Pflegenotstand Mindestlohn in der Altenpflege wird in Ost und West angeglichen

Der Mindestlohn für mehr als eine Million Pflegekräfte in der Altenpflege wird angehoben und ausgeweitet. Für Pflegehilfskräfte wird die Mindestvergütung ebenfalls erhöht und in Ost und West angeglichen. Fachkräfte sollen erstmals einen Mindestlohn erhalten.

Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann
Der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte soll steigen und im September 2021 in Ost- und Westdeutschland zwölf Euro betragen. Bildrechte: Colourbox.de

In der Altenpflege wird der Mindestlohn für Pflegekräfte erhöht und ausgeweitet. Das hat die Pflegekommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern beschlossen.

Ost-West-Angleichung im September 2021

Wie das Bundesarbeitsministerium mitteilte, soll der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte bis 1. April 2022 in vier Schritten auf 12,55 Euro in Ost- und Westdeutschland angehoben werden.

Die erste Erhöhung soll es am 1. Juli 2020 geben - auf 11,60 Euro im Westen und 11,20 Euro im Osten. Die seit langem geforderte Ost-West-Angleichung soll zum 1. September 2021 kommen. Dann soll der Mindestlohn bundesweit bereits zwölf Euro betragen.

Derzeit gibt es einen Mindestlohn nur für Pflegehilfskräfte. Er liegt bei 11,35 Euro im Westen und 10,85 Euro im Osten.

Mindestlohn für Fachkräfte ab April 2021

Für Pflegefachkräfte soll es ab April 2021 erstmals einen Mindestlohn von 15 Euro geben. Ein Jahr später soll er auf 15,40 Euro steigen.

Mehr Urlaubstage vorgesehen

Die Vereinbarung sieht zudem mehr Urlaubstage über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus vor: Jeweils sechs Tage mehr für 2021 und 2022.

In Einrichtungen mit Pflegemindestlohn arbeiten demnach 1,2 Millionen Beschäftigte. Das Bundesarbeitsministerium will die einstimmige Einigung der Kommission per Verordnung umsetzen.

Verhandlungen über Flächentarifvertrag

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil begrüßte die Empfehlung, vor allem die Ost-West-Angleichung. Er sagte aber auch, besser als der Mindestlohn sei ein Branchentarifvertrag, den er für allgemeinverbindlich erklären könne.

Heil forderte die Tarifpartner auf, ihre laufende Verhandlung zu einem Abschluss zu bringen. Die Gewerkschaft Verdi verhandelt derzeit mit der neuen Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP).

Verdi erklärte, man sei bei den Gesprächen gut vorangekommen. Ob es aber einen allgemein gültigen Flächentarif geben wird, ist offen. Private Pflegeanbieter sprechen der BVAP ab, für die ganze Branche verhandeln zu können.

Hunderttausende Pfleger fehlen

Anlass für die Verhandlungen ist die Personalnot. Schon heute kommen in der Altenpflege auf 100 gemeldete freie Stellen nur 27 Bewerber. Nach Prognosen fehlen in den kommenden Jahren hunderttausende Pflegekräfte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Januar 2020 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 08:34 Uhr