Ein Intercity (IC) der Bahn fährt in der Nähe des Hauptbahnhofs in Hamburg.
Die geplante Mitte-Deutschland-Verbindung könnte auch die Autobahn 4 entlasten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Fernverkehr Neue Initiative für Mitte-Deutschland-Verbindung

Fraktionsübergreifend versucht eine Initiative von Bundestagsabgeordneten aus Thüringen und Weimar schneller als geplant wieder Fernverkehr zwischen Eisenach und Chemnitz auf die Schiene zu bekommen. Hausaufgaben müssen nach einem Gespräch im Bahntower nicht nur die Bahn, sondern auch die Politiker machen.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Ein Intercity (IC) der Bahn fährt in der Nähe des Hauptbahnhofs in Hamburg.
Die geplante Mitte-Deutschland-Verbindung könnte auch die Autobahn 4 entlasten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Manchmal muss man ungewöhnliche Wege gehen und ideologische Vorbehalte abstreifen. So war es an diesem Donnerstag eine sehr ungewöhnliche Gruppe, die sich auf den Weg zum Bahntower machte. Bundestagsabgeordnete aus Sachsen und Thüringen von CDU, SPD, Linkspartei, FDP und Grünen wollten dort noch einmal Druck auf die Bahn ausüben, damit auf der alten Mitte-Deutschland-Verbindung schneller wieder Fernverkehr von Chemnitz bis Eisenach und dann gern auch weiter bis ins Ruhrgebiet möglich ist.

Früher kam man ohne Umsteigen von Aachen bis nach Chemnitz. Doch seit  2001 stehen die Signale für Intercitys auf Rot. Nun gibt es wenigstens seit Ende letzten Jahres wieder Fernverkehr bis Gera. Drei Zugpaare fahren von der ostthüringischen Stadt bis nach Düsseldorf. Weiter nach Osten wird es aber wahrscheinlich noch bis Ende 2028 keinen Fernverkehr geben.

Kein durchgehender Fernverkehr vor 2028

Ernüchternd verlief das Gespräch mit der Bahn. Es wird dabei bleiben, dass zehn Jahre für Planung und Bau benötigt werden, um durch die Elektrifizierung der Strecke Weimar-Gößnitz die Strecke für den Fernverkehr bis Chemnitz ertüchtigt wird.

"Es hängt damit zusammen, dass wir Umweltverträglichkeitsprüfungen machen müssen, Lärmschutzmaßnahmen notwendig sind und ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren nötig ist, an der alle beteiligt werden: Die Dörfer, die Städte, die Kommunen, die an der Strecke liegen und zudem auch Einspruchsmöglichkeiten haben", konstatiert der Chemnitzer SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller. Er war früher selbst Lokführer und fuhr die alte Strecke.

Verkehrswende braucht Mitte-Deutschland-Verbindung

Gut wäre, wenn auch das Nadelöhr, die eingleisige Strecke Weimar-Gera beseitigt werden könnte, damit auch Güterzüge rollen und 'Deutschlandtakt', also mindestens ein Fernverkehrszug pro Stunde, möglich ist. Die Planung will die Bahn dafür schon vornehmen, aber für die Realisierung fehlt wohl das Geld. Andererseits wäre für die Verkehrswende, mit der mehr Personen- und Güterverkehr auf die Schiene gebracht werden soll, Zweigleisigkeit dringend notwendig.

Der Ostthüringer Linken-Abgeordnete Ralph Lenkert verweist auf die angespannte Verkehrslage auf der fast parallel verlaufenden Autobahn. Er verspricht sich für Pendler und Spediteure eine große Entlastung, wenn die Mitte-Deutschland-Verbindung schneller käme: "Wer auf der A4 regelmäßig unterwegs ist und weiß, was da an Gütern und an Pkw rollt", fasst Lenkert zusammen, "der wird die Alternative schätzen lernen, wenn die Bahn schnell, zügig und pünktlich ist."

Hausaufgaben für die Politik

Die Bahn gab aber auch den Abgeordneten Hausaufgaben mit auf den Weg. Wenn die Bahn schneller planen und bauen soll, braucht sie Geld. Zwar steht die Strecke auf dem Papier im vordringlichen Bedarf  des Bundesverkehrswegeplans, doch der Haushaltsausschuss muss die Gelder für Planung und Bau freigeben. Da wollen die Abgeordneten nun gemeinsam mit ihrer ungewöhnlichen überparteilichen Koalition Druck machen.

Zudem wollen sie eine Lenkungsgruppe gemeinsam mit den Verkehrsministerien von Sachsen und Thüringen, der Bahn AG und dem Eisenbahnbundesamt bilden, um eventuelle Planungshindernisse durch einen engen Draht aus dem Weg zu räumen. Einen ersten Erfolg können sie schon verzeichnen. "Urspünglich war die Rede, 2032 in Betrieb zu gehen. Wir sind jetzt schon bei 2028", erklärt der Geraer Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel. "Aber auch das ist zu spät. Es ist unser Anliegen als Parlamentarier, damit es zügiger geht und wir früher ans Netz kommen", so Vogel.

Gemeinsam glauben sie an ihren Traum, dass schneller als geplant wieder Züge vielleicht sogar von Dresden wieder bis nach Düsseldorf oder Aachen rollen. Über  zwei Millionen Menschen leben in der Industrieregion Westsachsen/Ostthüringen. Nicht nur sie, sondern auch die Wirtschaft würde davon profitieren, wenn die Bahn wieder durchgehend rollt.   

