Der CDU-Politiker Friedrich Merz auf der CDU-Regionalkonferenz am 21.11.2018 in Seebach.
Seine Millionen könnten Merz zum Verhängnis werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Debatte um Friedrich Merz Reichtum als No-Go?

Friedrich Merz war zehn Jahre von der politischen Bühne verschwunden und hat in der freien Wirtschaft gearbeitet. Mit Erfolg, denn heute ist der Kandidat für den CDU-Vorsitz wohlhabend. In einem Essay schreibt die Zeitung "Welt", die Deutschen hätten ein grundsätzliches Problem mit reichen Politikern. Stimmt das?

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Der CDU-Politiker Friedrich Merz auf der CDU-Regionalkonferenz am 21.11.2018 in Seebach.
Seine Millionen könnten Merz zum Verhängnis werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Friedrich Merz habe "in den letzten Jahren gut Kasse gemacht", formulierte es Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in der Talkshow "Anne Will" zum Thema Ungleichheit. Sie erwarte, dass die Politik härter gegen die Machenschaften vorgehe, die es bei "den Großen" gebe.

Es hat wenig mit dem Alltag von vielen hart arbeitenden Menschen zu tun.

Manuela Schwesig, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin

Schwesig bezweifelte, dass Merz als neuer CDU-Chef geeignet sei. Merz wiederum klagte, bewusst herabgesetzt zu werden. Er habe viel gearbeitet und nichts geschenkt bekommen. Werden reiche Politiker wie er also einfach nicht akzeptiert?

Viel Kritik an reichen Politikern

Friedrich Merz bei einer CDU-Regionalkonferenz
Friedrich Merz sucht Nähe zu seinen potentiellen Wählern - hier auf der CDU-Regionalkoferenz für Sachsen und Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Umfrage in Halle: Eine Frau meint, durch viel Geld verliere man den Blick fürs Wesentliche. Ein Passant stimmt ihr zu: "Reiche Politiker können sich in die Psyche der armen Leute hier nicht hineinversetzen." Eine jüngere Frau widerspricht: Ihr komme es auf die Geschichte dahinter an – darauf, ob der Politiker in die Bevölkerung gehe und versuche, die Probleme der Leute zu verstehen. Ein anderer Passant erklärt: "Das ist immer alles eine Frage, wo man sein Geld herbekommen hat." Schließlich erbten auch viele Menschen Geld, könnten also nichts für ihren Reichtum.

Laut einer Befragung der Europäischen Kommission halten 92 Prozent der Deutschen die Einkommensunterschiede für zu groß. Im europäischen Durchschnitt sahen das nur 84 Prozent so, erklärt der Würzburger Wirtschafts-Ethiker Harald Bolsinger.

Geld und Reichtum sind zweifelsohne ein Machtfaktor. Wer reich ist, erscheint uns Normalbürgern oft suspekt, weil wir die Einkommensherkunft nicht verstehen können.

Harald Bolsinger, Professor für Wirtschaftsethik

Ist ein großes Vermögen gerecht oder nicht? Bolsinger hält das für eine subjektive Frage. Auch Neid könne hier eine Rolle spielen. Ist das bei Merz auch so? Könnten seine Millionen ihm die politische Zukunft verderben? Ein Passant in Halle meint, Ja – und zitiert ein fast 200 Jahre altes Gedicht von Matthias Claudius: "Der Reichtum aber treibt und bläht, hat mancherlei Gefahren. Und manchen hat's das Herz verdreht, die weiland wacker waren." Er sagt, das treffe den Kern: Reiche Menschen seien korrupt. Das ist eine Behauptung.

Woher kommt das Geld?

Merz ist unter anderem Aufsichtsratschef der Fondsgesellschaft "Black Rock", die an der Cum-Ex-Steueraffäre beteiligt gewesen sein könnte. Die ganze Branche genieße gerade wenig Vertrauen, so Wirtschaftsethiker Bolsinger. Er zitiert eine Studie des Deutschen Beamtenbundes, laut der keine zehn Prozent der Bevölkerung glauben, dass der Markt alles regeln wird. "Wenn Menschen aus einem ziemlich marktgetriebenen Bereich in die Politik wechseln wollen, ist es natürlich verständlich, dass diesen Menschen zuerst mal ein Misstrauen entgegen gebracht wird."

Reichtum gehe aber nicht zwangsläufig mit einer fragwürdigen Ethik einher, bilanziert Bolsinger. Die Fragen seien immer: Wie ist das Geld jeweils verdient worden – und was wurde damit gemacht?

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. November 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2018, 06:30 Uhr

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54 Kommentare

26.11.2018 07:49 Frank 54

@ 49 Wie sagt doch schon der Volksmund: Getroffene Hunde bellen laut. Es zeigt mir, das ich mit meiner Einschätzung völlig richtig lag. Glückwunsch, sie Leistungsträger.

