Asylbewerber-Registrierung Polizei und Länder verzichten auf moderne Technik vom Bamf

Seit 15 Monaten wertet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - kurz Bamf - Handys von bestimmten Asylbewerbern aus. Das System ist weltweit einzigartig. Doch die digitale Technik, zu der auch eine Spracherkennung gehört, wird nur im Bamf eingesetzt, obwohl auch andere Behörden sie nutzen könnten.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Gerade wenn bei den Asylsuchenden der Pass fehlt, lässt sich ihre Herkunft nur schwer nachprüfen. Das war in den vergangenen 15 Monaten bei 60 Prozent aller neu registrierten Ausländer der Fall.

Spracherkennung entlarvt fehlerhafte Registrierungen

In solchen bringen Bamf-Mitarbeiter Technik zum Einsatz. Sie lassen sich von den Asylbewerbern in ihrer Muttersprache ein Bild beschreiben. Der Ton wird dabei von einem Computer mitgeschnitten.

"Der Computer analysiert in Echtzeit, welche Sprache und welcher regionale Dialekt dahinter steht", beschreibt der Vize-Präsident des Bamf, Markus Richter. 19.000 Fälle seien auf diese Art ausgewertet worden, fügt Richter hinzu. Außerdem wurden Standorte und ähnliche Meta-Daten aus den Handys ausgelesen, so dass der Reiseverlauf der Asylbewerber schnell nachvollzogen werden kann.

Blatt mit Karte einer Handyauswertung liegt auf einer Computertastatur.
Meta-Daten aus dem Handy eines Asylbewerbers. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Ich glaube, dass das Bamf heute einer der absoluten Digitalisierungstreiber im gesamten öffentlichen Raum in Deutschland ist.

Markus Richter, Vize-Präsident des Bamf

Richter betont, dass das Bamf ein Netzwerk gebildet habe, an dem 30 weitere Behörden aus Bund, Land und Kommunen angeschlossen seien. Das Bamf habe erkannt, dass nur durch gemeinsame Vernetzung neue Technologien auch im Öffentlichen Dienst zur Anwendung kommen.

Richter: System für viele Behörden geeignet

Doch diese Vernetzung lässt offenbar zu wünschen übrig. Alle anderen Behörden in Deutschland könnten zwar mittelbar über eine weitere Datensammlung - über das zentrale Ausländerregister - auf die Daten des Bamf zugreifen, sagt Markus Richter. Effektiver arbeiten aber könnte man, wenn die Technik des Bundesamtes mitgenutzt würde.

Kamerateam um Mann an einem Computerarbeitsplatz
Demonstration des Systems im Bamf. Bildrechte: MDR/Michael Voß

"Das wichtige ist, dass diese Tools zum frühestmöglichen Zeitpunkt eingesetzt werden", meint Markus Richter. So könnten schneller Doppelregistrierungen oder auch falsche Nationalitätsangaben bemerkt werden. "Auch die Bundespolizei und die Aufnahmeeinrichtungen der Länder könnten das System einsetzen. Mit denen sind wir auch im Gespräch", sagt Richter.

Polizei und Länder setzen das System nicht ein

Die Bundespolizeidirektion antwortete auf eine Anfrage von MDR AKTUELL schlicht, "dass die besagte Technik nicht eingesetzt" werde.

Die Länder Sachsen-Anhalt und Sachsen setzen weiterhin auf das zentrale Ausländerregister. Was diese Methode allerdings nicht kann, ist die Stimmenerkennung und die Zuordnung möglicher Dialekte zu den Herkunftsorten der Flüchtlinge. Thüringen erklärte sich in einer E-Mail an MDR AKTUELL – so wörtlich – "für die Durchführung der Asylverfahren und mithin für den betreffenden Einsatz von Computertechnik" als nicht zuständig.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Dezember 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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50 Kommentare

20.12.2018 21:10 Kritischer Bürger 50

@Klaus 48: Um es mal in eine poli. Richtung zu bringen. Wie ich schon einmal hier im Forum geschrieben habe. Wenn man nicht weiß woher jemand kommt, kann man ihn nicht ausweisen=abschieben und darum geht es. So und nun wer organisiert denn das Abschiebungen oft nicht ausgeführt werden konnten? WER? Diese poli.Seite wird es begrüßen,wenn diese moderne Technik nicht hier in D zu sehr verbreitet wird und da nun 16 verschiedenen Bundes-Ländern aus verschiedene poli.Landesregierungen zusammengesetzt sind,wird es wohl nie zu einer Vereinheitlichung bzw. Verknüpfung der modernen Technik kommen.
In gesell.Hinsicht sind solche Vereinheitlichungen zwar für die Feststellung der Herkunft von Menschen sicher wichtig, doch beim Arbeitskräftemangel hier in D,nur ein Hindernis,wenn Abschiebungen wegen fehlender Personalien möglich werden das Herkunft usw. bekannt sind.

