Empfehlung Mindestlohn soll auf 10,45 Euro steigen

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll in vier Stufen bis zum 1. Juli 2022 von derzeit 9,35 Euro auf 10,45 Euro steigen. Das empfiehlt die zuständige Kommission in einem am Dienstag in Berlin vorgelegten Beschluss.

Eine junge Frau serviert im Restaurant Kaffee
In der Gastronomie gibt es beispielsweise keinen Branchen-Mindestlohn. Kellnerinnen und Kellnern steht aber der gesetzliche Mindestlohn zu. Bildrechte: dpa

Wer in Deutschland zum gesetzlichen Mindestlohn arbeitet, soll künftig etwas mehr Geld bekommen. Die zuständige Kommission empfiehlt einen Anstieg der Lohnuntergrenze von momentan 9,35 Euro auf 10,45 Euro pro Stunde, und zwar in vier Stufen bis zum Jahr 2022. Das geht aus einem am Dienstag gefassten Beschluss hervor.

In der Kommission sitzen je drei stimmberechtigte Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, zwei beratende Wissenschaftler und der Vorsitzende, dessen Stimme bei einem Patt entscheidet. Die Verhandlungen dauerten am Dienstag länger als geplant. Eine bereits für Dienstagmittag geplante Pressekonferenz zur Vorstellung des Ergebnisses wurde kurzfristig abgesagt.

Zuletzt war der gesetzliche Mindestlohn Anfang dieses Jahres angehoben worden. Die Kommission richtet sich zur Ermittlung des Mindestlohns nach der Tarifentwicklung und hat außerdem die allgemeine wirtschaftliche Lage zu berücksichtigen.

SPD versus CDU

Die Gewerkschaften fordern seit Längerem eine Anhebung auf zwölf Euro. Auch die SPD will perspektivisch einen Mindestlohn von zwölf Euro, dafür hatte sich unter anderem Finanzminister Olaf Scholz ausgesprochen. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hatte hingegen der Wirtschaftsflügel der CDU verlangt, den Mindestlohn zu senken, zumindest aber nicht anzuheben.

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums erhielten im April 2019 rund 1,4 Millionen Menschen den Mindestlohn. Er gilt für abhängig Beschäftigte über 18 Jahre. Es gibt aber Ausnahmen, beispielsweise für Auszubildende. Etliche Branchen haben eigene, höhere Mindestlöhne, etwa der Bau und die Pflege.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2020 | 17:00 Uhr

31 Kommentare

Wessi vor 5 Wochen

@ sh. Das Hauptthema? Das Hauptthema ist in diesem Beitrag der Mindestlohn, nicht die Altersarmut.Das Rentenniveau in Österreich (wo inzwischen die Rentenkasse Riesenprobleme hat), resp. daß dort ALLE einzahlen liegt daran, daß die "Beamtengewerkschaft" einmal ziemlich "pennte", als es um die Revision zum Pensionsstatus ging.Die Beamten werden sich bei uns nur ganz langsam ihre Rechte nehmen lassen. Gerade konservative+liberale Parteien stützen das. Für niedrige Löhne sind vollgesogene AG verantwortlich.Und um die geht es hier.Das ist das Hauptthema....also schweifen Sie nicht ab.Ohne rot+grün gäbe es keinen Mindestlohn.

ralf meier vor 5 Wochen

@Wessi: Ok ich hätte Herrn Schröder weglassen sollen. Viellicht habe Sie da Recht und es lenkt von meiner Kernaussage ab. Es geht schlicht darum , welches Menschenbild man hat. Ich habe das des eigenständigen selbstverantworlich handelnden Menschen, für den die Politik den gesellschaftlichen Rahmen garantieren muß, in dem er sich entfalten kann. Dazu gehört z.B. Ein Mindestlohn, der die materielle Basis dafür schafft . Faschisten, Kommunisten und religiöse Fundamentalisten haben dagegen klare Vorstellungen davon, wie der Mensch sein sollte. Wo das noch nicht passt, wird mit Zuckerbrot und Peitsche nachgeholfen. Aus dem selbstbewußten eigenständigen Subjekt wird das abhängige Objekt erzieherischer Maßnahmen.

PS: ich denke , die weitaus meisten Menschen sind fähig und willens, selbstverantwortlich zu leben, wenn der Staat die passenden Rahmenbedingungen schafft.

Einigen wenigen, die das wirklich nicht können, wird man natürlich helfen müssen.

sh. vor 5 Wochen

Genau wie immer bei Ihnen, das Hauptthema wird nicht angefasst, aber genau das ist das Thema gegen Altersarmut, denn damit würde auch die Flickschusterei der Grundrente wegfallen, wenn man z.B. ein Rentenniveau wie in Österreich hätten. Dafür müssten eben ganz einfach nur ALLE einzahlen, aber da traut sich keiner ran. Man klopft sich lieber für Dinge auf die Schulter, mit denen man eben Hauptthemen kaschiert. Für Gesetze sind die Regierungen verantwortlich und nicht die Gewerkschaften. Aber bauen Sie sich weiter ihre Welt zusammen und alles ist wunderbar.