Bundesagentur für Arbeit Vier Millionen Beschäftigte in Deutschland überqualifiziert

In Deutschland sind nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit rund vier Millionen Beschäftigte in Jobs tätig, für die sie aufgrund ihrer Qualifikation überqualifiziert sind. Besonders betroffen sind Frauen und Ostdeutsche.

Arbeiterinnen sortieren Äpfel auf Fließband
Gerade Routine-Jobs erledigen oft Menschen, die dafür eigentlich überqualifiziert sind. Bildrechte: imago images / Westend61

In Deutschland sind rund vier Millionen Beschäftigte überqualifiziert. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Demnach hat rund jeder achte (12 Prozent) der insgesamt knapp über 33,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Job unterhalb seines eigentlichen Ausbildungsniveaus.

Frauen und Ostdeutsche besonders betroffen

Bei den Minijobbern ist sogar jeder Fünfte formal überqualifiziert. Etwa 911.000 von ihnen arbeiteten unterhalb ihres Qualifikationsniveaus. Von Tätigkeiten mit einem Anforderungsniveau unterhalb ihrer Qualifikation überproportional betroffen sind allgemein Frauen sowie Menschen in Ostdeutschland. Bei ihnen liegen die Anteile von Arbeitnehmern mit höherer formaler Qualifikation als nötig im Vergleich jeweils über denen der Männer beziehungsweise der Menschen in Westdeutschland.

Welche Menschen in die Statistik fallen

Wir Ostdeutsche - Ampelmännchen
Neben Angela Merkel hat vor allem das ostdeutsche Ampelmännchen im "Westen" eine große Karriere hingelegt. Der Anteil der überqualifizierten ostdeutschen Arbeitnehmer ist aber höher als im Westen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für die BA-Statistik erfasst wurden Menschen, die einen Berufsabschluss hatten, aber nur eine Helfertätigkeit ausübten, also einfache Routinearbeiten. Das waren Ende 2019 in Deutschland knapp 2,6 Millionen Menschen. Dazu kamen fast 1,5 Millionen mit akademischem Abschluss, die als Helfer oder Fachkraft arbeiteten, die also für ihre Arbeit formal ihren Fachhochschul- oder Hochschulabschluss nicht gebraucht hätten.

Jeder Achte mit Job über seiner Qualifikation

Laut der BA-Antwort geht übrigens auch rund jeder achte Beschäftigte einer Arbeit nach, für die seine formale Qualifikation eigentlich gar nicht reicht. Demnach waren Ende des vergangenen Jahres knapp 2,9 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss als Fachkraft, Experte oder Spezialist beschäftigt. Dazu kamen mehr als 1,1 Millionen, die einen nichtakademischen Abschluss haben, aber für ihre Tätigkeit üblicherweise einen Uniabschluss bräuchten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Oktober 2020 | 13:00 Uhr