Forschungsvorhaben Millionen für Antisemitismusforschung

Die Antisemitismusforschung in Deutschland soll verstärkt werden. Dafür will die Bundesregierung zwölf Millionen Euro bereitstellen. Ursachen und Verbreitung sollen damit untersucht und Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Antisemitismus
In der Corona-Krise blühen Verschwörungstheorien gegen Juden. Bildrechte: colourbox.com

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will zwölf Millionen Euro in die Antisemitismusforschung investieren. Wie Ministerin Anja Karliczek ankündigte, solle das Geld von 2021 bis 2025 bereitgestellt werden. Mit den Geldern sollen unter anderem interdisziplinäre Forschungsvorhaben gefördert, Ursachen und Verbreitung von Antisemitismus praxisbezogen untersucht und geeignete Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Antisemitismus sei "Gift für unsere Gesellschaft" und eine wachsende Gefahr für unser friedliches Zusammenleben, sagte Karliczek: "Wir müssen besser wissen, wo und wie er auftritt, worauf er zurückzuführen ist und wie wir ihn wirksam bekämpfen können." Für eine wirksame Prävention sei Forschung die Grundlage.

Antisemitismusforschung ist bislang keine eigene Wissenschaftsdisziplin, sondern ein interdisziplinäres Querschnittsthema. So forschen zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geschichts- und Literaturwissenschaften, der Philosophie, Theologie oder Jura an antisemitischen Erscheinungsformen. Ziel der neuen Förderlinie ist es, die Antisemitismusforschung zu stärken und in der deutschen Forschungslandschaft besser zu verankern.

Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, nannte die Entscheidung des Ministeriums einen wichtigen Baustein in der Gesamtstrategie gegen Judenhass.

Klein sagte: "In den letzten Wochen versuchen Rechtsradikale verstärkt, die Corona-Krise für ihre Ziele zu instrumentalisieren." Als Beispiel nannte Klein "krude Erklärungsversuche" zur Corona-Krise, die derzeit im Internet kursierten. Darunter sei die Behauptung, die Pandemie sei das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Biowaffentests des israelischen Geheimdiensts.

Klein erklärte zudem: "Je größer die Verunsicherung der Menschen ist, desto eher wenden sie sich solchen Sündenbocktheorien zu."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. April 2020 | 12:18 Uhr