Minijobs vs. Mindestlohn Wie soll es mit den 450-Euro-Jobs weitergehen?

Mit Beginn des neuen Jahres gibt es für einige Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mehr Geld in der Tasche: Die einen profitieren vom gestiegenen Mindestlohn, die anderen von höheren Tarifabschlüssen. Bei den Minijobs hat sich dagegen nichts geändert, seit 2013 gilt hier ein- und dieselbe Einkommensgrenze, nämlich 450 Euro. Aber sind die Minijobs in dieser Form überhaupt noch zeitgemäß? Das wird in Politik und Wirtschaft derzeit heiß diskutiert, auch in Sachsen.

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Holzwürfel mit den Buchstaben - Mini Job
Wer einen Minijob ausübt, darf nicht mehr als 450 Euro pro Monat verdienen. Das könnte sich bald ändern. Bildrechte: IMAGO

Es ist eine paradoxe Situation: Wenn der Lohn steigt, ist das für einige Minijobber kein Grund zur Freude. Denn sie dürfen abgabenfrei maximal 450 Euro pro Monat verdienen oder nur 70 Tage im Jahr arbeiten. Also müssen sie sich entscheiden, sagt der Chef des sächsischen Hotel- und Gaststätten-Verbands, kurz Dehoga, Axel Klein:

Mann steht mit verschränkten Armen in einem Garten
Dehoga-Chef Axel Klein ist für besser bezahlte Minijobs. Bildrechte: Axel Klein/DEHOGA Sachsen

"Wenn sie den höheren Lohn annehmen, haben sie ja viel weniger Stunden, die der Arbeitgeber den Arbeitnehmer auch einsetzen kann. Weil alles, was über der 450 Euro Grenze gezahlt wird, wird natürlich sozialversicherungspflichtig und ist dann nicht mehr so attraktiv."

Im Ergebnis habe sich die Arbeitszeit für viele Minijobber verdichtet, kritisiert der Hotel- und Gaststättenverband und fordert: Die Einkommensgrenze von 2013 sollte dringend angepasst werden. Axel Klein:

"Und wir schlagen vor auf 550 Euro. Das sollte der erste Schritt sein." Klein fordert, dass das mit einer Dynamisierung dieser Grenze verbunden sein sollte – entsprechend dem steigenden Lohnniveau.

CDU für Anhebung von Einkommensgrenze

Rückenwind bekommt der Dehoga von der CDU. Auch sie setzt sich für eine Anhebung und Dynamisierung der Einkommensgrenze ein. Allerdings hätten die 450-Euro-Jobs auch ihre Nachteile, sagt Alexander Krauß, langjähriger arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CDU Sachsen und nun Bundestagsabgeordneter.

Ein Problem sei, dass "wir sehr viele Menschen haben, die aufstocken, die also sagen, ich beziehe Hartz IV und arbeite meinetwegen 10 Stunden pro Woche noch dazu. Und das ist mitunter genau so attraktiv, als wenn man 40 Stunden in der Woche arbeitet". Da müsse man aufpassen, ob das jetzige System wirklich klug ist und wie man es am besten austariere.

Weitere Reformen auf dem Arbeitsmarkt wären laut Krauß also notwendig. Doch für viele Menschen seien die Minijobs von Vorteil und ein guter Zuverdienst, zudem seien sie flexibel und unbürokratisch, findet der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Kritik von der SPD

Deshalb sollte man an ihnen festhalten und die Einkommensgrenze erhöhen. Der Generalsekretär der sächsischen SPD, Henning Homann kritisiert dagegen:

Henning Homann
Henning Homann von der SPD kritisiert eine mögliche Erhöhung der Einkommensgrenze. Bildrechte: dpa

Die Einkommensgrenze zu erhöhen, bedeutet, die Jobs für die Arbeitgeber attraktiver zu machen, weil sie insbesondere dazu führen, dass sie für mehr Leute keine Sozialversicherungsbeiträge, das heißt zum Beispiel auch keine Rentenbeiträge, zahlen müssen.

Henning Homann Generalsekretär SPD Sachsen

Die SPD wolle  mehr Beschäftigte in sozialversicherungspflichtige Jobs bringen und somit den Niedriglohnsektor eingrenzen, erklärt Homann. Eine Einkommensgrenze, die sich ständig erhöht, würde da genau das Gegenteil bewirken.

Politik und Wirtschaft gespalten

Und auch in der Wirtschaft sind längst nicht mehr alle Branchen begeistert vom Konzept Minijob. Mit einer Pauschalabgabe in Höhe von 30 Prozent sei diese Beschäftigungsform teurer als manch andere. Die Innung der Gebäudereiniger fordert deshalb, die Minijobs gleich komplett abzuschaffen.

Das lasse sich ersatzlos jedoch nicht so einfach realisieren, sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Leiter Ifo-Instituts Dresden Marcel Thum. Aber: "Besser als alles so langsam einschlafen zu lassen, wäre, hier eine Reform des Sozialsystems, des Steuer- und Transfersystems anzugehen."

Wirtschaft und Politik sind bei der Minijob-Frage gespalten. Wie es mit den 450-Euro-Jobs weitergeht, muss die Bundesregierung entscheiden. Alexander Kraus von der CDU ist jedenfalls zuversichtlich, dass die Große Koalition noch dieses Jahr eine Regelung finden kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 05:00 Uhr

10 Kommentare

Kritiker vor 1 Wochen

@ElBuffo: Sie meinen mit Ihren Einwurf sicherlich meinen weiter untern angeführten Kommentar wo es um Kürzungen bei Sozialleistungen geht.
HartzIV-Bezieher dürfen allgemein NUR bis zu 100 Euro im Monat dazuverdienen, ehe ihnen Leistungen ALGII um entsprechende Größenordnungen gekürzt werden. Hier bei einen 450 € Minijob sind es also 350 € Zuverdienst, der als Einkommen angerechnet wird. Nur mal so viel dazu. Meinen neusten, jedoch noch nicht bewiesenen Infos kann man wohl als Leistungsbezieher bis zu maximal 200 € Zuverdienst haben, was das ALG II nicht schmälert, bei diesem Leistungsbezug, als somit weniger als Einkommen neben der Leistung aus HartzIV SGB II & XII anrechenbar ist.

ElBuffo vor 1 Wochen

Der Herr Homann ist sicher seit der Schule noch nie gearbeitet. Natürlich werden für Minijobber SV-Abgaben gezahlt, sogar mehr als für den Normalbeschäftigten. Jedenfalls was die Arbeitgeberseite angeht. Für den ist das nämlich sogar teurer. Der einzige, der hier nix zahlt, ist der Arbeitnehmer. Insofern kann dieser Unfug gerne sofort abgeschafft bzw. so verändert werden, dass die Beitragslast wie bei der Steuer für alle bis zum Freibetrag eben Null ist und dann kontinuierlich ansteigt. Dabei gerne alle (ja, auch die von Berufspolitikern und Beamten) einbeziehen.

ElBuffo vor 1 Wochen

Die Minijobs haben Null mit irgendwelchen anrechnungsfreien Verdiensten bei diversen Sozialleistungen zu tun. Wo steht denn da irgendwo, dass 450€ anrechnungsfrei wären? Davon abgesehen, ist es ohnehin niemanden verboten sich etwas hinzu zu verdienen.