25.11.2018 22:49 Bernd L. 53

Der Merzzug und Schulzzug sind beide furios gestartet, dann ins Truteln geraten und entgleist. Die Leute haben eben beide schnell durchschaut.

25.11.2018 22:39 mark 52

Wir brauchen Kanzler, die uns alle reich machen. Nicht Sozialisten wie Schröder ,die sich rühmen den grössten und schönsten Billiglohnsektor in Europa geschaffen zu haben. Wenn Merz nicht liefert wählt man ihn ab fertig. Mit einfach klaren Gesetzen (Bierdeckel) ,wo man nichts absetzen kann nach Steuern ,außer ein Kinderfreibetrag,gäb es keine Cum Ex fertig.

25.11.2018 22:02 Wessi 51

@ 50 ...wer "kreidet" Merz sein "Millionärsein" an? Nein, es geht in der causa Merz um eine Verkennung der Realität...der Mann zählt sich zum "Mittelstand".Ist die Mitte der Einkommen bei 1 Million €? Na also! Mit "Gleichheit", "Gleichmacherei", hat das nix zu tun. Eher damit, daß jemand der soviel über dem mittleren Einkommen verdient, ziemlich so deucht, als könne er die Probleme der normalen Menschen nicht verstehen

25.11.2018 21:09 annerose will 50

So ein Blödsinn jemandem sein "Millionärsein" politisch anzukreiden. Oft ist Erfolg auch Ergebnis von harter Arbeit vorher. Und Merz scheint mir nun wahrlich kein unintelligenter Mensch zu sein, dem das geld durch Zufälle zugeflogen wäre. Dies Getöse erscheint mir eher was mit dem neuen "Gleichheitswahn" zu tun zu haben. Leistung und Erfolg sind den links-grünen Gleichheitsideologen ein Dorn im Auge.

25.11.2018 19:52 Frank 49

@ 41, 42, 44 und 46: Besser konnten Sie mich mit der Richtigkeit meines Artikels nicht bestätigen. Danke. Wer Erfolg hat braucht die Neider nicht zu bestellen, die kriechen ganz von selbst aus ihren Löchern. Warum andere Erfolg haben fragen die allerdings nie. Vielmehr verschwenden sie alle Energie vom eigenen Unvermögen abzulenken. Schuld sind immer die Anderen. Richtig wäre alle Kraft in die eigene berufliche Perspektive zu legen. Dann klappt das auch! Aber da müsste man ja......? Ja was wohl?
Ich bin beruflich erfolgreich und habe mir das erarbeitet. Es wurde mir nicht geschenkt! Wollen Sie das in Zweifel ziehen?

25.11.2018 14:37 AUFSTEHEN 48

Sollte allein eine Mehrheit bestimmen, drohen Persönlichkeitsrechte und die Entwicklung neuer Ideen eingeschränkt zu werden. Jedem soll Gedankenfreiheit zustehen und auch Handlungsfreiheit, solange damit der Umgebung nicht geschadet wird.

25.11.2018 13:59 Thore 47

Ich stimme der Grundaussage zu, da ein Millionär (Merz), weit weg von den Problemen von "Ottonormalverbraucher", in seiner eigenen "Filterblase" lebt !
Nie wird so ein Mensch den einfachen Bürger vertreten können, denn er ist Lobbyist !

25.11.2018 10:56 Frank 46

@35 Teil4 Da aber unsere Medien diese Verwerfungen als Wirkungen überschaubarer und mit gesetzhaften Notwendigkeit operierender so genannter "Marktkräfte" darstellen, kann natürlich niemand für sie politische Verantwortung tragen. Individuelle Not hat dann eben keine strukturellen gesellschaftlichen Ursachen mehr. Marktkräfte kann man eben nicht personalisieren und abwählen. Armut ist also nicht nur eine natürliche Folge andauernder Umverteilung von unten nach oben. Armut ist zugleich ein von den Nutznießer dieser Umverteilung geradezu erwünschter Effekt. Denn sie verhindert Partizipation, erzeugt Lethargie und diszipliniert diejenigen gesellschaftlichen Gruppen, die eigentlich das größte Interesse an einer Änderung haben sollten. Armut und Armutsängste sind für unsere Eliten der beste Garant der gewünschten politischen Lethargie der Bevölkerung und erhöht zugleich die Stabilität des Status dieser herrschender Eliten.

25.11.2018 10:47 Meckersack 45

Es ist eine Neiddebatte definitiv. Soziale Gerechtigkeit ist ein sehr weicher Begriff, da versteht jeder was anders darunter. Es gibt nun mal Leute die arbeiten um zu leben und es gibt Leute die leben um zu arbeiten, genau so wie es auch Leute gibt die Geld zum Leben brauchen und andere wiederum die Geld zum arbeiten brauchen. Nur Gesellschaften die beides akzeptieren sind erfolgreich, dieses „ich bin arm weil du reich bist“ ist einfach falsch!