Reaktion auf Seenotrettungspläne Morddrohungen gegen Bedford-Strohm

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, hat nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. Diese habe er besonders im Zusammenhang mit seinem Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen bekommen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. Er sprach in der "Augsburger Allgemeinen" von "recht konkreten Drohungen", kurz nachdem er die Entsendung eines Schiffs der EKD zur Rettung von Migranten im Mittelmeer angekündigt habe.

Soziale Netzwerke Schutzraum für Hetzer

Die Morddrohungen gegen ihn nehme er zwar "nicht sehr ernst", es sei aber wichtig, dass diese konsequent von der Polizei verfolgt würden. Im Zusammenhang mit dem Thema Morddrohungen gegen ihn oder auch gegen WDR-Mitarbeiter im Zusammenhang mit dem satirischen Song "Meine Oma ist 'ne Umweltsau" bemängelte Bedford-Strohm die Mankos moderner Technologien.

Es fehlten "Normen und Regeln", an die sich die großen Internetkonzerne hielten, sagte Bedford-Strohm. Soziale Netzwerke seien zum Schutzraum für Hetzer geworden. Das könne nicht sein. "Menschen, die dort hetzen, bekommen das Gefühl, dass ihre menschenfeindlichen Äußerungen salonfähig sind." Rassistische, antisemitische oder andere diskriminierende Äußerungen ließen sich nicht unter Berufung auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen. Bedford-Strohm plädierte für eine "Ethik für Programmierer" ähnlich wie für Ärzte.

Katharina Fegebank, Heinrich Bedford-Strohm, Leoluca Orland und Michael Schwickart bei einer Pressekonfernz über ein neues Bündnis zur Seenotrettung
Für den Einsatz der Evangelischen Kirche in der Seenotrettung erhielt der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm (2. v. l.) Morddrohungen. Bildrechte: dpa

Seenotrettung ist kein "politischer Aktivismus"

Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist, verteidigte die Seenotrettungspläne der EKD. Es handele sich nicht um "politischen Aktivismus". Er unterstütze das Vorhaben eines europäischen Verteilmechanismus. Man dürfe aber nicht tatenlos warten, bis sich Europa geeinigt habe, sagte Bedford-Strohm.

Anfang Dezember hatte die EKD ihr Aktionsbündnis "United4Rescue" vorgestellt, dem sich inzwischen mehr als 150 Organisationen angeschlossen haben. Ende Januar will das Bündnis das Schiff "Poseidon" von Schleswig-Holstein kaufen und es zur Seenotrettung im Mittelmeer einsetzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Januar 2020 | 06:00 Uhr