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 17. Januar 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2019, 18:02 Uhr

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11 Kommentare

19.01.2019 16:30 thüringer bahn initiative 11

Was so wir inständig sagen möchten, dem so wir, seit geraumer zeit versuchen, das so hier in Thüringen sich was bewegt, wessen man aber hier, sich zurückhält und man so hier, keine Unterstützung von Frau Keller bekommt.

Dabei versuchen wir so seit Jahren dafür, wo so die Landesregierung Thüringen, sich hier für eine Elektrifizierung zur Bahnstrecke Leipzig nach Saalfeld, über Gera, so sich stark zu machen und auch, dieses für einen vordringlichen bedarf sich dafürzusprechen, womit es aber nicht getan wird.

18.01.2019 14:11 AufmerksamerBeobachter 10

@9 Die Verlängerung der Rostock-DD-Linie ist vorgesehen - allerdings erst, wenn Regensburg-Hof elektrifiziert ist (warum auch immer, bis Hof ginge es ja sofort). Vielleicht gibts nur noch in DD-Hbf einen Ruheraum fürs Personal.

Zur Berlin-Strecke noch ein Detail: Mir wurde im Februar 2006 im Reisezentrum der Fahrplan 06/07 gezeigt; IR C-B, 2h28min, über Riesa-Bln.Südkreuz-Bln-Hbf.tief. Dann kam das Aus für alle IR.

Die geringe Auslastung nach Düsseldorf lag vor allem wohl an der Fahrzeit (>8h). Genau das soll sich ja mit dem Ausbau Weimar-Gößnitz verbessern.

Was wird wohl eher fertig, der BER oder die Bahn?

18.01.2019 09:43 Burkhard 9

Aus Chemnitzer Sicht sollte die Anbindung an die geplante IC-Linie Dresden - Berlin - Rostock erwogen werden, die auch über den Flughafen BER geführt werden soll. Die Reisezeit zwischen Chemnitz und Dresden würde im Fernverkehr bei gut 50 Minuten liegen.
Die Reisezeit nach Berlin würde unter 3 Stunden bleiben. Schneller als 3 Stunden war die Direktverbindung zwischen Chemnitz und Berlin über Riesa früher auch nicht.
Die frühere Interregioverbindung über Thüringen nach Kassel und weiter, hatte dagegen damals schon mickrige Fahrgastzahlen.

18.01.2019 08:31 Railfriend 8

Durchgehender Verkehr auch auf nicht elektrifizierten Strecken wäre mit DualMode-Antrieben längst möglich. Aber die Bahnlobby wartet lieber, bis der Steuerzahler wie gehabt die Elektrifizierung bezahlt, das bringt der DB mehr Profit ein.
Höchste Zeit, dass der Bundesrechnungshof diese Geschäftspolitik auf Kosten des Steuerzahlers prüft.

18.01.2019 07:11 Zeitgeist 7

Bis 2028 ist mir biologisch gesehen zu lange.
Seit 1990 komplette Verarschung in diesem Land.
Liebe Berufs - Politiker man kann Euch auch auf demokratischen Wege austauschen. Ich und andere machen es vielleicht auch "Besser"
Fazit Schnellzug Chemnitz- Riesa - Berlin.
Der IC- Knotenpunkt in Riesa wäre vorerst erfüllt.
Und bis Görlitz nimmt man gern die 01- er Dampflok zum Übergang in Kauf !

18.01.2019 05:13 Möwe 6

So ist das, wenn ein Staatsunternehmen fit für die Börse gemacht werden sollte.

18.01.2019 00:54 Groove 5

Ich habe einen völlig ernsthaften Vorschlag: Lößt die Bundesbahn, und die zuständigen Ministerien und Behörden auf! Übergebt die Verkehrs- und insbesondere die Bahnpolitik den Schweizern. In 1o Jahren funktioniert die ganze Schoße! Von der Bahn verstehen die Schweizer etwas. Deutsche Verkehrs- und Bahnpolitik ist ein blamables Trauerspiel ohne Ende. Schämt Euch!

17.01.2019 22:08 Willy 4

Da erzählt ein Bundestagsabgeordneter etwas von Prüfung von Umweltverträglichkeit, Lärmschutz, evtl. Einspruch von Kommunen zu einer Trasse die besteht, noch in Betrieb ist und seit hundert Jahren befahren wird. Davon die meiste Zeit mit Dampf. Gehts noch? Da kann sofort gefahren werden. Von Gera bis Glauchau mit Diesel und dann weiter elektrisch bis DD. Für die Ertüchtigung auf 160 km/h kann man dann ja den Amtsschimmel wiehern lassen. Aber der sollte für Planfeststellung, Ausschreibung und Realisierung sich nach 4 Jahren aber ausgetobt haben.

17.01.2019 21:54 Wikreuz 3

Das Problem ist doch allen bekannt: Entweder soll der Konzern "Bahn" Geld in die Kasse der Bundesrepublik spülen oder die Bahn soll möglichst viele Menschen von A nach B bringen um den Straßenverkehr zu entlasten...…. Beides gleichzeitig geht nicht. Wenn man letzteres will, muss man Geld investieren und nicht aus dem System entnehmen. Auch sind jedwede Auslandsgeschäfte für diese Ziel kontraproduktiv.

17.01.2019 20:49 Franz Richter 2

2038, die Bahn ist am Ende.
Überall nur noch Chaos und angebliche Hellseher und Wahrsager.
Wer ist Eigentümer mit Irrtümer der
Bahn? Der Bund, der dt. Staat.