEMEINERUNG und EINZELHEITEN noch lernen zu begreifen. Das beginnt bei vielen Politikern(innen) und endet bei zu vielen Bürgern, wie man hier in den einzelnen Zeilen lesen kann!
Ich nehme keinerlei Schuld auf mich, geschweige dafür Verantwortung zu übernehmen was vor meiner Geburt geschah. Meine Eltern und Großeltern haben nichts mit Nazionalsozialismus in ihrer eigenen Lebenszeit zu tun gehabt, geschweige diesen zur entsprechenden Zeit gehuldigt oder sich parteilich festgelegt! Weder bei Sozialisten, Kommunisten oder gar bei Nazis(ten)! Zu schwer war das damalige Leben meiner Großeltern, Eltern, wie auch sicher für viele hunderttausende andere Mitmenschen dieser Zeit, für diese Kriegsgeneration um selbst über den eigenen Alltag zu kommen.

28.01.2019 13:51 Kritischer Bürger 94

@Wessi 77: +...Und kommen sie mir nicht mit: "man konnte ja nichts tun".Dazu sind in den KZs zu viele Kommunisten+Sozialdemokraten von ihren Mitbürgern ermordet worden.....+
Wer sich kaum oder gar nicht mit der "eigenen Verantwortung oder auch Schuld" für die begangenen Taten der Vergangenheit aus dieser Zeit beschäftigen will braucht, sich nicht zu schämen. Genug wurde von Faschismus und Nazionalsozialismus in den Schulen der DDR gepredigt da bedarf es irgendwann keinerlei Verantwortung jener Mitmenschen die wie ich Anfang der 50iger Jahre geboren wurden. Grass ausgedrückt: Die Vergangenheit sollte man entweder ruhen lassen bevor zu viele die Nase voll haben, oder niemanden Schuldgefühle aufdrängen, der weder von Krieg noch von den poli. Macht-Verhältnissen damals etwas mitbekam oder gar selbst tätig gewesen sein konnte für diese oder jene Seite der Gesellschaft dieser Zeit-dieser Vergangenheit. ODER wie vorab kommentiert: Nur TÄTER nicht ALLE BÜRGER.

28.01.2019 13:38 Kritischer Bürger 93

@Udo Degen 75: +...„Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen”
Misterpräsident Bodo Ramelow (Linke) dagegen sagte auf MDR-Anfrage, die Benennung der Täter sei "unverzichtbar" Das gelte auch für einstige Aufseher, und sei nicht nur eine juristische, sondern auch eine Frage der politischen Aufklärung: ...+
>...die Benennung der Täter sei "unverzichtbar" ...<
GANZ GENAU==DIE TÄTER, NICHT das ganze Volk!!
Heute wie damals. Nichts gegen Links, aber genau diese Seite der Politik hat von 1961-1989 auch nichts besser gebracht in der betreffenden Zeit der DDR. Die Kleinen .... genau und die GROSSEN.... auch ganz genau. Schlüsselwort: Politische Ausrichtung oder Einstellung. Die Einen, die poli. richtigen Gro(ö)ssen, hatten beste Chancen auch wenn noch so dumm waren und die Anderen .... naja. Nicht das Thema,aber eine Antwort auf Ihren Kommentar und den vieler Anderen hier!

28.01.2019 10:44 Werner 92

@DER Beobachter 87: Auf der Facebook-Seite der "Juden in der AfD" kann man ein diesbezügliches Statement, und viele Kommentare lesen. Nach mehrfachen Irrungen und Wirrungen, versuche ich immer, das Original zu finden.
Auf riesigen Ärger können wir alle bei diesem ausgesprochen heiklen Thema verzichten.

28.01.2019 10:21 ups 91

Null Toleranz gegen Antisemitismus ist doch auch nur ein Lippenbekenntnis. Unsere Justiz bräuchte doch nur entsprechend handeln. Wo liegt denn nun das Problem? Trotzdem bin ich der gegenteiligen Meinung von Frau Knobloch, das es unter der deutschen Bevölkerung der Judenhass zugenommen hätte. Das ist schlicht und ergreifend und zum Glück Unsinn.

28.01.2019 10:21 jochen 90

Die Verursacherin des Chaos fordert Toleranz - LACH.
Das kann die nur in diesem Land veranstalten.
Die Leute sind träge und gesättigt - das ist unser Problem.

28.01.2019 07:28 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 89

@ 86:
Dein Aufruf gegen Ausgrenzung und Gewalt hört sich wunderbar an!

Wenn Du diesen Aufruf ernsthaft meinst, fängst Du am besten gleich bei Dir an und hörst auf, Menschen auf Grund ihrer islamischen Religion generell als Verbrecher oder Straftäter anzusehen. Nicht jeder Moslem ist ein Gewalttäter, nicht jeder Elektronikingenieur ist ein "Zerstörer des guten Alten": Diesel-Verbrenner erzeugen nun mal einen großen Teil der Stickoxyd-Emmissionen, daher verbietet man ihren Einsatz an besonders belasteten Stellen. Meiner Meinung nach ist dies völlig unzureichend und ein weiterer Einsatz von Verbrennungsmotoren verbietet sich mMn. komplett... aber dafür sind wir Deutschen noch nicht flexibel genug. Ein anderes Thema.

Daß man Populisten, die auf Ausgrenzung und Verächtlichmachung setzen, sehr ernst nehmen und sie tatkräftig behindern muß, zeigt der Blick ins Jahr 1933.