20.12.2018 20:58 Kritischer Bürger 49

@Klaus 47: +...Es gibt keinen Grund die moderne Technik zur Identifizierung nicht einzusetzen. Von daher fehlt unseren Besorgten jegliches Argument....+
Sie mit Ihren Anführungen von Besorgten! Erst einmal sind alles Bürger,da möchten Sie sich mal bitte daran"gewöhnen".
Ein Argument wäre dann (gerade auch hier im MDR und in einem vorherigen Artikel) BERUFUNG auf Datenschutzgesetzgebung! Sind das dann zwei verschiedene Angelegenheiten oder geht es auch hier
um Menschen und deren Datenschutz?
Der Grund für den Einsatz moderner Technik ist erstmal Geld,was dafür ausgegeben werden muss,das alles synchronisiert werden möchte und das in einem Land D wo 16 Bundesländer fast 16 unterschiedliche Auffassungen über viele Sachlagen haben! Eine Einheitlichkeit wird es NIE GEBEN,denn andere Interessen wiegen in diesem Land weitaus mehr als die Zuwanderung ohne Papiere. Der labile Umgang mit Gesetz und Personalien ist hier das beste Beispiel.

20.12.2018 17:39 ein schon länger in Deutschland lebender 48

@Klaus 45

"Bei so einer merkwürdigen Einstellung hat es das Wirtschaftswachstum im Osten natürlich schwer."

was, wie, bleiben sie doch bitte beim Thema!

wenn sie wieder vernünftige Argumente haben, können sie sich gern bei mir melden.

20.12.2018 17:32 Klaus 47

@ { 20.12.2018 15:28 Arbeitende Rentnerin }
Offensichtlich kennen Sie sich nicht besonders gut aus. Die Flüchtlinge kommen nicht mit dem Wohnmobil, sondern haben oft nur das, was man am Leib trägt. Und wenn das bei anderen Staaten so gut klappen würde mit der Grenzsicherung, dann würden die erst gar nicht nach Deutschland kommen. Aber darum geht es bei diesem Thema nicht. Es geht darum, dass man die oben dargestellte Technik nutzt. Das hat mit Grenzsicherung erst mal nichts zu tun, die in der EU schon systembedingt nie 100 % sein kann.
Es gibt keinen Grund die moderne Technik zur Identifizierung nicht einzusetzen. Von daher fehlt unseren Besorgten jegliches Argument.

20.12.2018 15:28 Arbeitende Rentnerin 46

Klaus, das mit der Grenzsicherung hat in der DDR schon geklappt, mit dem Unterschied, dass viele raus wollten und wenige rein, das will aber keiner mehr, mit Selbstschussanlagen und Schießbefehl. Etwas Ordnung und Kontrolle, so wie in anderen Staaten auch, wäre aber angebracht, wer absichtlich ohne Papiere kommt, hat doch wohl Dreck am Stecken und nicht die besten Absichten, um es mal vorsichtig auszudrücken, solche Leute brauchen wir nicht.

20.12.2018 12:20 Klaus 45

@ { 19.12.2018 22:39 ein schon länger in Deutschland lebender }
Das mit der Grenzsicherung hat noch nicht mal bei der DDR mit dem Riesenaufwand geklappt. Und eine solche Grenzsicherung innerhalb der europäischen Länder will, wenn überhaupt, nur eine verschwindend kleine Minderheit.
Dann doch lieber Computer mit moderner Technik einsetzen.
Bei so einer merkwürdigen Einstellung hat es das Wirtschaftswachstum im Osten natürlich schwer.

20.12.2018 10:49 nasowasaberauch 44

Prima Technik und in Deutschland wird sie mal genutzt und dann wieder nicht. Was sagt (en) der Innenminister (oder wir haben sogar 16 von der Sorte) die Innenminister dazu. Außerdem, wieviel Fälle von falschen Identitätsangaben wurden festgestellt und was passierte dann?

19.12.2018 23:58 Kritischer Bürger 43

@Klaus 40: +...Das ist vollkommen unerheblich, Asyl kann jeder mit oder ohne Papiere beantragen....+
Vllt. für Sie vollkommen unerheblich, aber für mich nicht!! Solange jeder auf die Gesetze hier in D sich beruft dann bitte auch AufenthG §49 Abs.2 & 3 zzgl. des Unterpunktes Abs.3 Satz 1.
Alle wollen doch so genau nach Recht, Gesetz und Ordnung handeln? Also warum dann nicht bei Menschen ohne Personalien, die hier nach D kommen?
Wer keine Papiere hat, der kann vieles erfinden wenn er nur einmal erst in D ist und wie oft schon angeführt, das Abschiebung nicht vorgenommen werden kann, da dann über Herkunft und Heimat des betreffenden Menschen NICHTS handfestes bekannt ist!
Weiterhin um auf die Technik zu kommen: Für Polizei und Sicherheitsorgane kostet diese moderne Technik siiiiicher KEIN GELD und bei den entsprechenden Kassen wird dafür auch kein Geld zur Verfügung stehen!

19.12.2018 22:39 ein schon länger in Deutschland lebender 42

@Klaus 41

"Das ist Unsinn, bei einer Abweisung hätte er es über die grüne Grenze versucht und irgendwann hätte es geklappt."

was ist denn das für eine Argumentation, gehts noch?

Dann muss die Grenze ausreichend gesichert werden wenn diese Gefahr besteht.

Punkt aus, das macht doch keinen Sinn was sie schreiben!

19.12.2018 21:09 Klaus 41

@ { 19.12.2018 19:41 ein schon länger in Deutschland lebender }
Das ist Unsinn, bei einer Abweisung hätte er es über die grüne Grenze versucht und irgendwann hätte es geklappt. Und soweit ich weiß, wurde er erst hier in Deutschland als Gefährder eingestuft. Da hätten Grenzkontrollen auch nichts gebracht. Die 14 Identitäten hat man aber erst nach seinem Anschlag entdeckt. Mit dem Einsatz modernster Technik wäre das vorher aufgefallen.