Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, geht neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, beim Gelöbnis im Bendlerblock.
Merkel und ihre neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer bei der Gelöbnisfeier anlässlich des 75. Jahrestages des Hitler-Attentates im Bendlerblock. Bildrechte: dpa

75. Jahrestag des Hitler-Attentats Merkel erinnert an "moralische Pflicht" zum Widerstand

Zum 75. Jahrestag des Hitler-Attentats hat Kanzlerin Merkel Oberst Stauffenberg und die anderen Verschwörer des 20. Juli 1944 gewürdigt. In einigen Momenten habe der Einzelne die "Pflicht" zum Widerspruch und Widerstand, sagte sie bei einem Gelöbnis von Bundeswehr-Rekruten im Berliner Bendlerblock.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, geht neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, beim Gelöbnis im Bendlerblock.
Merkel und ihre neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer bei der Gelöbnisfeier anlässlich des 75. Jahrestages des Hitler-Attentates im Bendlerblock. Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum 75. Jahrestag des Attentates auf Adolf Hitler den Mut der Gruppe um den Attentäter Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg gewürdigt. "Es gibt Momente, in denen Ungehorsam eine Pflicht sein kann", sagte die CDU-Politikerin am Samstag beim feierlichen Gelöbnis von 400 Bundeswehr-Rekruten anlässlich des 20. Juli 1944 im Berliner Bendleblock.

"Moraliche Pflicht" des Einzelnen

Claus Graf Schenk von Stauffenberg
Oberst im Generalstab Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944). Bildrechte: dpa

In einigen Momenten habe "der Einzelne die moralische Pflicht" zu widersprechen und sich zu widersetzen, fuhr Merkel in ihrer Ansprache an die Soldaten fort. Dabei verwies sie auch auf das im Grundgesetz verankerte Recht zum Widerstand. Stauffenberg und seine Verbündeten hätten sich nicht auf ein solches Recht berufen können und trotzdem den Versuch gewagt, "das nationalsozialistische Unrechtsregime zu stürzen, in vollem Bewusstsein persönlicher Konsequenzen".

Die Widerstandskämpfer seien deshalb Vorbilder und ihre Haltung und ihr Mut müssten "uns auch heute leiten", um Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten, forderte die Kanzlerin. Auch das sei "Dienst für unser Land".

Merkel kündigt höhere Verteidigungsausgaben an

Merkel kündigte an, dass die deutschen Verteidigungsausgaben weiter steigen werden. Sie sagte, die Bundeswehr brauche für die Erfüllung ihrer Aufgaben mehr Unterstützung, Ausrüstung und Ausbildung. Deshalb habe die Bundesregierung bereits die Verteidigungsausgaben gesteigert und werde das auch weiter tun.

Kramp-Karrenbauer verspricht vollen Einsatz

Auch die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer versprach der Bundeswehr bei ihrem ersten großen Auftritt mehr Unterstützung und sicherte den Soldaten vollen Einsatz für deren Belange zu.

In ihrer Rede machte die neue Oberbefehlshaberin gleichzeitig deutlich, worauf sie in der Truppe Wert legt. Sie sagte, der soldatische Dienst erfordere Gehorsam, aber keinen blinden und erst recht keinen Kadavergehorsam.

Kranzniederlegung für Stauffenberg und Kameraden

Gedenkstätte Deutscher Widerstand Bendlerblock Berlin
Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock: An dieser Stelle wurden Stauffenberg und andere Mitverschwörer in der Nacht zum 21. Juli 1944 erschossen. Bildrechte: imago images / Jürgen Ritter

Im Anschluss an die Vereidigungszeremonie legten Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer im Bendlerblock einen Kranz für Stauffenberg und seine Mitverschwörer nieder. Die Offiziere waren unmittelbar nach dem gescheiterten Putsch des 20. Juli 1944 im Hof des Gebäudekomplexes, in dem seinerzeit das Allgemeine Heeresamt des Oberkommandos des Heeres (OKH) seinen Sitz hatte, erschossen worden. Heute ist der Bendlerblock der Berliner Dienstsitz des Bundesverteidigungsministeriums.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2019, 14:12 Uhr

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44 Kommentare

22.07.2019 18:28 Gerd Müller 44

Ein Freiheitskämpfer oder Friedensstifter war Oberst im Generalstab Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) nicht. Ohne willfähige wäre AH nichts. Nur durch seine Überzeugungstäter die später alle unschuldig von nichts was wussten, wären millionefaches Völkermorden nicht möglich gewesen.

22.07.2019 09:52 Karl Stülpner 43

Richtig. Die Menschen haben Verstand. Und da können sie schon abwägen, wem sie einen Eid schwören und wem nicht. So einfach so gut. Stauffenberg war schon mit 36(!) Oberst der Wehrmacht. Das war damals auch schon eine Karriere auf der Überholspur. Das wiederum zeigt seine Verbundenheit zum damaligen System. Erzählt wird nun, dass Stauffenberg nach seiner Verwundung eine Art göttlichen Lichtblick gehabt hat. Das ist für mich die Wandlung vom Saulus zum Paulus. Das Wort Gottes macht jeden irdischen Eid hinfällig. Diese Erscheinung im Angesichts des Todes ist wahrhaftig. Jeder sollte mit einer solchen Erscheinung rechnen.

22.07.2019 08:29 winfried 42

Im Verlauf der Debatte hier im Forum, sind mir zwei Fragen gekommen:
1. Zu welchem Zeitpunkt fand das Attentat statt ?
(NS-Machtübernahme 01/1933, WK-Beginn 09/1339, Stalingrad-Kapitulation 01/1943)
2. Wohin sollte "Das Reich" nach einem gelungenen Attentat gehen ?!

Ich finde, Frage 2. findet zu wenige Antworten, hier im Diskurs und im öffentl. Leben.

22.07.2019 07:07 Wo geht es hin? 41

@Jan - Zitat von Ihnen: "Zudem, hat Frau Merkel in keiner Weise zu Widerstand gegen die AFD aufgerufen." Zitat Ende. Na dann haben Sie Merkel wohl nicht richtig verstanden. Mit diesen Worten hier - Zitat: "Die Widerstandskämpfer seien deshalb Vorbilder und ihre Haltung und ihr Mut müssten "uns auch heute leiten", um Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten, forderte die Kanzlerin. Auch das sei "Dienst für unser Land"." Zitat Ende, drückt Sie dann was genau aus? Es gibt nur eine Partei, gegen die sich ihre Worte richten könnten. Zumindest, wenn man die heute gängige, offizielle Lesart berücksichtigt. Und dass auf eine Aktion auch eine Reaktion folgen kann, bezeichnen Sie als "Kindergarten"? DAFÜR ist das Thema viel zu wichtig - aber wenn Sie meinen....

21.07.2019 23:27 Gerd Müller 40

Söder hat es im Klartext verraten: AfD ist die wahre NPD, Höcke will wie im Norden und Westen nun auch Osten übernehmen und lies Meuthen ausbremsen. Der darf nun zwar am Bundesparteitag anreisen und Reden aber nicht Abstimmen

21.07.2019 22:13 Wessi 39

Das Problem der Konservativen, also auch das von Frau Merkel ist doch eigentlich, daß diese (s. Artikel über Henning v.Tresckow) Hitler den Weg geebnet haben in ihrem Haß gg. alles was links war, unabhängig von der notwendigen Differenzierung.Sie waren schlichtweg Feinde der Republik.Heute gibt es da Ähnlichkeiten, aber Konservative wissen heute exakt zu differenzieren zwischen konservativ+nazifördernd.Siehe hierzu die Warnung der AfD-Leitung an den "sogenannten" (wie derzeit "sogenannte DDR),"Flügel" der spaltet.Siehe auch hierzu die eindeutige Abgrenzung der CDU/CSU zur, eben nicht konservativen, AfD.Ekeleregend ist die Behauptung von so was wie Höcke+Kons. sie wären "konservativ".Wer wirklich konservativ ist will das, was auch die Nachkommen+Überlebenden des 20.Juli in Form der BRD, wie sie heute ist, konservieren=bewahren und nicht zurück zu dem was man vor 33 als "konservativ" begriff.

21.07.2019 20:16 Jan 38

@ 35 Ohje, wenn ich das schon höre.... Das ist ja wie im Kindergarten "... aber der andere hat angefangen...." Wenn einer was blödes tut, muss man es doch slber nicht auch noch tun.... Das sind mir die besten Argumente.
Zudem, hat Frau Merkel in keiner Weise zu Widerstand gegen die AFD aufgerufen. Es geht hier darum, die Entscheidung eines Soldaten gegen seinen Eid zu agieren, wenn man damit Leid (weitere Opfer im Krieg) abwenden kann.
Was mich an Frau Merkels Rede unheimlich ärgert, ist die Tatsache, dass sie die Ausgaben für die Verteidigung erhöhen will. Da frag ich mich doch, gegen wen wir uns verteidigen müssen und wieso man dafür so viel Geld brauch.

21.07.2019 19:45 aus Dresden 37

Merkel spricht vom "nationalsozialistischen Unrechtsregime" - völlig zu recht -, führt aber selber eine Regierung, die ebenfalls völlig zu recht mit den Worten von der "Herrschaft des Unrechts" (Seehofer) beschrieben wird.

21.07.2019 19:29 Schneemann - lieber "rechts" als käuflich 36

"In einigen Momenten habe der Einzelne die "Pflicht" zum Widerspruch und Widerstand, sagte sie..."

Und damit absolut recht.

21.07.2019 19:10 Wo geht es hin? 35

@Jan - Zitat von Ihnen: "Wie könnt ihr euch anmaßen, die Zeit und die politischen Verhältnisse von 33-45 mit heute in Verbindung zu bringen?" Zitat Ende. Wer hat denn damit angefangen? Wenn Sie die Worte von Merkel mal ganz genau auf sich wirken lassen - ja auf was bezieht sich Merkel denn dann, ohne den Namen AfD in den Mund zu nehmen? Oder sehen Sie schon einen neuen Hitler am Horizont? Merkel hat die Worte zum Widerstand ganz bewusst mit dem hier und jetzt verknüpft. Und damit nichts anderes wie den politischen Gegner gemeint. Und die eigentliche Schande ist es, einen Stauffenberg auch noch für ihre politische Agenda zu missbrauchen.